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KfW finanziert Millionenprojekt für Goldanlage in Kasachstan

September 2, 2026 5:49 pm Veröffentlicht von

KfW IPEX-Bank finanziert belgische Exporte nach Kasachstan

Die KfW IPEX-Bank unterstützt die europäische Wirtschaft, indem sie Solidcore Resources plc 100 Mio. USD für die Finanzierung belgischer Exporte zur Errichtung einer neuen Druckoxidationsanlage in der Sonderwirtschaftszone Pavlodar zur Verfügung stellt. Solidcore ist ein führender Goldproduzent in Kasachstan. Ergänzend zum Darlehen der KfW IPEX-Bank unterstützen die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und ein internationales Bankenkonsortium das Projekt mit weiteren 600 Mio. USD.

Der neue Druckoxidationsautoklav von Coek Engineering, eines der wichtigsten Ausrüstungselemente der Ertis POX Anlage, ist rund 50 Meter lang, wird der größte seiner Art in Kasachstan sein und eine jährliche Produktionskapazität von 500 Kilounzen (Koz) Gold in Dore-Barren ermöglichen. Der belgische Anlagenbauer Coek Engineering liefert den Autoklaven für die Druckoxidationsanlage.

„Mit dieser Finanzierung unterstützen wir europäische Exporte und tragen dazu bei, die europäische Wirtschaft im globalen Wettbewerb stärker zu positionieren“, sagt Dr. Velibor Marjanovic, Mitglied der Geschäftsführung der KfW IPEX-Bank.

https://www.kfw-ipex-bank.de


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Redaktionelles: Was sagen die Kritiker?

Kritische Ansatzpunkte ergeben sich aus den Umweltunterlagen selbst. Für das Großprojekt wurde eine umfassende Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung durchgeführt. Die vorläufige Prüfung wurde 2026 für öffentliche Stellungnahmen veröffentlicht und anschließend öffentlich konsultiert. Dass zusätzlich ein Umwelt- und Sozialaktionsplan erforderlich ist, zeigt, dass trotz der insgesamt als niedrig eingestuften Umwelt- und Sozialrisiken verbleibende Risiken berücksichtigt und gesteuert werden müssen.

  • Besonders relevant ist die Größenordnung des Vorhabens. Das Werk entsteht auf einem Gelände von rund 228 Hektar. Hinzu kommt eine etwa 164 Hektar große Schlammdeponie für Prozessrückstände mit Abdichtung, Rückführung von Wasser und einer eigenen Pipelineverbindung zum Werk. Damit gehören insbesondere der langfristige Umgang mit Prozessrückständen, Wasser sowie mögliche Auswirkungen auf Boden und Grundwasser zu den Punkten, die sich für eine kritische Betrachtung anbieten.
  • Auch der Wasserbedarf verdient Aufmerksamkeit. Solidcore gibt an, dass bei der Anlage bis zu 70 Prozent des eingesetzten Wassers wiederverwendet werden sollen. Gleichzeitig bezeichnet das Unternehmen Wasserknappheit und zunehmende klimatische Schwankungen in Kasachstan selbst als relevante physische Klimarisiken. Im trockenen Jahr 2025 seien die natürlichen Verluste von wiederaufbereitetem Wasser gestiegen.

Fazit: Kritische Fragen betreffen vor allem Prozessrückstände, Wasserverbrauch und die langfristige Umweltüberwachung der großflächigen Anlage.

Quellen:
Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung – Ertis Hydrometallurgical Plant
Solidcore – Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung, 15. April 2026
Solidcore – öffentliche Konsultation, 18. Mai 2026
Solidcore – Finanzierung und Umweltbewertung, 3. Juli 2026
Early Warning System – Ertis POX Projektdaten
Solidcore – Projektgenehmigung und Umweltkennzahlen
Solidcore – Geschäftsbericht 2025, Nachhaltigkeit und Klimarisiken

Kann Solidcore das Projekt nicht selbst finanzieren?

Rein rechnerisch könnte Solidcore einen erheblichen Teil selbst tragen. Ende 2025 verfügte das Unternehmen über 731 Millionen US-Dollar liquide Mittel. Dem standen Bruttoschulden von 267 Millionen US-Dollar gegenüber, sodass Solidcore eine Netto-Cash-Position von 464 Millionen US-Dollar auswies.

Auch die Ertragslage war 2025 ausgesprochen stark. Die Zahlen zeigen damit ein profitables und zum Jahresende netto schuldenfreies Unternehmen. Allerdings kostete allein Ertis POX rund eine Milliarde US-Dollar. Solidcore kündigte bereits 2025 an, in den kommenden fünf Jahren mehr als eine Milliarde US-Dollar in Entwicklungsprojekte investieren zu wollen.

Das Unternehmen selbst erklärt ausdrücklich, Ertis POX durch eine Kombination aus operativem Cashflow und Bankfinanzierungen finanzieren zu wollen. Im Juli 2026 wurden dafür bereits 600 Millionen US-Dollar Fremdfinanzierung vereinbart: 300 Millionen von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und weitere 300 Millionen von einem Bankenkonsortium. Hinzu kommen jetzt 100 Millionen US-Dollar der KfW IPEX-Bank.

Damit werden rund 70 Prozent der geplanten Investitionssumme von etwa einer Milliarde US-Dollar über diese Kreditpakete abgedeckt.

Warum erhält ein hochprofitabler Goldproduzent mit mehreren hundert Millionen US-Dollar Netto-Cash eine langfristige Finanzierung der KfW IPEX-Bank?

