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Materialknappheit Industrie: ifo Knappheitsindikator macht deutlich, wie sehr Materialknappheit zur Standortfrage wird

November 18, 2025 7:14 pm Veröffentlicht von

ifo-Knappheitsindikator: Materialengpässe im Höhenflug 2021/2022 – spürbare Entspannung bis Anfang 2024

München. Die aktuelle Grafik zum ifo-Knappheitsindikator zeigt eindrücklich, wie stark die deutschen Industrieunternehmen in den vergangenen Jahren unter Materialengpässen litten – und wie sich die Lage inzwischen schrittweise entspannt hat. Besonders der Mittelstand bekommt damit ein klares Bild, wie außergewöhnlich die Knappheitsphase 2021/2022 war und auf welches Niveau sich die Situation bis Anfang 2024 zurückgebildet hat. Der Indikator misst den Anteil der Industrieunternehmen, deren Produktion durch Knappheit an Rohstoffen und Vorprodukten beeinträchtigt wird. Dargestellt sind vierteljährliche Ergebnisse seit 2018 sowie monatliche Werte ab Mitte 2021. Die Skala zeigt den Anteil der betroffenen Unternehmen in Prozent.

Vor der Krise: Niedrige Knappheitswerte bis 2020 In den Jahren 2018 bis 2020 lag der Anteil der Unternehmen mit Materialknappheit auf einem niedrigen Niveau. Die vierteljährlichen Balken bewegen sich überwiegend im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Für viele mittelständische Industriebetriebe war Materialmangel in dieser Phase eher ein Randthema; Beschaffung und Produktion konnten im Normalfall ohne gravierende Störungen geplant werden.

Ab 2021: Sprunghafter Anstieg der Engpässe Ein deutlich anderes Bild zeigt sich ab dem Jahr 2021. Der Knappheitsindikator steigt zunächst stark an und erreicht bereits im ersten Halbjahr deutlich höhere Werte als in den Vorjahren. In der Grafik ist ein steiler Sprung zu erkennen: Der Anteil der Betriebe mit knappem Material steigt aus dem Bereich moderater zweistelliger Werte heraus auf ein Niveau, das deutlich über 40 Prozent liegt. Mit Einführung der monatlichen Messung werden die Ausschläge noch sichtbarer – die orangefarbenen Balken markieren eine Phase, in der Materialengpässe zum beherrschenden Thema in der Industrie werden.

Höchststand 2021/2022: Knappheit als Massenphänomen Den Höhepunkt erreicht die Knappheit im Zeitraum Ende 2021 bis etwa Mitte 2022. Die monatlichen Werte liegen in dieser Phase bei rund 70 bis über 80 Prozent. Das bedeutet: Eine große Mehrheit der befragten Industriebetriebe meldet, dass die eigene Produktion durch fehlende Rohstoffe und Vorprodukte behindert wird. Für viele Unternehmen im Mittelstand gingen diese Monate mit Lieferverzögerungen, unsicheren Zusagen von Zulieferern und stark schwankenden Einkaufspreisen einher. Planungssicherheit und verlässliche Lieferketten waren in dieser Phase die Ausnahme.

Seit Mitte 2022: Stetige, aber langsame Entspannung Ab der zweiten Jahreshälfte 2022 beginnt der ifo-Knappheitsindikator sichtbar zu sinken. Die Balken fallen Schritt für Schritt zurück: Zunächst verringert sich der Anteil der betroffenen Unternehmen auf Werte um 60 Prozent, dann weiter in Richtung 40 und 30 Prozent. Die Knappheit bleibt damit zwar hoch, verliert aber den Charakter einer flächendeckenden Ausnahmesituation. Die vierteljährlichen Werte bestätigen diese Entwicklung und verlaufen deutlich unterhalb der Rekordstände von 2021/2022.

Anfang 2023 bis Anfang 2024: Zurück auf deutlich niedrigerem Niveau Im Verlauf des Jahres 2023 setzt sich der Rückgang fort. Die monatlichen Balken nähern sich der Marke von 20 Prozent und fallen zum Jahresende hin noch weiter. Anfang 2024 liegt der Indikator nur noch im Bereich von rund 10 bis 20 Prozent. Damit bewegt sich der Anteil der von Knappheit betroffenen Unternehmen wieder deutlich näher an einem „normalisierten“ Zustand – auch wenn das Vorkrisenniveau aus den Jahren 2018 bis 2020 noch nicht in allen Messpunkten vollständig erreicht ist.

Bedeutung für den Mittelstand

Resilienz bleibt Kernthema. Für mittelständische Industrieunternehmen liefert die Grafik mehrere zentrale Botschaften:

Erstens zeigt sie, dass extreme Materialknappheit kein Randphänomen einzelner Branchen war, sondern zeitweise die überwiegende Mehrheit der Betriebe betraf. Strategien zur Absicherung von Lieferketten – etwa durch zusätzliche Lieferanten, alternative Materialien, höhere Transparenz in der Wertschöpfungskette oder gezielte Lagerhaltung – sind damit zu einem dauerhaften Bestandteil vorausschauender Unternehmensführung geworden.

Zweitens macht der Verlauf deutlich, dass sich Engpasslagen nicht abrupt auflösen, sondern über viele Monate hinweg allmählich entspannen. Für den Mittelstand bedeutet dies: Risikomanagement kann sich nicht auf kurzfristige Reaktionen beschränken. Es braucht belastbare Kennzahlen, um Trends frühzeitig zu erkennen und Investitions-, Produktions- und Personalentscheidungen vorausschauend anzupassen. Drittens wird sichtbar, dass selbst in einer Phase deutlicher Entspannung weiterhin ein relevanter Anteil der Unternehmen von Knappheit betroffen bleibt. Für viele Betriebe ist es daher sinnvoll, den ifo-Knappheitsindikator als festen Bestandteil in das eigene Reporting zu integrieren – beispielsweise gemeinsam mit Informationen zu Lagerreichweiten, Lieferzeiten wichtiger Zulieferer oder Preisentwicklungen zentraler Vorprodukte.

Fazit

Lehren aus der Knappheitsphase ziehen. Die Grafik zum ifo-Knappheitsindikator macht den Verlauf der Materialknappheit seit 2018 transparent – von einer Phase relativer Normalität über eine historische Zuspitzung bis hin zu einer schrittweisen Entspannung. Für den deutschen Mittelstand ist dies mehr als eine statistische Rückschau. Sie unterstreicht, wie wichtig robuste Lieferketten, flexible Beschaffungsstrategien und ein professionelles Risiko-Monitoring geworden sind. Wer die Erfahrungen der Jahre 2021 und 2022 nutzt, um Strukturen zu stärken, kann aus der Knappheitsphase langfristige Wettbewerbsvorteile ziehen: durch höhere Liefertreue, stabilere Kundenbeziehungen und eine widerstandsfähigere Produktion – auch in zukünftigen Krisensituationen. Quelle der Grafik: ifo Institut, Macrobond Financial AB; Darstellung Dashboard Deutschland (ifo Knappheitsindikator).

www.dashboard-deutschland.de/indicator/tile_1667289768923

 

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