Die Hälfte aller neuen Stadtbusse in der EU war 2024 emissionsfrei
März 3, 2025 1:33 pmKompletter Umstieg auf emissionsfreie Stadtbusse bis 2027 möglich
Im Jahr 2024 waren 49 % der neu zugelassenen Stadtbusse in der Europäischen Union emissionsfrei. Damit gehört dieser Sektor zu den Vorreitern der Verkehrswende im Rahmen des europäischen Grünen Deals. Der Anstieg der Verkäufe übertraf sogar die Prognosen des Umweltverbands Transport & Environment (T&E), obwohl diese bereits von einem starken Wachstum ausgingen. Ein unerwartet schneller Zuwachs bei Brennstoffzellenbussen – sie machten 3 % der neuen Busse aus – trug dazu bei. Dennoch bleiben batterieelektrische Antriebe mit einem Marktanteil von 46 % weiterhin führend. Diese Entwicklung ist das Ergebnis neuer EU-Vorgaben, die das Aus für Dieselbusse besiegeln, sowie lokaler Maßnahmen wie emissionsfreien Zonen und klimafreundlichen Flottenzielen. Aufgrund dieses politischen Drucks geht der Umstieg auf emissionsfreie Stadtbusse schneller voran, als es die EU-Richtlinien für saubere Fahrzeuge und die CO₂-Vorgaben für Nutzfahrzeuge verlangen. Setzt sich dieser Trend fort, könnten Stadtbusse bis 2027 vollständig emissionsfrei sein – eine gute Nachricht für sauberere Luft und leisere Städte.
Unterschiedliches Tempo in den EU-Staaten
Trotz des europaweiten Booms gibt es große Unterschiede zwischen den Ländern. Während einige weit über die gesetzlichen Ziele hinausgehen, hinken andere hinterher. Das zeigt, wie wichtig nationale Strategien für eine erfolgreiche Umsetzung sind. Neue Kriterien für öffentliche Ausschreibungen könnten dazu beitragen, den Markt für emissionsfreie Stadtbusse aus europäischer Produktion zu stärken. Der Fokus sollte dabei auf batterieelektrischen und Brennstoffzellenbussen liegen, während Hybrid- und Gasbusse zunehmend aus den Ausschreibungen verschwinden sollten. Zudem wäre es sinnvoll, öffentliche Investitionen gezielt zur Förderung europäischer Hersteller einzusetzen.
Welche Länder sind führend?
An der Spitze der Entwicklung stehen die Niederlande, Finnland und Island – dort waren 2024 alle neu zugelassenen Stadtbusse batterieelektrisch. Unter den großen Märkten (mit mehr als 1.000 neuen Stadtbussen pro Jahr) ist Spanien führend: Mit einem Anteil von 57 % emissionsfreier Busse überholt es das Vereinigte Königreich, das mit 56 % knapp dahinter liegt. Italien folgt mit 44 % und liegt damit unter dem EU-Durchschnitt. Frankreich und Deutschland belegen mit jeweils einem Drittel emissionsfreier Stadtbusse die Plätze vier und fünf.
Estlands überraschender Aufstieg & andere Entwicklungen 2024
Ein besonders bemerkenswertes Beispiel für einen schnellen Wandel ist Estland: Noch 2023 gab es dort keine emissionsfreien Stadtbusse, doch innerhalb eines Jahres änderte sich das Bild komplett. Nachdem Tallinn im April 2024 die ersten Elektrobusse in Betrieb genommen hatte, machten batterieelektrische Busse nun 84 % aller Neuzulassungen aus. Auch Brennstoffzellenbusse konnten ihren Marktanteil verdoppeln und erreichten 2024 knapp 3 %. Während diese Technologie zuvor vor allem in kleineren Märkten eingesetzt wurde, konzentriert sich ihr Wachstum nun auf größere Länder. In den Niederlanden, wo Brennstoffzellenbusse 2021 noch 20 % der Neuzulassungen ausmachten, ist ihr Anteil in den letzten Jahren stetig gesunken – bis auf 0 % im Jahr 2024. Im Gegensatz dazu stagnieren alternative Antriebsarten auf niedrigem Niveau. Der Anteil hybrider Stadtbusse, der in den Vorjahren meist bei 20 % lag, sank 2024 auf 16 %. Auch Gasbusse bleiben mit einem Marktanteil von 14 % auf einem historisch niedrigen Niveau.
Langfristiger Trend seit 2021
Der Markt für Stadtbusse ist vergleichsweise klein – in den meisten Ländern werden nur einige Hundert oder Tausend Fahrzeuge pro Jahr verkauft. Ein Blick auf die kumulierten Marktanteile seit 2021 zeigt jedoch, welche Länder besonders konsequent auf emissionsfreie Busse umgestiegen sind. Die Niederlande sind mit großem Abstand führend: Seit 2021 waren dort weniger als 1 % der neuen Stadtbusse mit Dieselantrieb ausgestattet. Auch die nordischen Länder sowie einige osteuropäische und südeuropäische Staaten verzeichnen einen starken Wandel. So sind beispielsweise in Bulgarien, Rumänien und Griechenland seit 2021 rund zwei Drittel der neuen Stadtbusse batterieelektrisch. Sechs Länder hinken der Entwicklung allerdings deutlich hinterher: Österreich, Tschechien, Ungarn, Estland, die Slowakei und Kroatien. Mit Ausnahme von Ungarn wurden sie bereits 2022 als Nachzügler identifiziert. Dennoch zeigen sich in einigen dieser Länder erste Fortschritte. Sollte sich 2025 als der Wendepunkt erweisen, an dem mehr als die Hälfte aller neuen Stadtbusse emissionsfrei sind, dürfte die Umstellung auch in den bisherigen Schlusslichtern schneller vorangehen.
Mehr aus dieser Kategorie
Stichwörter: Elektro, Stadtbusse