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China Energiewende: China streicht Einspeisevergütungen – Märkte geraten ins Wanken

September 25, 2025 8:41 pm Veröffentlicht von

China als Schlüsselakteur der globalen Energiewende – Chancen und Risiken für den deutschen Mittelstand

China nimmt in der weltweiten Energiewende eine doppelte Rolle ein: Einerseits ist das Land der größte Verursacher von Treibhausgasen, andererseits der wichtigste Hersteller grüner Technologien. Laut Bruegel produziert China rund 92 % aller Solarmodule und 82 % der Windturbinen weltweit (Stand 2024). Für die internationale Energiewende und damit auch für deutsche Unternehmen ist dies von zentraler Bedeutung.

Chinas Klimaziele und ihre Bedeutung Die chinesische Regierung hat sich verpflichtet, die CO₂-Emissionen bis 2030 auf einen Höhepunkt zu bringen und bis 2060 Klimaneutralität zu erreichen. Um dies zu erreichen, soll der Anteil nicht-fossiler Energieträger am Energieverbrauch bis 2025 auf 20 %, bis 2030 auf 25 % und bis 2060 auf 80 % steigen. Der aktuelle Stand 2024 liegt bereits bei knapp 20 % – das Zwischenziel ist also fast erreicht bruegel.org . Für deutsche Mittelständler bedeutet das: Der Ausbau erneuerbarer Energien in China beeinflusst globale Lieferketten, Materialpreise und Investitionsentscheidungen auch in Europa. Überkapazitäten als strukturelles Problem Trotz dieser Fortschritte steht China vor einem gravierenden Problem:

Überkapazitäten

Der massive Ausbau der Produktionskapazitäten für Solarmodule und Windturbinen übersteigt die tatsächliche Nachfrage. Gründe hierfür sind: Sinkende Exportpreise aufgrund internationaler Schutzmaßnahmen und schwacher Nachfrage. Überproduktion auf dem heimischen Markt, häufig mit Dumpingpreisen. Wachsende Finanzprobleme chinesischer Hersteller: Zwischen 2022 und 2024 brachen die Betriebsergebnisse vieler Firmen um rund 200 % ein. Die Folge: Zahlreiche Unternehmen haben ihre Investitionen in neue Anlagen bereits um durchschnittlich 40 % gekürzt.

Folgen für deutsche Unternehmen Für deutsche Mittelständler in Industrie, Handel und Energiewirtschaft ergeben sich daraus Chancen und Risiken: Preisvorteile: Kurzfristig profitieren deutsche Installateure und Zulieferer von günstigen chinesischen Modulen und Komponenten. Abhängigkeit: Die Dominanz chinesischer Anbieter kann europäische Hersteller verdrängen und die strategische Unabhängigkeit gefährden. Handelspolitische Spannungen: Protektionistische Maßnahmen, wie etwa Anti-Dumping-Zölle, könnten Preise erhöhen und Investitionssicherheit mindern. Marktkonsolidierung: Fusionen und Übernahmen in China könnten die Angebotsstruktur weiter verändern – mit Auswirkungen auf Lieferzeiten und Verfügbarkeiten.

Investitionsbedarf in Infrastruktur

Bruegel weist darauf hin, dass Chinas erneuerbare Energieerzeugung trotz massiver Investitionen nicht effizient genutzt wird. Grund ist das Fehlen ausreichender Netzinfrastruktur. Zwischen 2020 und 2024 installierte China rund 900 Gigawatt zusätzliche Kapazität, ohne die Energie- und Kohlenstoffintensität spürbar zu senken. Für deutsche Unternehmen im Bereich Netztechnik, Energiespeicherung und Digitalisierung könnten hier neue Märkte entstehen. Kooperationen, Technologielieferungen oder gemeinsame Forschungsprojekte könnten Chancen bieten – vorausgesetzt, regulatorische Hürden und geopolitische Risiken werden berücksichtigt.

Globale Perspektive

Nach Einschätzung von Bruegel ist die Welt beim Ausbau erneuerbarer Energien nicht weit vom notwendigen Pfad entfernt, um Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. Allerdings ist das Wachstum außerhalb Chinas zu langsam. Während China seine eigenen Ziele übererfüllt, hinkt der Rest der Welt hinterher. Für den deutschen Mittelstand bedeutet dies: Investitionen in erneuerbare Energien bleiben weltweit notwendig – sowohl in Europa als auch in Schwellenländern. Hier können deutsche Firmen als Technologieanbieter, Ingenieurdienstleister oder Partner im Projektgeschäft profitieren.

Wirtschaftspolitische Dimension

Die chinesische Regierung hat im Februar 2025 die festen Einspeisevergütungen abgeschafft. Neue Projekte müssen sich seit Juni 2025 am Markt behaupten. Das führte zu einem kurzfristigen Installationsboom, gefolgt von einem starken Rückgang. Für Investoren und Unternehmen ist dies ein Signal: Förderpolitiken können sich schnell ändern und ganze Märkte neu strukturieren. Für deutsche Unternehmer bedeutet das: Investitionsentscheidungen in internationalen Märkten müssen immer auch die politischen Rahmenbedingungen einbeziehen.

Handlungsempfehlungen für den Mittelstand

Risikomanagement

Abhängigkeiten von einzelnen Lieferländern sollten reduziert werden – etwa durch Diversifizierung von Bezugsquellen. Kooperation statt Konfrontation: Kooperationen mit chinesischen Partnern können sinnvoll sein, sollten aber vertraglich und rechtlich abgesichert werden.

Technologische Nischen besetzen

Chancen bestehen insbesondere bei Speichertechnologien, smarter Netztechnik und industriellen Anwendungen von Wasserstoff.

Politik im Blick behalten

Fördermaßnahmen, Handelszölle und Energiegesetze können kurzfristig Märkte verändern.

Fazit

China bleibt trotz Überkapazitäten ein zentraler Akteur der globalen Energiewende. Für den deutschen Mittelstand ergeben sich sowohl Chancen durch günstige Zulieferungen als auch Risiken durch strategische Abhängigkeit und Marktverwerfungen. Wer frühzeitig reagiert, kann neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen und zugleich die eigene Resilienz stärken.

https://www.bruegel.org/


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