Ostdeutsche,Führungspositionen,Führungskräfte,Wirtschaft,Verwaltung,Karriere,Ostdeutschland

Deutschlands Führungsetagen: Ostdeutsche bleiben deutlich unterrepräsentiert

August 25, 2026 6:49 pm Veröffentlicht von

Deutschlands Führungsetagen mit Ost-West-Gefälle: Der Abstand bleibt

Der Anteil von Ostdeutschen in führenden Positionen in Deutschland ist zwischen 2018 und 2024 leicht gestiegen. Dennoch sind sie gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Ihr Anteil in Spitzenpositionen erhöhte sich in diesem Zeitraum von 10,9 auf 12,1 Prozent. Zwischen den einzelnen gesellschaftlichen Bereichen bestehen jedoch erhebliche Unterschiede.

Besonders deutlich nahm der Anteil ostdeutscher Führungskräfte in der öffentlichen Verwaltung und in der Wissenschaft zu. In der Wirtschaft, der Kultur, im Sicherheitsbereich und in der Zivilgesellschaft ging er dagegen leicht zurück. In Politik, Bundeswehr, Medien, Religion, Gewerkschaften und Justiz gab es lediglich geringe Zuwächse oder keine Veränderungen. Nur in der Politik entspricht der Anteil Ostdeutscher ungefähr ihrem Bevölkerungsanteil – allerdings nur dann, wenn auch Spitzenpositionen auf Ebene der Bundesländer berücksichtigt werden.

Grundlage der Untersuchung ist eine an der Universität Leipzig aufgebaute Datenbank, in der die höchsten Führungspositionen Deutschlands systematisch erfasst werden. Zusätzlich wurden Personen in Spitzenämtern befragt und Gespräche mit Verantwortlichen geführt, die an der Besetzung von Führungspositionen beteiligt sind. An dem Forschungsprojekt sind die Universität Leipzig, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Hochschule Zittau/Görlitz beteiligt.

Die geringe Vertretung Ostdeutscher in Führungspositionen lässt sich nach den Ergebnissen nicht allein mit den Folgen der politischen und gesellschaftlichen Veränderungen nach dem Ende der Deutschen Demokratischen Republik und der deutschen Wiedervereinigung erklären. Eine Rolle spielen auch unterschiedliche Karrierewege, regionale Strukturen, der Zugang zu beruflichen Netzwerken sowie die Frage, welche Erfahrungen und beruflichen Hintergründe bei der Besetzung von Spitzenpositionen als passend angesehen werden.

Die Annahme, dass sich die Unterrepräsentation im Laufe der Zeit weitgehend von selbst verringert, wird nur eingeschränkt bestätigt. Danach müssten Ostdeutsche zunehmend die für den beruflichen Aufstieg erforderlichen Qualifikationen und Möglichkeiten erwerben und frei werdende Führungspositionen übernehmen. Nach den Untersuchungen bestehen jedoch weiterhin formelle und informelle Hindernisse beim beruflichen Aufstieg. Mögliche Maßnahmen müssen deshalb auf den jeweiligen gesellschaftlichen Bereich, die Karrierestufe und die Altersgruppe abgestimmt werden. Ergänzend wurde ein Leitfaden für Auswahl- und Einstellungsverfahren entwickelt, der die unterschiedlichen Hintergründe von Bewerberinnen und Bewerbern berücksichtigt.

Eine feste Quote für Ostdeutsche findet sowohl unter Führungskräften als auch in der Bevölkerung nur geringe Unterstützung. Stattdessen werden verschiedene andere Maßnahmen genannt. In frühen Karrierephasen könnte die Bundesregierung über Fördervereinbarungen mit Organisationen zur Begabtenförderung darauf hinwirken, leistungsbezogene Stipendien in bislang unterrepräsentierten Regionen stärker bekannt zu machen und zu fördern. Für spätere Karrierephasen könnten Bund und Länder dafür sorgen, dass Ostdeutsche in öffentlichen Behörden auf Grundlage ihrer Leistung den gleichen Zugang zu Erfahrungen erhalten, die für den weiteren beruflichen Aufstieg wichtig sind. Dazu zählen beispielsweise Versetzungen oder zeitlich begrenzte Tätigkeiten bei anderen Behörden. Als weitere Möglichkeit wird vorgeschlagen, zusätzliche Bundesbehörden in Ostdeutschland anzusiedeln.

Das Forschungsprojekt „Elitenmonitor“ begann 2022 mit einer Förderung durch den damaligen Beauftragten der Bundesregierung für Ostdeutschland, Carsten Schneider. Seit Oktober 2025 wird die Arbeit im Folgeprojekt „Elitenmonitor 2“ fortgesetzt. Dieses erweitert die Beobachtung der Besetzung wichtiger Führungspositionen, untersucht mögliche Maßnahmen gegen die Unterrepräsentation Ostdeutscher und analysiert die Auswirkungen der öffentlichen Diskussion über das Thema. Gefördert wird das Folgeprojekt durch Elisabeth Kaiser, Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland. Ein Ziel besteht darin, genauer zu untersuchen, welche Maßnahmen die Beteiligung Ostdeutscher an Führungspositionen verbessern könnten und wie die Bevölkerung diese Möglichkeiten bewertet.

uni-leipzig.de


 

Stichwörter: , ,

Kategorie:

  1. Home
  2. Unternehmen
  3. Deutschlands Führungsetagen: Ostdeutsche bleiben...