EZB verzeichnet für 2024 einen Fehlbetrag von 7,9 Milliarden Euro
Februar 25, 2025 11:04 amBilanzsumme schrumpft deutlich im Vergleich zu 2023
Die Europäische Zentralbank (EZB) weist für das Jahr 2024 einen Verlust von 7,944 Milliarden Euro aus. Dieser Betrag liegt auf einem ähnlichen Niveau wie der ursprüngliche Fehlbetrag des Jahres 2023 in Höhe von 7,886 Milliarden Euro vor der Auflösung von Risikorückstellungen. Im Jahr 2023 konnte die EZB einen Teil der Verluste durch die vollständige Auflösung ihrer Rückstellung für finanzielle Risiken in Höhe von 6,62 Milliarden Euro ausgleichen, wodurch sich der ausgewiesene Fehlbetrag auf 1,266 Milliarden Euro reduzierte. Da diese Rückstellung im Jahr 2024 nicht mehr zur Verfügung stand, bleibt der volle Fehlbetrag in der Bilanz bestehen. Ähnlich wie im Vorjahr soll der Verlust in zukünftigen Jahren durch erzielte Überschüsse kompensiert werden.
Aufgrund des negativen Jahresergebnisses erfolgt 2024 keine Ausschüttung von Gewinnen an die nationalen Zentralbanken des Euroraums.
Hintergrund der Verluste
Die aktuellen Verluste sind eine Folge der geldpolitischen Maßnahmen, die das Eurosystem zur Sicherstellung der Preisstabilität ergriffen hat. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die EZB in den vergangenen Jahren umfangreiche finanzielle Vermögenswerte mit überwiegend festen Zinssätzen und langen Laufzeiten erworben. Gleichzeitig sind die Verbindlichkeiten der EZB gestiegen, auf die sie variable Zinsen zahlt. Die Zinserhöhungen der EZB in den Jahren 2022 und 2023, die zur Bekämpfung der hohen Inflation im Euroraum dienten, führten zu einem sprunghaften Anstieg der Zinsaufwendungen. Die Zinserträge aus den von der EZB gehaltenen Vermögenswerten, insbesondere aus den Anleihekäufen im Rahmen des Asset Purchase Programme (APP) und des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP), konnten hingegen nicht im gleichen Maße steigen. Für die kommenden Jahre besteht weiterhin das Risiko weiterer Verluste, jedoch wird erwartet, dass diese geringer ausfallen als in den Jahren 2023 und 2024. Langfristig dürfte die EZB wieder Gewinne erwirtschaften. Trotz der derzeitigen Verluste bleibt die EZB in der Lage, ihre geldpolitischen Aufgaben uneingeschränkt wahrzunehmen. Ihre finanzielle Stabilität wird zudem durch ein hohes Eigenkapital und Neubewertungsreserven gestützt, die Ende 2024 auf insgesamt 59 Milliarden Euro anstiegen – ein Zuwachs von 13 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr.
Wesentliche Faktoren des Jahresergebnisses
Wie bereits 2023 überstiegen auch 2024 die Zinsaufwendungen die Zinserträge. Hauptursache hierfür waren die erheblichen Zinszahlungen für die TARGET-Nettoverbindlichkeiten der EZB, die mit dem Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte (HRG-Zinssatz) verzinst wurden. Der durchschnittliche HRG-Zinssatz stieg 2024 auf 4,1 % (2023: 3,8 %), was zu höheren Kosten führte. Trotz der steigenden Zinsaufwendungen verzeichnete die EZB auch höhere Zinserträge, insbesondere aus den zu geldpolitischen Zwecken gehaltenen Staatsanleihen im Rahmen des PEPP sowie aus Währungsreserven, vor allem aus Wertpapieren in US-Dollar. Die Abschreibungen erhöhten sich 2024 auf 269 Millionen Euro (2023: 38 Millionen Euro), was primär auf die Abwertung des japanischen Yen sowie den Wertverlust einiger in US-Dollar gehaltener Wertpapiere zurückzuführen ist.
