Arzneimittel-Beschaffung im Wandel: 99 Prozent der Apotheken nutzen Direktbestellungen
September 29, 2026 9:18 pmFast alle Apotheken bestellen direkt bei Herstellern – auch weil sie müssen
Das Direktgeschäft hat sich in Apotheken als fester Bestandteil der Warenbeschaffung etabliert. Fast alle (99 %), der in der aktuellen Ausgabe des Apothekenkonjunkturindex (APOkix) befragten Apothekeninhaber:innen, bestellen Arzneimittel außer beim Großhandel auch direkt bei Herstellern oder über Hersteller-Plattformen wie Pharma Mall. Regelmäßig direkt von Herstellern bezogen werden sowohl verschreibungsfreie als auch verschreibungspflichtige Arzneimittel. Besonders handlingsintensive Produkte wie Zytostatika, Impfstoffe und Betäubungsmittel werden vergleichsweise selten direkt bezogen.
Direktgeschäft wächst – doch Großhandel bleibt bevorzugter Bezugskanal
Nach Angaben von mehr als der Hälfte der Befragten (59 %) hat das Direktgeschäft in den vergangenen zwei Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Für die kommenden ein bis zwei Jahre erwarten 43 Prozent einen weiteren starken Anstieg. Obwohl der Direktbezug weit verbreitet ist und zunimmt, präferieren viele Apotheken diesen nicht gegenüber dem Großhandelsbezug. So geben 91 Prozent der Befragten an, Arzneimittel grundsätzlich lieber ausschließlich über den pharmazeutischen Großhandel bestellen zu wollen, dies aber nicht tun zu können, da bestimmte Arzneimittel zunehmend nur noch direkt über Hersteller erhältlich seien. Den Pharmagroßhandel selbst erachten 92 Prozent als unverzichtbar für die Leistungsfähigkeit ihrer Apotheken – 95 Prozent halten ihn mit Blick auf die Sicherstellung der Versorgungssicherheit als unerlässlich.
Großhandel schneidet in den meisten Leistungsbereichen besser ab
Auch bei der Bewertung zentraler Leistungsmerkmale durch die Befragten schneidet der Bezug über den pharmazeutischen Großhandel besser ab als der Direktbezug. Im direkten Leistungsvergleich erzielt der Großhandel unter anderem bei Handlingsaufwand (96 % Zufriedenheit beim Großhandelsbezug im Vergleich zu 50 % beim Direktbezug), Bestellaufwand (97 % zu 52 %), Bestell- und Lieferflexibilität (94 % zu 56 %), Liefergeschwindigkeit (98 % zu 62 %) sowie Lieferzuverlässigkeit, -genauigkeit und -qualität (96 % zu 78 %) deutlich höhere Zufriedenheitswerte. Lediglich bei der Lieferfähigkeit (78 % zu 86 %) und bei der Transparenz der Rechnungen (40 % zu 91 %) wird der Direktbezug positiver bewertet als der Bezug über den Großhandel. Auch die wirtschaftlichen Vorteile des Direktgeschäfts werden von vielen Befragten kritisch hinterfragt: Rund zwei Drittel (65 %) sind unsicher, ob mögliche Preisvorteile im Direktgeschäft zusätzliche Prozess- und Lagerkosten tatsächlich ausgleichen.
Geschäftslage und Geschäftserwartungen uneinheitlich
Im September steigt der Index zur aktuellen Geschäftslage von 76,5 auf 81,6 Punkte – der Index der Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate sinkt dagegen um 9,2 Punkte und liegt im September bei 69,4 Punkten.
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