Künstliche Intelligenz im Aufsichtsrat: Deutsche Unternehmen sehen Fortschritte, aber auch Handlungsbedarf
Mai 20, 2025 2:35 pmKI? Keine Ahnung!
München. Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt zunehmend an Relevanz für Unternehmensaufsicht und -führung. Eine aktuelle Studie des Global Boardroom Program von Deloitte zeigt: Zwar haben sich das Verständnis und die Integration von KI in deutschen Aufsichtsräten im Vergleich zum Vorjahr verbessert, doch bleibt weiterhin deutlicher Handlungsbedarf. Laut der Erhebung unter 695 Aufsichtsräten und Führungskräften weltweit – darunter 49 aus Deutschland – verfügen knapp 60 Prozent der Befragten nur über geringe oder gar keine Erfahrung im Umgang mit KI. Lediglich zwei Prozent schätzen sich als sehr kompetent ein. Die Hälfte der Teilnehmenden sieht keine Notwendigkeit, die Zusammensetzung der Aufsichtsräte neu zu überdenken; die andere Hälfte spricht sich hingegen für Veränderungen aus, um KI-Kompetenzen zu stärken.
„Unsere Untersuchung verdeutlicht, dass deutsche Aufsichtsgremien die Bedeutung von KI erkannt haben, sich aber noch nicht ausreichend vorbereitet fühlen. Der Wille zur Weiterentwicklung ist spürbar – jetzt gilt es, Wissenslücken gezielt zu schließen“, erklärt Arno Probst, Partner bei Deloitte und Leiter des Global Boardroom Program.
Deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich vorn
Im internationalen Vergleich schneiden deutsche Aufsichtsräte überdurchschnittlich gut ab. So zeigen sie eine höhere Bereitschaft zur Anwendung generativer KI-Tools (GenAI): Nur 20 Prozent der deutschen Befragten sehen sich noch nicht in der Lage, GenAI einzusetzen – weltweit sind es 31 Prozent. Dennoch äußert sich auch hier eine gewisse Zurückhaltung: Nur 51 Prozent der deutschen Befragten ergreifen aktiv Maßnahmen zur Verbesserung ihrer KI-Kompetenz, verglichen mit 59 Prozent international. Noch immer ist KI in 16 Prozent der deutschen Unternehmen kein Thema auf der Agenda der Führungsgremien. Nur ein Drittel der Befragten ist mit dem Umfang der KI-Diskussionen im Aufsichtsrat zufrieden.
Uneinigkeit beim Tempo der Umsetzung
Die Meinungen zur Geschwindigkeit der KI-Integration gehen auseinander: Während 35 Prozent mit dem bisherigen Fortschritt zufrieden sind, fordern 57 Prozent eine Beschleunigung. Bei der Einschätzung der Managementkompetenz zeigt sich ebenfalls ein gespaltenes Bild – etwa die Hälfte sieht das Führungsteam als gut aufgestellt, die andere Hälfte erkennt deutliche Defizite. Einigkeit herrscht jedoch darin, dass KI ein Thema für den gesamten Aufsichtsrat und nicht nur für einzelne Ausschüsse ist. In der Praxis werden Entscheidungen vor allem im Austausch mit Technologieverantwortlichen (CIO/CTO) und dem CEO getroffen.
Die Prioritäten liegen laut Studie auf der strategischen Entwicklung (43 Prozent), der Verbesserung der Kundenerfahrung, Innovationsförderung und Effizienzsteigerung – erst danach folgen Kostenreduktionen als Zielsetzungen.
Fazit: Fortschritt mit Luft nach oben
Trotz Fortschritten in Wissen und Bereitschaft zur KI-Integration zeigt sich, dass viele deutsche Führungsgremien den Handlungsdruck erkannt haben. Der internationale Vergleich belegt eine grundsätzlich gute Ausgangslage, doch mahnt die Studie zur weiteren Professionalisierung.
„Die zunehmende Beschäftigung mit Künstlicher Intelligenz in den Führungsetagen ist ein ermutigendes Zeichen“, so Arno Probst abschließend. „Jetzt gilt es, diesen Schwung zu nutzen und das Thema dauerhaft im strategischen Fokus zu verankern.“
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Stichwörter: Aufsichtsrat, KI
Kategorie: KI, News, Unternehmen