Die Finanzierung dient der Exportförderung. Das Geld finanziert belgische Lieferungen des Anlagenbauers Coek Engineering. Die KfW IPEX-Bank stellt das Darlehen also nicht mit der Begründung bereit, Solidcore finanziell retten zu müssen.

Die verfügbaren Finanzzahlen liefern keinen Hinweis darauf, dass Solidcore die 100 Millionen US-Dollar der KfW IPEX-Bank wegen finanzieller Schwäche benötigt. Ende Juni 2026 standen 648 Millionen US-Dollar Netto-Cash zur Verfügung. Die Fremdfinanzierung erscheint vielmehr als Bestandteil einer bewussten Finanzierungsstrategie für ein rund eine Milliarde US-Dollar teures Großprojekt.

Quellen
KfW IPEX-Bank, „KfW IPEX-Bank finanziert belgische Exporte nach Kasachstan“, 2. September 2026
Solidcore Resources plc, „US$ 100 million credit facility from KfW IPEX-Bank“, 2. September 2026
Solidcore Resources plc, „Q2 2026 production results“, 31. Juli 2026
Solidcore Resources plc, „US$ 600 million financing for Ertis POX“, 3. Juli 2026
Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, „Ertis Hydrometallurgical Plant“, Projekt 56915, 2026
Solidcore Resources plc, „Financial results for the year ended 31 December 2025“, 19. März 2026
Solidcore Resources plc, „Integrated Annual Report 2025“, 31. März 2026
Solidcore Resources plc, „Preliminary results for the year ended 31 December 2024“, 31. März 2025
Solidcore Resources plc, „Stock info“, Stand 2026
Solidcore Resources plc, „Final Exchange Offer and Mandatory Buyback of blocked shares“, 2025

Warum finanziert bei einem belgischen Exportgeschäft nicht eine belgische Exportfinanzierungsinstitution das Geschäft, sondern die deutsche KfW IPEX-Bank?

Was begründet die KfW IPEX-Bank?

Die KfW IPEX-Bank nennt einen ausdrücklich europäischen Ansatz. Sie stellt Solidcore Resources 100 Millionen US-Dollar zur Verfügung, damit das Unternehmen belgische Ausrüstung von Coek Engineering für die Ertis-POX-Anlage in Kasachstan finanzieren kann. Die KfW IPEX-Bank begründet dies damit, europäische Exporte zu unterstützen und die europäische Wirtschaft im internationalen Wettbewerb zu stärken.

Das entspricht mittlerweile auch dem von der Bank selbst beschriebenen Geschäftsmodell. Die KfW IPEX-Bank nennt als ihren Auftrag die Unterstützung der Internationalisierung und Wettbewerbsfähigkeit deutscher und europäischer Unternehmen. Sie finanziert Exporte, Projekte, Infrastruktur und unter anderem Vorhaben im Rohstoffsektor.

Hier liegt allerdings eine wichtige Besonderheit: Die KfW IPEX-Bank ist zwar eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der KfW, sie bezeichnet sich jedoch als rechtlich selbstständiges Finanzinstitut, das unter Wettbewerbsbedingungen am Markt arbeitet. Die 100 Millionen US-Dollar dürfen daher nicht ohne Weiteres als deutsche staatliche Subvention oder als unmittelbare Ausgabe aus dem Bundeshaushalt dargestellt werden.

Trotzdem bleibt eine politische Frage

Aus der Mitteilung geht zunächst hervor, dass der unmittelbar begünstigte europäische Exporteur Coek Engineering aus Belgien ist. Der Kreditnehmer ist Solidcore Resources, ein Goldproduzent in Kasachstan. Die Anlage entsteht in Kasachstan. Einen konkreten deutschen Lieferanten oder einen bestimmten deutschen Anteil am Exportgeschäft nennt die KfW IPEX-Bank in dieser Mitteilung nicht.

Interessant wäre außerdem, ob Credendo an der Finanzierung oder Risikoabsicherung beteiligt ist. Die belgische Exportkreditagentur kann ausdrücklich Garantien für die Refinanzierung von Exportkrediten bereitstellen und arbeitet auch mit ausländischen Partnerinstitutionen zusammen. In der KfW-Mitteilung wird Credendo jedoch nicht als Projektpartner genannt.

Belgischer Anlagenbauer, kasachischer Goldproduzent – warum finanziert die deutsche KfW IPEX-Bank das Exportgeschäft?

Die entscheidenden noch offenen Punkte sind, wer letztlich das Kreditausfallrisiko trägt, zu welchen Konditionen die 100 Millionen US-Dollar vergeben werden, ob eine Exportkreditversicherung oder Garantie hinter dem Kredit steht und welchen konkreten deutschen wirtschaftlichen Nutzen die Finanzierung hat. Diese Angaben enthält die veröffentlichte KfW-Mitteilung nicht.

Quellen
KfW IPEX-Bank, „KfW IPEX-Bank finanziert belgische Exporte nach Kasachstan“, 2. September 2026
KfW IPEX-Bank, „Beziehung zur KfW“, Stand September 2026
KfW IPEX-Bank, „Zahlen und Fakten“, Angaben zum 31. Dezember 2025
KfW IPEX-Bank, Lagebericht und Jahresabschluss 2024
Belgische Nationalbank, „FAQ about the National Bank“, Stand 2026
Belgische Nationalbank, „Monetary policy and reserve management“, Stand 2026
Credendo – Export Credit Agency, „About Credendo – Export Credit Agency“, Stand 2026
Credendo – Export Credit Agency, „Export Funding Guarantee“, Stand 2026

 


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