Insolvenz

Insolvenzen Mittelstand 2024 – 2025:

Oktober 21, 2025 12:32 pm Veröffentlicht von

Insolvenzen 2024/2025: Bau, Kfz-Gewerbe und Dienstleister an der Spitze

Wohnungswesen, Gesundheit/Soziales und IKT mit stärksten Zuwächsen seit 2019

Berlin. Unternehmen des deutschen Mittelstands stehen weiterhin unter Druck: Bundesweit meldeten im Jahr 2024 vor allem Betriebe aus dem Baugewerbe sowie Autohäuser und -werkstätten am häufigsten Insolvenz an. Das zeigen Auswertungen auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes. Auch im Juli 2025, als mit fast 2.200 Insolvenzanträgen ein Zwischenhoch registriert wurde, führten diese beiden Branchen die Liste an. Neben dem Handwerk und Kfz-Gewerbe traf es Dienstleister – insbesondere in technischen und wissenschaftlichen Feldern – sowie das Gastgewerbe und das verarbeitende Gewerbe überdurchschnittlich oft.

Langfristiger Blick: Andere Spitzenreiter beim Anstieg seit 2019

Im Vergleich zum Vor-Pandemiejahr 2019 verschiebt sich das Bild: Beim prozentual größten Anstieg der Insolvenzverfahren stehen Wohnungs- und Grundstückswesen sowie Gesundheits- und Sozialwesen vorne. Ebenfalls deutlich belastet: Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie der Bereich Information und Kommunikation (IKT). Für mittelständische Unternehmen heißt das: Auch Branchen mit traditionell robusten Geschäftsmodellen verzeichnen eine spürbar höhere Anfälligkeit – mit Folgewirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Ursachenlage: Zinswende, Finanzierung, Fachkräftemangel, Klimarisiken

Zinsen & Finanzierung: Die gestiegenen Zinsen wirken besonders stark in Bau- und Wohnungsbranchen. Zudem sorgt ein Kurswechsel in der Finanzierung über die Bundesbank für zusätzliche Unsicherheit im Sektor. Projektkalkulationen geraten dadurch ins Wanken, Liquiditätsreserven werden schneller beansprucht.

Arbeitsmarkt: Im sozialen und gesundheitlichen Bereich trifft der Fachkräftemangel die Betriebe doppelt: Personal ist knapp und teuer, gleichzeitig steigen Qualitäts- und Dokumentationsanforderungen.

Klimarisiken: Versicherer – und mit ihnen die Realwirtschaft – sehen sich mit den Kosten des Klimawandels und der Anpassung an neue Schadenrealitäten konfrontiert. Das schlägt über Prämien, Selbstbehalte und Risikomodelle auf Unternehmen durch, insbesondere bei Energie-, Logistik- und Bauprojekten.

Was der Mittelstand jetzt beachten sollte

Liquiditätssteuerung schärfen: Rollierende 13-Wochen-Cash-Forecasts, realistische Szenarien (Basis/Stress), konsequentes Working-Capital-Management (Forderungen, Lager, Verbindlichkeiten) und frühzeitige Gespräche mit Finanzierungspartnern helfen, Zins- und Tilgungsprofile stabil zu halten.

Finanzierung breit aufstellen: Konditionen vergleichen, Laufzeiten staffeln, Zinsbindungen prüfen und Covenants aktiv managen. Prüfen, ob Sale-and-Lease-Back, Factoring oder projektbezogene Finanzierungen Abhilfe schaffen.

Projekt- und Auftragsprüfung im Bau/Kfz/Verarbeitung: Kalkulationen an neue Material-, Lohn- und Finanzierungskosten anpassen. Bei Festpreisverträgen indexierte oder nachverhandelbare Komponenten anstreben.

Dienstleister & IKT: Auslastung und Preismodelle nachschärfen (Leistungsbündel, Service-Level, Retainer). Abhängigkeiten von Einzelkunden reduzieren und Vertragslaufzeiten ausbalancieren.
Gesundheit/Soziales: Personalstrategie priorisieren: Rekrutierung, Weiterbildung, Bindung (Dienstplangestaltung, Gesundheitsmanagement) sowie Prozessdigitalisierung zur Entlastung der Teams.

Klimarisiken & Versicherungsschutz: Policen und Selbstbehalte prüfen, Präventions- und Resilienzmaßnahmen (z. B. baulicher Schutz, Notfallpläne) dokumentieren, um bessere Konditionen zu erreichen.

Frühwarnsysteme nutzen: Kennzahlenbasiertes Monitoring (EBITDA, Zinsdeckungsgrad, DSCR, Auftragsbestand, Fluktuation) und Lieferanten-/Kunden-Checks einführen. Bei Gegenparteien aus hochbetroffenen Branchen Bonität, Zahlungsziele und Sicherheiten eng begleiten.

Rechtzeitig handeln: Bei drohender Zahlungsunfähigkeit frühzeitig Sanierungsinstrumente und außergerichtliche Lösungen prüfen. Eine aktive, faktenbasierte Kommunikation mit Banken, Hauptlieferanten und Belegschaft schützt Reputation und Handlungsfähigkeit.


Infografik: Welche Branchen beantragen am häufigsten Insolvenz? | Statista

Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

de.statista.com

Stichwörter:

Kategorie: ,

  1. Home
  2. | 
  3. Unternehmen
  4. | 
  5. Insolvenzen Mittelstand 2024 –...