Neue Studie: Blutwäsche könnte Schadstoffe aus dem Blutkreislauf verringern
August 4, 2026 8:31 pmKann Blutwäsche Umweltschadstoffe entsorgen?
Eine seit Jahrzehnten eingesetzte Form der therapeutischen Blutwäsche zur Behandlung stark erhöhter Cholesterinwerte könnte neben Lipoproteinen auch bestimmte Umweltschadstoffe aus dem Blut entfernen. Forschende der Technischen Universität Dresden untersuchten erstmals, welche Stoffe sich im abgeschiedenen Filtrat der Doppelfiltrations-Plasmapherese befinden. Im Mittelpunkt standen Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen sowie Mikro- und Nanoplastik.
Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen gehören zu den langlebigen Umweltchemikalien und sind weltweit verbreitet. Sie wurden im Blut eines Großteils der Bevölkerung nachgewiesen und verbleiben über viele Jahre im menschlichen Körper. Auch Mikro- und Nanoplastik wurden bereits in verschiedenen menschlichen Geweben und im Blut festgestellt. Die Forschenden vermuten, dass beide Stoffgruppen an Lipoproteine gebunden sein könnten und deshalb während der Blutwäsche mit entfernt werden. Für diesen Mechanismus liegt bislang jedoch kein direkter Nachweis vor.
Bei 34 behandelten Personen bestätigte die Untersuchung zunächst die bekannte Wirkung der Therapie. Entzündungsmarker, das Cholesterin niedriger Dichte sowie Lipoprotein(a) gingen nach den Behandlungen deutlich zurück.
Zusätzliche Laboranalysen zeigten, dass mehrere Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen nach der Behandlung in geringerer Konzentration im Blutplasma vorhanden waren. Gleichzeitig konnten dieselben Verbindungen im ausgeschiedenen Filtrat nachgewiesen werden.
Die Ergebnisse zweier unabhängiger Labore deuten darauf hin, dass die Blutwäsche diese Stoffe aus dem Blutkreislauf entfernt. Ob dadurch auch die gesamte Schadstoffbelastung des Körpers dauerhaft sinkt, bleibt offen. Für Mikro- und Nanoplastik ergaben sich erste Hinweise, jedoch keine einheitlichen Ergebnisse. Einzelne Kunststoffarten nahmen nach der Behandlung ab, andere zeigten keine eindeutigen Veränderungen. Bei zwei zusätzlich mit einem speziellen Adsorptionssystem behandelten Personen konnten mehrere Kunststoffarten anschließend nicht mehr nachgewiesen werden. Aufgrund der sehr kleinen Stichprobe bewerten die Forschenden diese Ergebnisse ausschließlich als vorläufigen Hinweis. Ein weiteres Messverfahren deutete auf eine Verringerung hydrophober Nanopartikel hin, konnte jedoch nicht eindeutig bestätigen, dass es sich dabei um Kunststoff handelte.
Darüber hinaus wurden Polystyrolpartikel in menschlichem Gewebe nachgewiesen und ihre räumliche Verteilung sichtbar gemacht. In ergänzenden Zellversuchen zeigte sich nach der Behandlung ein Hinweis auf eine möglicherweise geringere Zellschädigung. Die Ergebnisse stellen jedoch keinen Beleg für eine schützende Wirkung dar.
Die Forschenden weisen auf mehrere Einschränkungen der Untersuchung hin. Die Zahl der untersuchten Personen war gering, die eingesetzten Behandlungssysteme unterschieden sich und für den Nachweis von Mikro- und Nanoplastik existieren bislang keine einheitlich validierten Analyseverfahren. Zudem wurden ausschließlich kurzfristige Veränderungen unmittelbar nach der Behandlung erfasst. Aussagen über langfristige Auswirkungen auf die gesamte Schadstoffbelastung des Körpers sind daher derzeit nicht möglich. Randomisierte kontrollierte Studien und Langzeituntersuchungen liegen nicht vor.
Die therapeutische Apherese gilt in spezialisierten Behandlungszentren grundsätzlich als gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem niedriger Blutdruck, Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit sowie Beschwerden infolge der Blutgerinnungshemmung. Die untersuchten Verfahren arbeiten ohne Spenderplasma, wodurch eine zusätzliche Aufnahme von Umweltstoffen vermieden werden soll.
Weitere Untersuchungen sollen klären, ob sich Mikro- und Nanoplastik auch aus Geweben entfernen lässt und welche langfristigen Auswirkungen wiederholte Behandlungen haben. Unabhängig davon wird die Vermeidung einer Belastung mit Umweltschadstoffen weiterhin als wichtigste Maßnahme angesehen.
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Stichwörter: nachrichten, Nanoplastik