Preisschilder im Streit: Nach Änderungen bei auto.de führt der Weg vor Gericht
August 14, 2026 7:32 pmInternetplattform auto.de reagiert auf BVfK-Abmahnung
(Bonn) – Die seit Ende 2025 zur Autoland AG gehörende Kfz-Internetplattform auto.de wurde am 22. Juli 2026 vom Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK) wegen nach Auffassung der Verbandsjuristen umfangreicher Wettbewerbsverstöße abgemahnt. Kritisiert wurden u. a. unzutreffende Streich- bzw. Vergleichspreise und unzulässige obligatorische Zusatzkosten in Form eines „Rundum-Sorglos-Pakets“. Den Forderungen des BVfK wurde durch umfangreiche Anpassungen der auto.de-Internetpräsenz entsprochen, welche die kritisierten Werbedarstellungen nach vorläufiger Sichtung nicht mehr erkennen lässt. Wenngleich die beanstandeten Darstellungen geändert wurden, konnte man sich bei auto.de nicht dazu durchringen, sich durch Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung verbindlich zu verpflichten, zukünftig auf diese oder vergleichbare Marketing-Methoden zu verzichten.
„Wir können keinen Grund für eine Ausnahme von der in solchen Fällen üblichen und sinnvollen Vorgehensweise erkennen“, so der BVfK-Präsident Ansgar Klein. „Die unsererseits monierten Praktiken sind sowohl einzeln als auch und insbesondere in ihrer Häufung keine Lappalie. Nach unserer Auffassung erschweren sie Verbrauchern die zutreffende Einschätzung der tatsächlichen Angebotspreise und benachteiligen Wettbewerber, die ihre Angebote transparent und regelkonform darstellen“, so Klein.
Da auto.de trotz mehrfacher Aufforderung und Fristsetzung keine rechtlich verbindliche Unterlassungserklärung übermittelt hat, musste der BVfK nun Auftrag zur Klageerhebung beim zuständigen Landgericht Halle erteilen, um die erforderliche Sicherheit gegen zukünftige Verstöße zu erlangen. Der BVfK beobachtet seit mehr als 25 Jahren den Kfz-Markt in Deutschland und Europa. Vor diesem Hintergrund richtete sich das Augenmerk der Wettbewerbsjuristen des BVfK auch auf die Internetplattform auto.de, nachdem der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Autoland AG Christian Lindner ambitionierte Wachstums- und Expansionsziele für das Unternehmen angekündigt hatte. Besondere Aufmerksamkeit erregten dabei seine Äußerungen, wonach nicht ausgeschlossen werden könne, dass die geplante Markteroberung auch auf Kosten von Händlerkollegen gehen werde. Die Prüfung der Plattform auto.de führte aus Sicht des BVfK zu einer ungewöhnlich hohen Zahl von Beanstandungen. Ein BVfK-Jurist musste sogar feststellen: „Der Umfang der aus unserer Sicht festgestellten Beanstandungen war bemerkenswert und wirkte eher systematisch, als sei ein versehentlicher Fehler unterlaufen.“
- Nach Auffassung des BVfK haben derartige Praktiken erhebliche negative Auswirkungen: Verbraucher zahlen meist den höheren Preis, den korrekt anbietenden Kollegen wird Geschäft weggenommen und das Image der gesamten Branche leidet. Ansgar Klein: „In einem solchen geschäftlichen Umfeld lässt sich kaum seriös und professionell arbeiten. Wir sehen uns als einer der führenden Kfz-Verbände in der Verantwortung, für stabile und rechtlich einwandfreie Rahmenbedingungen zu sorgen, und sehen uns bedauerlicherweise gezwungen, eine gerichtliche Klärung herbeizuführen.“
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Kategorie: E-Commerce, IT-Recht