China baut Auto-Standorte in Europa aus – doch der Bundesregierung fehlen entscheidende Informationen
Juli 27, 2026 7:00 pmChinesische Autohersteller bauen Europa aus – Bundesregierung fehlen zentrale Daten zu Arbeitsplätzen und Arbeitnehmerrechten
Chinesische Automobilhersteller bauen ihre Produktionskapazitäten in Europa weiter aus. Neue Werke entstehen, bestehende Fabriken werden übernommen oder mitgenutzt. Gleichzeitig räumt die Bundesregierung ein, dass ihr zu wesentlichen Folgen dieser Entwicklung vielfach belastbare Erkenntnisse fehlen.
Weder die Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Wertschöpfung noch Informationen zu Tarifbindung, Mitbestimmung oder Arbeitsbedingungen an den neuen Standorten werden nach ihren Angaben systematisch erfasst.
Nach Kenntnis der Bundesregierung verfügen chinesische Hersteller derzeit über kein eigenes Pkw-Produktionswerk in Deutschland. In mehreren Mitgliedstaaten der Europäischen Union laufen jedoch bereits umfangreiche Investitionen oder Produktionsvorhaben. Dazu gehören ein im Bau befindliches Werk von BYD in Ungarn, ein angekündigtes Werk von SAIC (MG) in Spanien, die Produktion von Chery im ehemaligen Nissan-Werk in Barcelona sowie weitere Projekte von Geely in der Slowakei und Calb in Portugal. XPeng lässt Fahrzeuge unterdessen bei Magna in Österreich und Deutschland montieren.
Trotz dieser Entwicklung erklärt die Bundesregierung, dass sie den Ausbau chinesischer Produktionskapazitäten in Europa nicht systematisch erfasst. Ebenso liegen ihr keine Erkenntnisse darüber vor, wie viele Arbeitsplätze durch diese Investitionen entstanden sind oder entstehen sollen. Auch über den Anteil von Forschung, Softwareentwicklung, Batterieentwicklung oder anderen hochwertigen Tätigkeiten an diesen Standorten verfügt sie nach eigenen Angaben nicht.
Auch bei den wirtschaftlichen Auswirkungen sieht die Bundesregierung erhebliche Informationslücken. Erkenntnisse über den Anteil europäischer Zulieferer an den Wertschöpfungsketten chinesischer Hersteller liegen ebenso wenig vor wie Daten darüber, in welchen Bereichen Abhängigkeiten von außereuropäischen Lieferanten bestehen. Angaben zu Sozial- und Beschäftigungsstandards wie Tarifbindung, Mitbestimmung, Arbeitszeitregelungen oder Arbeitsschutz an den neuen Produktionsstandorten liegen der Bundesregierung ebenfalls nicht vor.
Nach Angaben der Bundesregierung haben chinesische Automobilhersteller oder mit ihnen verbundene Unternehmen seit 2020 keine Fördermittel aus der deutschen Förderrichtlinie Elektromobilität für Produktions-, Batterie-, Software- oder Entwicklungsstandorte erhalten. Über Förderungen in anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union liegen hingegen keine Erkenntnisse vor.
Bekannt ist der Bundesregierung jedoch, dass mehrere chinesische Unternehmen Forschungs-, Entwicklungs- oder Designzentren in Deutschland und Europa betreiben oder deren Aufbau planen. Genannt werden unter anderem BYD, Xiaomi, XPeng, Changan, Geely, SAIC (MG) und Chery. Detaillierte Informationen zu Standorten, Beschäftigten oder technologischen Schwerpunkten werden nicht genannt.
Mit Blick auf technologische Zusammenarbeit verweist die Bundesregierung auf Risiken wachsender Abhängigkeiten. Sie beobachtet einen zunehmenden Einfluss außereuropäischer Anbieter insbesondere bei Cloud-Infrastrukturen, Künstlicher Intelligenz, automatisiertem Fahren und Sensortechnologien. Zudem weist sie darauf hin, dass chinesische Unternehmen nach chinesischem Recht verpflichtet sein können, mit staatlichen Stellen und Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten. Dadurch könnten bei vernetzten Fahrzeugen Risiken für Datensicherheit und technologische Souveränität entstehen.
Grundsätzlich verfolgt die Bundesregierung nach eigenen Angaben weiterhin eine Strategie des sogenannten De-Risking. Ziel sei der Abbau kritischer Abhängigkeiten, nicht jedoch eine wirtschaftliche Entkopplung von China. Investitionen aus China seien grundsätzlich willkommen, sofern sie auf Gegenseitigkeit beruhen, Arbeitsplätze schaffen oder sichern, Wissenstransfer ermöglichen und zugleich den Abfluss kritischer Technologien verhindern.
Die Kleine Anfrage wurde von den Abgeordneten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gestellt. Die Antworten der Bundesregierung machen deutlich, dass der Ausbau chinesischer Investitionen in Europas Automobilindustrie zwar beobachtet wird, in vielen zentralen Bereichen jedoch keine umfassenden Daten zu Beschäftigung, Wertschöpfung, Arbeitnehmerrechten oder technologischen Auswirkungen vorliegen.
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