Breitband Unternehmen: Mittelstand funkt immer noch auf Lücke
November 19, 2025 4:04 pmBIHK-Positionspapier „Schnelles Internet für Unternehmen“
München. Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur ist für den deutschen Mittelstand längst unverzichtbarer Standortfaktor – dennoch bleibt der Ausbau von Festnetz-Breitband und Mobilfunk hinter den Anforderungen der Wirtschaft zurück. Mit dem BIHK-Positionspapier „Schnelles Internet für Unternehmen“ legen erstmals alle neun bayerischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) gemeinsam konkrete Forderungen vor, wie Breitband- und Mobilfunknetze zügig gestärkt und Investitionen des Mittelstands besser abgesichert werden können
Forderungen für besseres Breitband- und Mobilfunknetz
Ziel des Positionspapiers ist es, Unternehmen in Industrie, Handel, Dienstleistungen und Handwerk verlässlich mit leistungsfähiger Informations- und Kommunikationstechnik zu versorgen. Die IHKs sehen dabei sowohl die Politik als auch Netzbetreiber und Unternehmen selbst in der Verantwortung. Gefordert werden insbesondere direktere Unterstützung für Betriebe mit besonderem Breitbandbedarf, bessere Wettbewerbsbedingungen auf den Telekommunikationsmärkten, der Abbau von Bauhemmnissen beim Netzausbau sowie eine Regulierung, die Investitionen in Glasfaser und moderne Mobilfunktechnologien nicht ausbremst.
Hintergrund
Aus Sicht der IHKs ist eine leistungsfähige Festnetz-Breitbandinfrastruktur in Kombination mit stabilen, schnellen Mobilfunknetzen Grundvoraussetzung für digitales Wirtschaften – von cloudbasierten Anwendungen über KI-Einsatz in der Produktion bis hin zu mobilen Services im Vertrieb. Trotz spürbarer Ausbauschritte in Deutschland und insbesondere in Bayern bleibt der Wirtschaftsstandort im internationalen Vergleich jedoch zurück: Beim Festnetz-Internet ebenso wie im Mobilfunk bestehen weiterhin Lücken, die die Wettbewerbsfähigkeit vieler mittelständischer Betriebe beeinträchtigen. Um im globalen digitalen Wettbewerb aufzuschließen, brauche die Wirtschaft schnell eine zuverlässige, flächendeckende digitale Infrastruktur, betont die IHK
Festnetz-Internet
Für mittelständische Unternehmen müsse es an jedem Standort möglich sein, einen stabilen Internetanschluss mit geringen Ausfallzeiten, angemessenen Preisen sowie hohen Up- und Downloadraten zu nutzen. Laut IHK-Digitalisierungsumfrage 2024 sehen sich zwar 76 Prozent der bayerischen Unternehmen mit ihrer Internetverfügbarkeit grundsätzlich ausreichend versorgt, doch für rund ein Viertel ist die Bandbreite weiterhin ein spürbarer Hemmschuh. Nur 35 Prozent der Betriebe nennen leistungsfähige Gigabitverbindungen mit mindestens 1.000 Mbit/s als maximale verfügbare Bandbreite. IHK München +1 Gleichzeitig warten viele Unternehmen auf Glasfaseranschlüsse, während bestehende Angebote aus Kostengründen oder aufgrund unklarer Wirtschaftlichkeitsrechnungen ungenutzt bleiben. Dadurch entstehen Versorgungslücken und ungenutzte Potenziale – gerade für mittelständische Betriebe mit hohen Datenmengen, vernetzten Produktionsprozessen oder hohem Remote-Anteil. Um die Breitbandversorgung wirksam zu verbessern, plädieren die IHKs unter anderem für eine gezielte Ansprache und Beratung von Unternehmen mit besonderem Breitbandbedarf, für mehr Transparenz bei Angeboten, für die Stärkung des Infrastrukturwettbewerbs sowie für eine deutliche Beschleunigung und Vereinfachung der Genehmigungsverfahren beim Ausbau.
