Digitaler Euro vor Praxistest: EZB bindet 36 Zahlungsdienstleister ein
Juli 15, 2026 9:14 amEZB wählt 36 Zahlungsdienstleister für Pilotprojekt zum digitalen Euro aus
Die Europäische Zentralbank hat 36 Zahlungsdienstleister aus dem Euroraum für die Teilnahme an einem Pilotprojekt zum digitalen Euro ausgewählt. In dem Test sollen die technische Funktionsweise und die betrieblichen Abläufe des digitalen Euro erprobt sowie die Nutzererfahrung weiterentwickelt werden. Das Pilotprojekt unterstützt die laufenden Vorbereitungen für eine mögliche Einführung des digitalen Euro. Der Start ist für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen. Die Testphase soll zwölf Monate dauern.
Nach einem Aufruf zur Interessenbekundung im März 2026 gingen beim Eurosystem mehr als 50 Bewerbungen von Zahlungsdienstleistern ein. Die Bewerber wurden anhand zuvor festgelegter Zulassungskriterien geprüft. Unter den ausgewählten Teilnehmern befinden sich Banken und Zahlungsdienstleister außerhalb des Bankensektors. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Geschäftsmodelle und Unternehmensgrößen und decken verschiedene Regionen des Euroraums ab. Damit soll ein vielfältiges und repräsentatives Umfeld für Tests und Erkenntnisse zum digitalen Euro entstehen.
Piero Cipollone, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank und Vorsitzender der hochrangigen Arbeitsgruppe zum digitalen Euro, wertet das Marktinteresse als Zeichen für die Bereitschaft des privaten Sektors, sich aktiv am Projekt zu beteiligen und die Arbeiten am digitalen Euro zügig voranzutreiben. Ziel sei es, gemeinsam mit europäischen Zahlungsdienstleistern an einem sicheren, effizienten und inklusiven digitalen Euro zu arbeiten und aus der Zusammenarbeit weitere Erkenntnisse zu gewinnen.
Für das Pilotprojekt wird eine Beta-Version des digitalen Euro eingesetzt. Diese soll funktional und technisch weitgehend dem digitalen Euro entsprechen, wie er im Entwurf der gesetzlichen Regelungen vorgesehen ist. Die Beta-Version besitzt jedoch nicht den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels. Ein Teil der ausgewählten Unternehmen wird als ausgebender Zahlungsdienstleister tätig. Diese Anbieter ermöglichen Beschäftigten des Eurosystems den Zugang zu den Beta-Diensten des digitalen Euro. Dazu gehören die Einrichtung eines Beta-Kontos für den digitalen Euro und die Durchführung von Zahlungen. Andere Teilnehmer übernehmen als annehmende Zahlungsdienstleister die Betreuung ausgewählter Händler und ermöglichen ihnen, Zahlungen mit der Beta-Version des digitalen Euro zu empfangen. Einige Zahlungsdienstleister übernehmen beide Aufgaben.
Der Pilotversuch findet bei der Europäischen Zentralbank sowie bei 19 nationalen Zentralbanken im Euroraum statt. Beteiligt sind Belgien, Deutschland, Estland, Irland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Kroatien, Italien, Zypern, Lettland, Litauen, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal, Slowenien, die Slowakei und Finnland. Dabei wird berücksichtigt, dass ausgewählte Zahlungsdienstleister ihre Leistungen im Rahmen des Pilotprojekts auch in anderen Ländern anbieten können als in dem Staat, in dem sie ihren Sitz haben.
An den Tests nehmen Beschäftigte der Europäischen Zentralbank und der beteiligten nationalen Zentralbanken teil. Zusätzlich werden Händler aus dem elektronischen Handel sowie Anbieter alltäglicher Dienstleistungen mit stationären Geschäftsräumen einbezogen, beispielsweise Cafeterien und Restaurants. Die Beschäftigten der teilnehmenden Zentralbanken sollen Zahlungen mit der Beta-Version des digitalen Euro zwischen Privatpersonen sowohl online als auch offline testen können. Ebenfalls vorgesehen sind Zahlungen von Privatpersonen an Unternehmen. Diese sollen am stationären Verkaufsort einschließlich softwarebasierter Kassensysteme sowie im elektronischen Handel getestet werden. Auch mobile Zahlungen sind Teil des Pilotprojekts.
Die Ergebnisse des Pilotprojekts sollen außerdem dazu beitragen, die Gestaltung des digitalen Euro und die Nutzererfahrung weiterzuentwickeln. Über den Fortschritt will die Europäische Zentralbank regelmäßig auf ihrer Internetseite zum Pilotprojekt informieren. Als nächste Schritte sollen die ausgewählten Zahlungsdienstleister eng mit den jeweils zuständigen nationalen Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank zusammenarbeiten, um die erforderlichen Vorbereitungen für die Testphase zu treffen.
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