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Kunststoffrecycling in Gefahr: 28 Organisationen fordern Eingreifen der Europäischen Union

September 9, 2026 5:32 pm Veröffentlicht von

Europäische Kunststoffbranche fordert Sofortmaßnahmen gegen Industriekrise

Die europäische Kunststoff- und Kunststoffrecyclingindustrie steht weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. 28 Organisationen aus verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette fordern deshalb von der Europäischen Union kurzfristige Maßnahmen zur Stabilisierung der Branche. Zu den Unterstützern gehört auch bvse Recycling Germany.

Im Mittelpunkt der Forderungen stehen faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber Importen, niedrigere Energiekosten, bessere Voraussetzungen für Investitionen sowie eine stärkere Nachfrage nach Recyclingkunststoffen aus europäischer Produktion. Die beteiligten Organisationen warnen vor einem weiteren Verlust von Produktions- und Recyclingkapazitäten in Europa. Nach Angaben der Verbände ging die Kunststoffproduktion in Europa im Jahr 2023 um 8,3 Prozent zurück. Gleichzeitig sank der europäische Anteil an der weltweiten Kunststoffproduktion deutlich. Während Europa 2006 noch einen Anteil von 22 Prozent erreichte, waren es zuletzt rund zwölf Prozent.

Recyclingkapazitäten unter wirtschaftlichem Druck

 

  • Besonders schwierig ist die Situation im Kunststoffrecycling. Nach den zum Zeitpunkt des Branchenaufrufs vorliegenden Daten und Schätzungen drohte Europa zwischen Anfang 2023 und Ende 2025 durch Werksschließungen Recyclingkapazitäten von insgesamt fast einer Million Tonnen zu verlieren. Die beteiligten Organisationen sehen dadurch neben der industriellen Basis auch die europäischen Ziele für Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz gefährdet.
  • bvse Recycling Germany unterstützt den gemeinsamen Branchenappell. Der Verband gehört zu den nationalen Organisationen, die sich gemeinsam mit Recycling- und Kunststoffverbänden aus zahlreichen europäischen Ländern an der Initiative beteiligen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten werden dabei als Problem der gesamten Kunststoff-Wertschöpfungskette betrachtet. Betroffen sind die Rohstoffproduktion und Verarbeitung ebenso wie Sammlung, Sortierung und Wiederaufbereitung von Kunststoffabfällen.

 

Faire Bedingungen im internationalen Wettbewerb

Ein Schwerpunkt der Forderungen betrifft den Wettbewerb mit Anbietern aus Drittstaaten. Nach Einschätzung der Verbände geraten europäische Hersteller und Recyclingunternehmen zunehmend durch preisgünstige Importe von Kunststoffneuware und Rezyklaten unter Druck.

Für importierte Rezyklate, Neuware und Kunststoffprodukte sollen deshalb vergleichbare Anforderungen gelten wie für Materialien aus europäischer Produktion. Die Organisationen fordern sogenannte Spiegelmaßnahmen oder andere gleichwertige Regelungen. Dadurch soll verhindert werden, dass importierte Materialien geringeren Umwelt-, Qualitäts- oder regulatorischen Anforderungen unterliegen als Produkte europäischer Hersteller.

Zudem sollen Zollkontrollen und Marktüberwachung verbessert werden. Nach Auffassung der Branche lassen sich die Herkunft und der tatsächliche Anteil an Recyclingmaterial bei importierten Produkten bislang nicht immer ausreichend überprüfen.

Nachfrage nach europäischen Rezyklaten erhöhen

Neben handelspolitischen Maßnahmen fordern die Verbände einen verlässlichen Absatzmarkt für in Europa produzierte Recyclingkunststoffe. Dabei sollen unter anderem die Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung stärker eingesetzt werden. Entsprechend ausgestaltete Gebühren könnten gut recyclingfähige Produkte sowie die Verwendung von Rezyklaten wirtschaftlich stärker berücksichtigen.

  • Für die Recyclingwirtschaft ist eine ausreichende und möglichst stabile Nachfrage nach Sekundärrohstoffen von großer Bedeutung. Investitionen in Sortier- und Recyclinganlagen können sich langfristig nur rechnen, wenn die daraus gewonnenen Materialien auch verkauft werden können. Die Organisationen fordern daher außerdem gezielte Investitionsanreize für die Sammlung, Sortierung und das Recycling von Kunststoffabfällen. Auch steuerliche und weitere finanzielle Anreize sollen geprüft werden.

Energiekosten und Bürokratie belasten Unternehmen

Als weiteres Problem nennt die Branche die hohen Energiekosten. Europäische Kunststoff- und Recyclingunternehmen seien gegenüber Wettbewerbern in anderen Regionen teilweise mit deutlich höheren Produktionskosten konfrontiert. Gefordert wird deshalb ein besserer Zugang zu wettbewerbsfähiger Energie. Recycling, Compoundierung und Kunststoffverarbeitung sollen bei industriepolitischen Unterstützungsmaßnahmen stärker berücksichtigt werden. Kritisiert werden außerdem regulatorische Unsicherheiten, bürokratische Belastungen und Unterschiede bei der Umsetzung europäischer Vorschriften in den einzelnen Mitgliedstaaten. Genehmigungsverfahren und administrative Anforderungen sollen vereinfacht sowie bestehende Regelungen innerhalb der Europäischen Union einheitlicher umgesetzt und durchgesetzt werden.

Sechs zentrale Handlungsfelder

Die Forderungen konzentrieren sich auf sechs Bereiche: faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber Importen, wettbewerbsfähige Energiekosten, bessere Kontrollen und konsequentere Durchsetzung bestehender Vorschriften, weniger unterschiedliche Regelungen innerhalb Europas, bessere Voraussetzungen für Investitionen und Innovationen sowie eine Weiterentwicklung der erweiterten Herstellerverantwortung.

  • Die Verbände warnen, dass ein weiterer Rückgang der europäischen Recyclingkapazitäten auch die Umsetzung der Kreislaufwirtschaftspolitik erschweren könnte. Höhere Vorgaben für Recyclingquoten und den Einsatz von Rezyklaten erfordern ausreichende Kapazitäten für Sortierung und Aufbereitung. Verschwinden solche Kapazitäten aus wirtschaftlichen Gründen aus Europa, könnte nach Einschätzung der Branche zugleich die Abhängigkeit von Importen steigen.

Kunststoffrecycling wird industriepolitisch wichtiger

Kunststoffrecycling wird damit zunehmend nicht nur unter umweltpolitischen, sondern auch unter industriepolitischen Gesichtspunkten betrachtet. Die beteiligten Organisationen verbinden die Kreislaufwirtschaft mit der Wettbewerbsfähigkeit Europas, der Rohstoffversorgung und der strategischen Unabhängigkeit. Ohne kurzfristige Gegenmaßnahmen könnten nach ihrer Einschätzung weitere Unternehmensschließungen und Arbeitsplatzverluste drohen. Gleichzeitig könnten bereits getätigte Investitionen in Recyclingtechnologien und Kreislaufwirtschaft gefährdet werden.

  • Die Europäische Union steht dabei vor unterschiedlichen Anforderungen. Während Vorgaben für Recycling und den Einsatz von Rezyklaten steigen, befinden sich die Unternehmen, die dafür notwendige Sekundärrohstoffe herstellen, unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Die Verbände fordern deshalb eine stärkere Verbindung von Kreislaufwirtschafts-, Industrie- und Wettbewerbspolitik. Neben Recyclingzielen seien wirtschaftlich tragfähige Absatzmärkte für in Europa produzierte Rezyklate erforderlich.

https://www.bvse.de/


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