Start-Up, Selbstständige

Global Entrepreneurship Monitor: Glauben an Chancen, aber die Scheiterangst wächst

Oktober 16, 2025 9:41 am Veröffentlicht von

GEM Global Report 2024/2025: Realitätsschock für Gründer – was Deutschlands Mittelstand jetzt wissen sollte

München. Der neue Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2024/2025 – “Entrepreneurship Reality Check” zeichnet ein gemischtes Bild: Weltweit erkennen viele Menschen weiterhin gute Geschäftschancen, doch die Furcht vor dem Scheitern steigt spürbar. 2024 gaben fast die Hälfte der Befragten (49 %) an, aufgrund von „fear of failure“ keine Gründung zu wagen – 2019 waren es noch 44 %. Für mittelständische Unternehmen und Nachfolger signalisiert das: Innovations- und Start-up-Dynamik stehen vielerorts unter psychologischem Druck.

Zugleich herrscht Unsicherheit bei der Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) in neuen Geschäftsmodellen. In 36 von 49 Volkswirtschaften halten weniger als 30 % der Early-Stage-Entrepreneurs KI derzeit für „sehr wichtig“ – ein Indiz für Wissenslücken und fehlende Klarheit über produktive Einsatzfelder. Für etablierte Mittelständler entsteht daraus ein doppelter Handlungsauftrag: Kompetenzaufbau und gezielte Pilotierungen, um Wettbewerbsvorteile nicht zu verpassen.

Ein Blick auf die Rahmenbedingungen: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) führen zum vierten Mal in Folge den National Entrepreneurship Context Index (NECI) an. Obwohl der NECI-Gesamtwert dort von 7,7 (2023) auf 7,1 (2024) sank, liegen 11 von 13 Rahmenbedingungen weiterhin auf Spitzenplätzen – von Infrastruktur über Regulierung bis zu Unterstützungsangeboten. Für Politik und Wirtschaft in Europa ist das ein Weckruf: Wettbewerbsfähige Ökosysteme entstehen dort, wo konsequent in unternehmerfreundliche Strukturen investiert wird.

Kernaussagen für Entscheider im deutschen Mittelstand

Steigende Scheiterangst adressieren: Die GEM-Daten zeigen, dass psychologische Barrieren reale Investitions- und Innovationsentscheidungen bremsen können. Mittelständische Führungsteams sollten Gründungsprojekte im Unternehmen (Intrapreneurship, Corporate Ventures) aktiv entstigmatisieren, Lernkurven belohnen und klare „Fail-fast, learn-fast“-Prozesse etablieren.
KI-Kompetenzlücke schließen: Die verbreitete Unsicherheit zur Relevanz von KI in frühen Gründungsphasen spricht für strukturierte Roadmaps: praxisnahe Use-Case-Sprints, Datengovernance, klare Erfolgskriterien und Schulungen für Fachbereiche. Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht allein durch Technologie, sondern durch organisationale Befähigung.
Ökosysteme als Standortfaktor verstehen: Führende NECI-Standorte punkten mit verlässlicher Regulierung, schneller Infrastruktur und passgenauen Unterstützungsleistungen.

Für deutsche Mittelständler bedeutet das: aktiv regionale Netzwerke, Cluster und Förderprogramme nutzen – und Standortentscheidungen danach gewichten, wie gründungs- und innovationsfreundlich die Rahmenbedingungen wirklich sind.

Einordnung

Der GEM-Jahresbericht gilt weltweit als Referenz für Gründungsaktivität (TEA), Einstellungen und Rahmenbedingungen. Die diesjährigen Ergebnisse verdeutlichen: Wahrgenommene Chancen allein führen nicht automatisch zu mehr Gründungen – entscheidend ist, ob Risiken beherrschbar erscheinen und wie gut Unterstützungssysteme greifen (Finanzierung, Training, Mentoring). Gerade in einem Umfeld multipler Krisen und technischer Umbrüche (u. a. KI) verschieben sich Prioritäten: Kompetenzaufbau, Risikoteilung und Ökosystem-Qualität werden zur strategischen Basis für nachhaltige Gründungen und innovative Nachfolgeprozesse im Mittelstand.

Was Mittelständler jetzt konkret tun können

Risikokultur modernisieren: Messen Sie Innovationserfolg nicht nur an kurzfristigen ROI-Kennzahlen, sondern auch an validierten Lernfortschritten (z. B. Kundenfeedback, Prototypenreife, Time-to-Insight).
KI pragmatisch pilotieren: Zwei bis drei klar abgegrenzte Use Cases (z. B. Qualitätsprüfung, Nachfrageprognosen, Service-Assistenz) mit echten Daten, definierten KPIs und Verantwortlichen – anschließend skalieren oder stoppen.
Talente befähigen: Schulungsprogramme für Produkt, Vertrieb und Operations; Kompetenzpfade für „Citizen Developers“; Kooperationen mit Hochschulen, Technologie- und Gründerzentren.
Ökosystem-Vorteile nutzen: Regionale Cluster, Förderaufrufe, Testfelder und Mentoring-Netzwerke aktiv einbinden; bei größeren Vorhaben internationale Optionen mit überlegen, wo Rahmenbedingungen (Regulierung, Genehmigungen, Breitband) schneller sind.
Governance & Finanzierung klären: Früh rechtliche und finanzielle Leitplanken festlegen (IP, Datenschutz, Datennutzung, Investitionsfreigaben), um Entscheidungswege zu verkürzen und Projektrisiken beherrschbar zu machen.

Fazit

Der GEM Global Report 2024/2025 sendet ein klares Signal: Unternehmergeist ist vorhanden, doch Angst vor dem Scheitern und Unsicherheit über KI bremsen den Übergang vom Erkennen zur Umsetzung. Für den deutschen Mittelstand eröffnet genau das Chancen – vorausgesetzt, Unternehmen verankern eine moderne Risikokultur, bauen Kompetenzen systematisch auf und nutzen starke Ökosysteme als Hebel. Wer jetzt konsequent handelt, sichert Innovationsfähigkeit, Produktivität und Beschäftigung – und stärkt damit die Wettbewerbsposition „Made in Germany“.

gemconsortium.org

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