Mobilfunk
Auch beim Mobilfunk sieht das Positionspapier erheblichen Handlungsbedarf. Für mobiles Arbeiten, Logistik-Tracking, vernetzte Maschinen oder digitale Services im Außendienst sei ein sehr gutes Mobilfunknetz für Telefonie und Daten unerlässlich. In Bayern gelten rund 16 Prozent der Fläche als „graue Flecken“, in denen 4G/5G zwar grundsätzlich verfügbar ist, jedoch nicht über alle Netzbetreiber hinweg. Über drei Prozent der Fläche werden zudem als „weiße Flecken“ eingestuft, in denen lediglich 2G zur Verfügung steht – Werte, die im Vergleich der Bundesländer nur hintere Plätze belegen. IHK München Die IHKs fordern deshalb, die Auflagen bei der Verlängerung von Frequenzen konsequent durchzusetzen, Genehmigungshürden für neue Mobilfunkstandorte deutlich abzusenken und Planungsprozesse zu standardisieren sowie zu digitalisieren. Zudem gelte es, Kommunen und Bevölkerung frühzeitig einzubinden, um Vorbehalte etwa beim Thema Strahlung transparent zu adressieren und schneller geeignete Standorte für zusätzliche Masten und Antennen zu finden. Nur so könne der Mittelstand überall, auch in ländlichen Räumen, von zuverlässigen mobilen Netzen profitieren
BIHK-Positionspapier 2025
Mit dem gemeinsamen BIHK-Positionspapier bündeln die neun bayerischen IHKs ihre bisherigen Einzelpositionen aus den Jahren 2017, 2018 und 2020 und führen diese zu einem aktualisierten Forderungskatalog zusammen. Bereits früh hatte die IHK-Vollversammlung etwa eine Fortführung und Weiterentwicklung der Förderprogramme für den Breitbandausbau angemahnt, eine stärkere Fokussierung auf glasfaserbasierte Netze gefordert und Wege zur Verbesserung der Mobilfunkversorgung aufgezeigt. Diese Vorschläge werden nun vor dem Hintergrund neuer technologischer Entwicklungen und der aktuellen Standortdaten fortgeschrieben. IHK München +1 Für den Mittelstand bedeutet dies eine klarere Orientierung, welche Rahmenbedingungen seitens Politik und Verwaltung nötig sind, um Investitionen in Digitalisierung langfristig abzusichern. Gleichzeitig unterstreicht das Positionspapier, dass Unternehmen selbst aktiv werden sollten – etwa indem sie verfügbare Glasfaserangebote prüfen, betriebliche Digitalisierungsstrategien entwickeln und sich bei regionalen Ausbauprojekten gegenüber Kommunen und Netzbetreibern einbringen
IHK Digitalisierungsumfrage und weitere Aktivitäten
Die IHK-Organisation flankiert das Positionspapier mit regelmäßigen Standort- und Digitalisierungsumfragen. Die Digitalisierungsumfrage 2024 zeigt, dass sich der wahrgenommene Digitalisierungsgrad der bayerischen Unternehmen seit mehreren Jahren kaum verbessert und sich 60 Prozent der Betriebe selbst weiterhin mit deutlichem Aufholbedarf sehen. Zeitmangel, Kosten und Komplexität digitaler Projekte zählen zu den wichtigsten Hürden. IHK München +1 Vor diesem Hintergrund verweist die IHK auch auf Beratungsangebote und Ratgeberformate, etwa zu Handlungsoptionen bei Breitbandproblemen oder zur Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Zudem unterstützt sie Kommunen beim Zugang zu fachlichen Informationen rund um Mobilfunktechnik, Messungen und Grenzwerte, um Akzeptanz und Planungssicherheit vor Ort zu erhöhen. Für mittelständische Unternehmen entsteht so ein Zusammenspiel aus politischer Interessenvertretung, datenbasierter Analyse und konkreten Unterstützungsangeboten.
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Stichwörter: Breitband Unternehmen
Kategorie: Digitalisierung, IT-Technologie