Künstliche Intelligenz: Entlassene Beschäftigte könnten wieder gebraucht werden
September 9, 2026 5:48 pmArbeitsplätze und Künstliche Intelligenz: Gartner erwartet überraschende Kehrtwende
Künstliche Intelligenz verändert Arbeitsabläufe, Tätigkeitsprofile und die Anforderungen an Beschäftigte. Unternehmen sollten sich nach Einschätzung von Gartner dabei nicht allein auf die Automatisierung von Aufgaben konzentrieren. Entscheidend sei vielmehr, Künstliche Intelligenz so einzusetzen, dass menschliche Fähigkeiten erweitert und Arbeitsabläufe über bisherige organisatorische Grenzen hinweg neu gestaltet werden.
Gartner prognostiziert, dass bis 2029 rund 30 Prozent der Beschäftigten, die aufgrund ihrer Ersetzung durch Künstliche Intelligenz entlassen wurden, wieder eingestellt werden müssen. Die Wiedereinstellung könnte dabei deutlich höhere Kosten verursachen.
Personalabbau kann Wissen und Fachkräftebasis schwächen
Der Abbau von Stellen kann Unternehmen kurzfristig finanzielle Vorteile bringen. Gleichzeitig können dadurch Fachkräfte verloren gehen und unternehmensinternes Wissen abnehmen. Da das Wachstum des Arbeitskräfteangebots weltweit stagniert oder zurückgeht, dürfte sich der Wettbewerb um benötigte Fachkräfte verschärfen. Damit können auch die Kosten für Personalgewinnung, Schulungen und Einarbeitung steigen.
Unternehmen, die Künstliche Intelligenz hauptsächlich zur Kostensenkung einsetzen, laufen nach Einschätzung von Gartner Gefahr, Personal zu früh und zu stark abzubauen. Dies könnte ihre Möglichkeiten beeinträchtigen, Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln und in neuen Märkten wettbewerbsfähig zu sein.
Stattdessen empfiehlt Gartner eine Strategie, bei der Tätigkeitsprofile mithilfe Künstlicher Intelligenz verändert und Beschäftigte von weniger produktiven Aufgaben in neue Tätigkeitsbereiche verlagert werden. Unternehmen sollten nicht versuchen, jede Aufgabe zu automatisieren oder sämtliche Entscheidungen an Künstliche Intelligenz zu übertragen. Gartner sieht die zentrale Herausforderung zunehmend weniger in der Technologie selbst. Entscheidend werde vielmehr, Künstliche Intelligenz zur Unterstützung menschlicher Intelligenz, Fachkenntnisse und Kreativität einzusetzen.
- 1. Menschliche Fähigkeiten durch Zusammenarbeit mit Künstlicher Intelligenz erweitern
Künstliche Intelligenz soll sich zunehmend zu einem digitalen Arbeitsbegleiter entwickeln. Unternehmen müssen dafür Formen der Zusammenarbeit schaffen, die menschliche Fähigkeiten stärken und zugleich die Verantwortlichkeit erhalten. Erfolgreiche Unternehmen werden Künstliche Intelligenz demnach nutzen, um Urteilsvermögen, Kreativität, Führung und Entscheidungsfähigkeit von Beschäftigten zu unterstützen, anstatt Menschen zu ersetzen. Als unterstützende Technologien nennt Gartner unter anderem digitale Abbilder von Beschäftigten, Anwendungen für digitales Coaching, digitale Zwillinge von Beschäftigten und Systeme zur Erkennung von Emotionen.
- 2. Beschäftigte auf den Wandel durch Künstliche Intelligenz vorbereiten
Der schnelle technologische Wandel macht Defizite bei Fähigkeiten, Anpassungsfähigkeit und Vorbereitung der Belegschaften sichtbar. Unternehmen benötigen Beschäftigte, die kontinuierlich lernen, fachübergreifend zusammenarbeiten und mit sich verändernden Aufgaben umgehen können. Dazu sollen Unternehmen insbesondere Kenntnisse über Künstliche Intelligenz, durch Künstliche Intelligenz unterstütztes Kompetenzmanagement, digitale Fähigkeiten und die Analyse von Arbeitsweisen fördern. Auch Führungskräfte müssen über ausreichende Kenntnisse im Umgang mit Künstlicher Intelligenz verfügen.
- 3. Kontext, menschliches Urteil und Wissen erhalten
Je stärker Künstliche Intelligenz in Geschäftsprozesse eingebunden wird, desto größer wird das Risiko, dass Zusammenhänge, menschliches Urteilsvermögen und unternehmensinternes Wissen verloren gehen. Unternehmen sollten deshalb Systeme so gestalten, dass sie die Qualität von Entscheidungen verbessern und eine menschliche Kontrolle erhalten. Beschäftigte sollen nicht nur verstehen, wie ein Prozess ausgeführt wird, sondern auch, warum er auf eine bestimmte Weise erfolgt. Als geeignete Technologien nennt Gartner dialogbasierte Benutzeroberflächen, Plattformen zur Unterstützung von Entscheidungen sowie generative Benutzeroberflächen.
- 4. Voraussetzungen für langfristigen Nutzen schaffen
Für einen langfristig erfolgreichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz reicht es nach Einschätzung von Gartner nicht aus, lediglich verbreitete Anwendungen einzuführen. Unternehmen sollten Strukturen schaffen, durch die weitere Anwendungsfälle jeweils schneller, kostengünstiger und sicherer umgesetzt werden können. Gartner prognostiziert, dass bis 2027 rund 75 Prozent der Unternehmen, die Produktivitätsgewinne durch Künstliche Intelligenz vorrangig als Kosteneinsparungen behandeln, von Wettbewerbern überholt werden. Erfolgreicher könnten demnach Unternehmen sein, die diese Produktivitätsgewinne gezielt in Innovationen, Modernisierung und die Weiterbildung ihrer Beschäftigten investieren.
Zu den Technologien, die diese Entwicklung unterstützen können, zählt Gartner durch Künstliche Intelligenz unterstützte tragbare Geräte, spezialisierte generative Modelle für einzelne Fachgebiete, physisch verkörperte Künstliche Intelligenz sowie Programmieransätze, bei denen Anwendungen verstärkt mithilfe generativer Künstlicher Intelligenz erstellt werden.
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Kategorie: Arbeitsmarkt, KI