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Aufsichtsratbesetzung: Aufsicht ohne Expertise – Risiko für Investoren?

Juli 28, 2025 10:39 pm Veröffentlicht von

Board Monitor Europe 2025 analysiert Neuberufungen in DAX und MDAX

Frankfurt/München. Die aktuelle Ausgabe des Board Monitor Europe 2025 der internationalen Personalberatung Heidrick & Struggles zeigt: Der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten deutscher Börsenschwergewichte ist 2024 auf ein Rekordniveau gestiegen. 47 Prozent der Neuberufungen in DAX- und MDAX-Unternehmen entfielen auf weibliche Mitglieder – ein Anstieg gegenüber 42 Prozent im Vorjahr und der höchste Wert seit 2017. Damit setzt sich ein kontinuierlicher Trend zur Erhöhung der Geschlechterdiversität in den Kontrollgremien fort.

Defizite

Gleichzeitig offenbart die Analyse Defizite in der Auswahl aktiver Führungspersönlichkeiten. Nur 52 Prozent der neuen Aufsichtsratsmitglieder sind derzeit in einer aktiven Managementfunktion – deutlich weniger als in den Jahren 2021 (75 %) und 2022 (70 %). Deutschland liegt hier im europäischen Vergleich zurück. In Ländern wie Belgien (78 %), Italien (75 %) oder Schweden (68 %) gelingt es deutlich besser, operative Expertise in die Aufsichtsgremien zu holen.

Auch bei der Berufung von Persönlichkeiten mit CEO- oder CFO-Erfahrung verliert der Standort Deutschland an Boden. Nur noch 33 Prozent der neuen Mitglieder bringen CEO-, 11 Prozent CFO-Erfahrung mit – der niedrigste Wert seit 2018. Zum Vergleich: In Frankreich verfügen 62 Prozent der Neuberufenen über CEO-Erfahrung, in der Schweiz 53 Prozent.

Die Internationalität der Besetzungen bleibt ebenfalls ausbaufähig. Lediglich 27 Prozent der neuen Aufsichtsratsmitglieder in Deutschland stammen aus dem Ausland – ein vergleichsweise niedriger Wert gegenüber Ländern wie der Schweiz (67 %), Belgien (72 %) oder den Niederlanden (64 %). Für international agierende Konzerne sei diese Inlandsfokussierung ein strategischer Nachteil, betonen die Studienautor:innen.

Das Durchschnittsalter der neu berufenen Aufsichtsrätinnen und -räte liegt in Deutschland bei 56 Jahren, wobei 62 Prozent zwischen 55 und 69 Jahren alt sind. Auffällig: 40 Prozent der Neuberufenen verfügen über einen Doktortitel – der höchste Anteil unter den untersuchten europäischen Ländern.

Fazit für den Mittelstand

Die Ergebnisse des Board Monitor Europe 2025 bieten auch für mittelständische Unternehmen wichtige Orientierung: Diversität und internationale Perspektiven sind strategische Erfolgsfaktoren – aber sie ersetzen keine operative Führungserfahrung. Wer zukunftsfähige Aufsichtsgremien aufbauen will, sollte aktiv Führungskräfte mit aktueller Managementpraxis und internationalem Hintergrund einbinden.

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