Azubis gewinnen: Immer mehr Jugendliche wählen Ausbildung statt Studium
Juli 17, 2025 8:26 pmBerufsorientierung als Pflichtaufgabe an allen Schulen etablieren
DIHK-Ausbildungsexperte Markus Kiss zur Bertelsmann-Jugendbefragung Ausbildungsperspektiven:
„Dass die Mehrheit der jungen Menschen die Ausbildung weiter als beliebtesten Bildungsweg nach dem Schulabschluss betrachten, ist ein starkes Signal und ein großes Lob für die Ausbildungsbetriebe. Auch die Rückmeldungen aus den Ausbildungsberatungen der IHKs bestätigen: Der langjährige Trend zum Studium scheint gebrochen.
Besorgniserregend ist hingegen, dass jeder fünfte Schüler zunächst ohne formale Qualifikation arbeiten möchte – auch weil sich die Hälfte der Befragten nicht gut in den Angeboten der Berufsorientierung zurechtfindet. Wir brauchen daher eine verpflichtende und praxisorientierte Berufsorientierung als bundesweite Pflichtaufgabe an allen Schulen. Gymnasien dürfen nicht einseitig über das Studium, sondern müssen auch über die sehr guten Perspektiven einer Ausbildung informieren. Immer mehr Schulen nutzen hierfür ein besonders erfolgreiches Angebot: die Ausbildungsbotschafter. Das sind Azubis, die in die Schulen gehen und auf Augenhöhe von ihrer Ausbildung im Betrieb berichten. Die IHKs haben parallel dazu eine großangelegte, bundesweite Kampagne gestartet. Das Motto lautet: „Jetzt könnenlernen – Ausbildung macht mehr aus uns“.
Ein weiteres Hindernis auf dem Weg in die Ausbildung sind laut Studie häufige Vorurteile über das Gehalt. Auch hier muss mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Die tariflichen Ausbildungsvergütungen sind in den letzten Jahren deutlich stärker gestiegen als die allgemeinen Löhne. 2024 lag das durchschnittliche Azubi-Gehalt in tarifgebundenen Betrieben bei 1.133 Euro im Monat. Viele Unternehmen zahlen weitere Benefits wie Prämien für gute Lernergebnisse, Zuschüsse zum Deutschlandticket, zum Wohnen oder ein Abo fürs Fitnessstudio.
Wichtig bleibt: Besonders junge Menschen mit niedriger Schulbildung müssen besser unterstützt und Ausbildungsperspektiven deutlicher aufgezeigt werden. Förderangebote wie die Assistierte Ausbildung oder Mentorenprogramme wie VerAplus müssen noch bekannter gemacht und weiterentwickelt werden. Ein besonders wirksames Instrument für den Einstieg in Ausbildung ist die sogenannte Einstiegsqualifizierung. Junge Menschen, die noch nicht voll für eine klassische Ausbildung geeignet sind, erhalten so die Möglichkeit, in einem Zeitraum von vier bis zwölf Monaten Teile eines Ausbildungsberufes, einen Betrieb und das Berufsleben kennen zu lernen. Danach werden viele von ihrem Betrieb in eine reguläre Ausbildung übernommen.”
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Stichwörter: DIHK, Jugendliche, Qualifikation
Kategorie: Arbeitsmarkt, News