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EZB Zinsen: Wachstum im Euroraum zog im dritten Quartal um 0,3 Prozent an – Konsum, Investitionen und starken Dienstleistungssektor

Dezember 19, 2025 7:39 pm Veröffentlicht von

EZB Leitzinsen unverändert – Inflation mittelfristig nahe 2 %, Wachstum getragen von Binnennachfrage

Frankfurt am Main. EZB-Rat hat beschlossen, die drei Leitzinssätze der Europäischen Zentralbank (EZB) unverändert zu belassen. Nach Einschätzung der EZB dürfte sich die Inflation auf mittlere Sicht beim Zielwert von 2 % stabilisieren. Die geldpolitischen Entscheidungen sollen weiterhin strikt datenabhängig und von Sitzung zu Sitzung getroffen werden; eine Vorfestlegung auf einen bestimmten Zinspfad erfolgt nicht

Wirtschaftstätigkeit

Die Wirtschaft im Euroraum zeigt sich nach Darstellung der EZB widerstandsfähig. Im dritten Quartal wuchs sie um 0,3 %, getragen von stärkerem Konsum und höheren Investitionen; auch die Exporte legten zu. Besonders der Dienstleistungssektor, darunter die Informations- und Kommunikationsbranche, habe das Wachstum geprägt, während Industrie und Baugewerbe weitgehend stagnierten. Der Arbeitsmarkt bleibe robust, zugleich kühle sich die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter ab. Für die kommenden Jahre erwartet die EZB, dass die Binnennachfrage der wichtigste Wachstumsmotor bleibt – unterstützt durch steigende Realeinkommen und eine allmählich sinkende Sparquote. Unternehmensinvestitionen sowie erhebliche Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung könnten zusätzliche Impulse liefern, während ein schwieriges Umfeld für den Welthandel das Wachstum weiterhin bremsen dürfte.

Inflation

Die jährliche Inflationsrate bewegte sich laut EZB seit dem Frühjahr in einer engen Bandbreite und lag im November bei 2,1 %. Energiepreise lagen unter dem Vorjahresniveau, während sich die Nahrungsmittelinflation im Vergleich zu den Vormonaten etwas verringerte. Die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) blieb stabil, allerdings stieg die Teuerung bei Dienstleistungen zuletzt an. Indikatoren der zugrunde liegenden Inflation hätten sich nur wenig verändert und stünden weiter mit dem mittelfristigen 2-%-Ziel im Einklang. Beim Lohnumfeld verweist die EZB auf ein Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer von 4,0 % im Jahresvergleich; zugleich deuteten zukunftsgerichtete Indikatoren auf ein nachlassendes Lohnwachstum in den kommenden Monaten hin. Für die Projektionen nennt die EZB für die Gesamtinflation im Durchschnitt 2,1 % (2025), 1,9 % (2026), 1,8 % (2027) und 2,0 % (2028). Für 2026 wurde die Prognose vor allem wegen eines erwarteten langsameren Rückgangs der Dienstleistungspreisinflation nach oben revidiert. Für 2028 erwartet die EZB eine Rückkehr zum Zielwert unter anderem aufgrund eines kräftigen Anstiegs der Energiepreise; dabei wird auch ein Aufwärtseffekt des EU-Emissionshandelssystems 2 genannt, dessen Einführung nun für 2028 vorgesehen ist.

Risikobewertung

Die EZB sieht weiterhin ein volatiles internationales Umfeld. Trotz nachlassender handelspolitischer Spannungen könnten Störungen der Lieferketten Exporte dämpfen und Konsum sowie Investitionen belasten. Eine Eintrübung der Stimmung an globalen Finanzmärkten könnte Finanzierungsbedingungen verschärfen und das Wachstum schwächen. Geopolitische Spannungen – insbesondere der Krieg Russlands gegen die Ukraine – bleiben ein zentraler Unsicherheitsfaktor. Gleichzeitig könnten Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben sowie produktivitätssteigernde Reformen das Wachstum stärker als erwartet ankurbeln; auch ein Vertrauensanstieg könnte private Ausgaben stimulieren. Für die Inflation benennt die EZB sowohl Abwärts- als auch Aufwärtsrisiken, etwa durch Wechselkursbewegungen, globale Lieferkettenfragmentierung, Rohstoffengpässe, einen verzögerten Rückgang des Lohndrucks im Dienstleistungsbereich sowie Extremwetterereignisse.

Finanzielle und monetäre Bedingungen

Seit der letzten Sitzung seien die Marktzinsen gestiegen. Kredit- und Finanzierungszinssätze für Unternehmen blieben seit dem Sommer weitgehend stabil: Im Oktober lagen die Zinsen für Bankkredite an Unternehmen bei 3,5 %, die Kosten marktbasierten Fremdkapitals bei 3,4 %. Der durchschnittliche Zinssatz für neue Immobilienkredite lag bei 3,3 %. Die Jahreswachstumsrate der Bankkreditvergabe an Unternehmen betrug im Oktober wie im September 2,9 %; die Emission von Unternehmensanleihen stieg um 3,2 %. Die EZB betont zudem die Widerstandsfähigkeit der Banken im Euroraum, weist jedoch auf Risiken für die Finanzstabilität durch geopolitische Unsicherheit und mögliche plötzliche Kurskorrekturen an den Finanzmärkten hin.

Schlussfolgerung

Mit dem unveränderten Zinsbeschluss unterstreicht die EZB ihren datenabhängigen Kurs. Ziel bleibt eine nachhaltige Stabilisierung der Inflation bei 2 % auf mittlere Sicht sowie die Aufrechterhaltung einer reibungslosen geldpolitischen Transmission. Die EZB erklärt, sie sei bereit, ihre Instrumente im Rahmen des Mandats bei Bedarf anzupassen. Für mittelständische Unternehmen sind insbesondere die genannten Stabilitätssignale zur Inflation, die Einschätzung zur Binnennachfrage als Wachstumstreiber sowie die beschriebenen Finanzierungsbedingungen und Risikoquellen relevant, da sie Investitions- und Planungssicherheit, Kreditkosten und Nachfrageperspektiven beeinflussen können.

www.ecb.europa.eu

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