KI im Handel: Produktdaten werden zum Wettbewerbsfaktor

September 10, 2026 5:59 pm Veröffentlicht von

Einkauf und Vertrieb durch autonome KI-Agenten: Warum Produktdaten wichtiger werden als Markenimage

Neue Studie von ECC KÖLN und Arvato Systems zeigt: Große Mehrheit erwartet nachhaltige Auswirkungen auf Geschäftsmodelle durch autonome KI-Agenten. Drei Viertel prognostizieren Veränderungen im Vertrieb. Produktdaten gewinnen an Bedeutung gegenüber klassischen Markenaspekten. Digitaler Produktpass als zentrale Voraussetzung für weitere Automatisierung.

Autonome KI-Agenten entwickeln sich für Handel und Industrie zu einem zentralen Zukunftsthema. Sie übernehmen selbstständig oder weitgehend automatisch Aufgaben aus Einkauf und Vertrieb wie Produktauswahl, Bestellung, Kundenkommunikation oder Entscheidungsfindungen entlang des Vertriebsprozesses. Damit verändern sie nicht nur Vertriebsprozesse und Geschäftsmodelle, sondern auch die Kriterien, nach denen Produkte ausgewählt werden. Produktdaten werden zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Das zeigt die neue Studie „Commerce goes Agentic: Warum Produktdaten zur neuen Währung im Handel werden“ von ECC KÖLN und Arvato Systems, für die 100 Unternehmen befragt wurden. Ein zentrales Ergebnis: 86 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass autonome KI-Agenten bestehende Geschäftsmodelle nachhaltig verändern werden.

KI-Agenten verändern Vertriebsstrukturen

Die Auswirkungen reichen aus Sicht der Befragten weit über einzelne Prozessschritte hinaus. Fast drei Viertel der Unternehmen (74 %) erwarten spürbare bis tiefgreifende Veränderungen bestehender Vertriebsstrukturen. Gleichzeitig gehen 62 Prozent davon aus, dass die Bedeutung fester Einkaufs- und Vertriebskanäle abnimmt, da intelligente Systeme situationsabhängig den jeweils besten Kanal auswählen. Entsprechend geht die Mehrheit davon aus, dass AI-Plattformen (74 %) und EDI-Schnittstellen (66 %) an Relevanz gewinnen, während klassische Vertriebswege wie Außendienst oder telefonischer Vertrieb an Bedeutung verlieren könnten.

Produktdaten gewinnen gegenüber klassischen Markenaspekten

Besonders deutlich zeigen die Ergebnisse, dass sich die Grundlagen von Kaufentscheidungen verschieben könnten: 63 Prozent der Befragten erwarten, dass Faktoren wie Preis, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit künftig stärker ins Gewicht fallen als das Markenimage. Auch digitale Sichtbarkeit (62 %) und Datentransparenz (61 %) gewinnen an Bedeutung. Für Händler und Hersteller bedeutet das: Produktinformationen müssen so aufbereitet sein, dass sie nicht nur Menschen, sondern auch intelligente Systeme schnell finden, verarbeiten und bewerten können.

  • „Autonome KI-Agenten werden Kaufentscheidungen zunehmend vorbereiten und beeinflussen. Für Händler und Hersteller rücken damit Faktoren wie Datenqualität, Verfügbarkeit und digitale Anschlussfähigkeit stärker in den Fokus. Wer in diesem Umfeld sichtbar bleiben will, muss Produktinformationen strukturiert, verlässlich und maschinenlesbar bereitstellen. Entscheidend ist künftig nicht nur, Kundinnen und Kunden zu erreichen, sondern auch von intelligenten Systemen gefunden und bevorzugt zu werden“, so Dr. Ralf Deckers, Bereichsleiter Strategic Insights & Analytics am IFH KÖLN.

Digitaler Produktpass als strategische Datenbasis

Um auf die Anforderungen einer zunehmend agentengesteuerten Handelswelt vorbereitet zu sein, gewinnt der Digitale Produktpass (DPP)[1] an Bedeutung. Mehr als drei Viertel der Befragten (78 %) sehen ihn als wichtige Voraussetzung für die weitere Automatisierung von Prozessen. Knapp 68 Prozent betrachten standardisierte Produkt- und Produktionsdaten als zentrale Grundlage für den Einsatz autonomer KI-Agenten. Dennoch befindet sich die Umsetzung in vielen Unternehmen noch in einem frühen Stadium. Häufig wird der Digitale Produktpass vor allem als regulatorische Anforderung wahrgenommen (76 %) und noch zu selten als strategische Grundlage für neue KI-gestützte Geschäftsmodelle verstanden.

„Der Digitale Produktpass sollte nicht allein als regulatorische Pflicht betrachtet werden. In einer Handelswelt, in der digitale Assistenten und autonome KI-Agenten Entscheidungen vorbereiten oder selbst treffen, bilden hochwertige und standardisierte Produktdaten die Grundlage für Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen, die diese Chance erkennen und frühzeitig eine agentenfähige Datenbasis schaffen, erschließen sich einen entscheidenden Vorteil“, ordnet Carsten Bruning, Vice President Digital Commerce bei Arvato Systems, die Ergebnisse ein.

https://www.ifhkoeln.de/


E-Commerce: KI-Agenten im Kundenservice und Generative KI haben oberste Investitionspriorität

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