Neue Märkte öffnen ihre Tore – doch ohne Patentschutz bleibt der Schlüssel ungenutzt
August 4, 2026 7:23 pmHandelsabkommen: Patentschutz ist der Schlüssel für erfolgreichen Marktzugang
(Berlin) – Neue Handelsabkommen können der europäischen Pharmaindustrie wichtige Wachstums- und Kooperationsmöglichkeiten eröffnen. Entscheidend ist jedoch nicht allein die Größe eines Marktes. Ebenso wichtig sind verlässliche Patente, regulatorischer Datenschutz und eine wirksame Durchsetzung von Schutzrechten. Das zeigt eine Analyse für die neueste Ausgabe des MacroScope Pharma Economic Policy Briefs des vfa.
Die Europäische Union hat ihre Bemühungen für neue Handelsabkommen zuletzt deutlich intensiviert. Zu den neuen oder potenziellen Partnern zählen unter anderem die Mercosur-Staaten, Mexiko, Indien, Indonesien, Australien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Zusammen stehen die betrachteten Länder für rund 14,5 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Damit entstehen erhebliche neue Marktchancen für wissensintensive Schlüsselindustrien wie Elektrotechnik, Maschinenbau und Pharma.
„Wer neue Märkte für innovative Arzneimittel erschließen will, braucht neben öffnenden Märkten einen wirksamen Schutz der Innovationen“, sagt vfa-Chefvolkswirt Dr. Claus Michelsen. „Patente und regulatorischer Datenschutz sind keine nachgelagerte Detailfrage. Erst dadurch wird die notwendige Verlässlichkeit geschaffen, damit Unternehmen Handel treiben und gleichzeitig in Forschung und Entwicklung investieren.“
Große Unterschiede zwischen den Zukunftsmärkten
Für die Analyse hat der vfa Daten des International Intellectual Property Index ausgewertet. Der von der U.S. Chamber of Commerce veröffentlichte Index vergleicht die Schutzsysteme für geistiges Eigentum in 55 Ländern. Ergänzend wurde ein spezifischer Pharma-Score aus sechs besonders relevanten Indikatoren gebildet.
- Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede. Australien und Kanada verbinden attraktive Marktbedingungen mit einem vergleichsweise starken Schutz geistigen Eigentums. Mexiko und Saudi-Arabien liegen im Mittelfeld. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihren Rechtsrahmen in den vergangenen Jahren spürbar verbessert, insbesondere bei der Patentdurchsetzung. Andere große Wachstumsmärkte weisen dagegen erhebliche Lücken auf. Besonders deutlich wird dies am Beispiel Indiens: Das Land erreicht im allgemeinen Index rund 40 von 100 möglichen Punkten, bei den für die Pharmaindustrie besonders relevanten Schutzmechanismen jedoch lediglich acht Punkte. Auch Indonesien, Argentinien und teilweise Brasilien schneiden schwach ab.
„Ein großer und wachsender Markt wird für forschungsintensive Unternehmen nur dann wirklich erschlossen, wenn Innovationen dort auch verlässlich geschützt werden“, sagt Michelsen. „Handelsabkommen sollten deshalb nicht nur Zölle senken, sondern auch konkrete Reformen beim Schutz geistigen Eigentums unterstützen.“
IP-Schutz gleichrangig mit Marktzugang behandeln
Aus der Analyse leitet der vfa drei Empfehlungen für die deutsche und europäische Handelspolitik ab.
- Erstens sollten Patentschutz, regulatorischer Datenschutz und Patentdurchsetzung bei Handelsverhandlungen von Beginn an gleichrangig neben Zollfragen und Marktzugang stehen.
- Zweitens sollte die EU bei wirtschaftlich attraktiven Ländern mit schwachem Rechtsrahmen auf verbindliche Reformzusagen und den Aufbau leistungsfähiger Institutionen hinwirken.
- Drittens sollten Reformdialoge und technische Unterstützung fester Bestandteil neuer Handelspartnerschaften werden.
Gerade wegen der wachsenden geopolitischen Unsicherheit braucht Europa eine stärkere Diversifizierung seiner Wirtschaftsbeziehungen.
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Stichwörter: nachrichten, Pharmaindustrie
Kategorie: Export-Import, Medizin, Unternehmen