Auch die Personalaufwendungen stiegen auf 844 Millionen Euro (2023: 676 Millionen Euro). Der Anstieg resultierte vor allem aus Änderungen in den Versorgungsplänen der EZB. Die allgemeinen Verwaltungsausgaben erhöhten sich auf 626 Millionen Euro (2023: 596 Millionen Euro), wobei insbesondere höhere IT-Kosten im Zusammenhang mit der digitalen Transformation und die allgemeine Inflation eine Rolle spielten. Die Einnahmen aus Aufsichtsgebühren, die von beaufsichtigten Banken erhoben werden, stiegen auf 681 Millionen Euro (2023: 654 Millionen Euro) und deckten die Aufwendungen für die Aufsichtstätigkeit der EZB.
Entwicklung der Bilanz
Die Bilanzsumme der EZB verringerte sich 2024 um 33 Milliarden Euro auf 641 Milliarden Euro (2023: 673 Milliarden Euro). Der Rückgang ist hauptsächlich auf die allmähliche Reduktion der APP-Bestände durch Tilgungen zurückzuführen.
Konsolidierte Bilanz des Eurosystems
Die konsolidierte Bilanz des Eurosystems, die sowohl die Aktiva und Passiva der nationalen Zentralbanken des Euroraums als auch die der EZB umfasst, belief sich Ende 2024 auf 6,428 Billionen Euro (2023: 6,887 Billionen Euro). Diese Verringerung resultierte in erster Linie aus dem Rückgang der zu geldpolitischen Zwecken gehaltenen Wertpapiere auf 4,283 Billionen Euro (2023: 4,694 Billionen Euro). Die Bestände im Rahmen des APP sanken um 353 Milliarden Euro auf 2,673 Billionen Euro, da die EZB seit Juli 2023 fällig werdende Tilgungsbeträge nicht mehr wiederangelegt hat. Zudem reduzierten sich die PEPP-Bestände um 57 Milliarden Euro auf 1,609 Billionen Euro, da Tilgungsbeträge in der zweiten Jahreshälfte 2024 nur noch teilweise reinvestiert wurden. Auch die Kreditgeschäfte des Eurosystems verringerten sich erheblich auf 34 Milliarden Euro (2023: 410 Milliarden Euro), was insbesondere auf die Fälligkeit der dritten Reihe gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (GLRG III) zurückzuführen ist. Ein gegenläufiger Effekt ergab sich aus dem gestiegenen Euro-Gegenwert der Goldbestände des Eurosystems. Der Anstieg des Goldpreises in Euro führte dazu, dass der Wert dieser Bestände von 649 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf 872 Milliarden Euro im Jahr 2024 anstieg.
Redaktionelle Infos
Darf die EZB Verluste machen?
Ja, die Europäische Zentralbank (EZB) kann Verluste erleiden. Als unabhängige Institution ist es nicht ihr primäres Ziel, Gewinne zu erzielen, sondern die Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten. Verluste können auftreten, beispielsweise durch höhere Zinsausgaben im Vergleich zu den Einnahmen. Trotz solcher Verluste bleibt die EZB handlungsfähig und kann ihre geldpolitischen Aufgaben weiterhin erfüllen. Ihre finanzielle Stabilität wird durch ihr Kapital und umfangreiche Neubewertungsrücklagen gestützt, die zusammen Ende 2024 etwa 59 Milliarden Euro betrugen.
Im Falle von Verlusten werden diese zunächst durch vorhandene Rückstellungen oder Reserven ausgeglichen. Reichen diese nicht aus, können Verluste in der Bilanz vorgetragen und mit zukünftigen Gewinnen verrechnet werden. So verzeichnete die EZB im Jahr 2024 einen Verlust von 7,94 Milliarden Euro, der in der Bilanz verbleibt und mit künftigen Überschüssen ausgeglichen werden soll.
Die Fähigkeit der EZB, Verluste zu tragen, ohne ihre geldpolitische Unabhängigkeit zu gefährden, ist ein wesentlicher Aspekt ihrer finanziellen Struktur. Dies ermöglicht es ihr, auch in finanziell herausfordernden Zeiten ihre Hauptaufgabe der Preisstabilität effektiv zu erfüllen.
Quelle
https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2025/html/ecb.pr250220~eca25e4e21.de.html
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Kategorie: News, Wirtschaft
