PwC-Studie belegt: Regenerative Landwirtschaft senkt CO₂-Emissionen und steigert die Wirtschaftlichkeit
Januar 24, 2025 1:00 pmBeziehungsgeflecht: Regenerative Landwirtschaft, Erträge und Wirtschaftlichkeit
Regenerative Praktiken senken die CO₂-Emissionen landwirtschaftlicher Betriebe und steigern zugleich deren Erträge und somit die Wirtschaftlichkeit. Zu diesem Ergebnis kommt der Praxisleitfaden Regenerative Landwirtschaft der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland (PwC) in Zusammenarbeit mit dem AgriTech-Unternehmen Klim aus Berlin. Der Praxisleitfaden ist die erste unabhängige Untersuchung, die die Auswirkungen der regenerativen Landwirtschaft messbar macht. Demnach hat die regenerative Landwirtschaft das Potenzial, die Nachhaltigkeitsbilanz der Agrarbranche erheblich zu verbessern.
Weltweit zweitgrößter CO2 – Emittent
Mit einem Anteil von etwa 15 % an den globalen CO₂-Emissionen ist der Agrarsektor der weltweit zweitgrößte Emittent nach der Energiewirtschaft. Der Handlungsdruck, emissionsintensive Bereiche zu dekarbonisieren, ist dementsprechend hoch. „Der Agrarsektor steht bei der Dekarbonisierung vor enormen Herausforderungen. Regenerative Ansätze sind der Schlüssel für viele dieser Hürden – auch in puncto Wirtschaftlichkeit.“ Andree Simon Gerken,Partner Agrar & Klimaschutz im Bereich Nachhaltigkeitsberatung bei PwC Deutschland
Ökologische Vorteile treffen auf wirtschaftliche Mehrwerte
Im Zentrum des Praxisleitfadens stehen die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen konventioneller und regenerativer Anbaumethoden. Dabei haben die Expert:innen unter anderem zwei Szenarien verglichen: Ein Business-as-usual-Szenario, das auf die gängigen landwirtschaftlichen Praktiken setzt. Und ein zweites Szenario, bei dem regenerative Praktiken wie Direktsaat, der Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten sowie vielfältige Fruchtfolgen mitberechnet wurden. Durch die Implementierung der regenerativen Praktiken sanken die Gesamtemissionen im Fall des untersuchten Betriebs von 215,04 Tonnen CO₂e im Business-as-usual-Szenario auf 186,78 Tonnen CO₂e, was einer Reduktion von rund 15 % entspricht. Besonders bemerkenswert ist die Reduktion der landwirtschaftlichen Emissionen (FLAG-Emissionen) um 30 %. Zudem ergab die Beispielsrechnung eine Ertragssteigerung von 7 % bei Winterweizen durch den Einsatz von Zwischenfrüchten und Untersaaten, was die ökonomischen Vorteile regenerativer Landwirtschaft gut veranschaulicht.
„Der Abgleich der beiden Szenarien verdeutlicht das Potenzial regenerativer Praktiken, sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Vorteile für die Landwirtschaft zu realisieren.“ Andree Simon Gerken,Partner Agrar & Klimaschutz im Bereich Nachhaltigkeitsberatung bei PwC Deutschland
Interessen aller Stakeholder vereinen und Innovationen fördern
Gleichzeitig ist die Transformation der gesamten Landwirtschafts- und Lebensmittelbranche hin zu regenerativen Praktiken aber äußerst komplex. „Lebensmittelunternehmen müssen und wollen die Transformation anführen – doch sie können das nicht ohne die Zusammenarbeit mit den Landwirten. Nur, wenn die Interessen aller beteiligten Stakeholder vereint werden, ist es möglich, den notwendigen Wandel weltweit schnell und in großem Maßstab voranzutreiben. Das betrifft sowohl die Landwirtschaft als auch die verarbeitende Industrie und den Lebensmitteleinzelhandel.“ Dr. Robert Gerlach,CEO von Klim
Praxisleitfaden
Zu diesem Schluss kommt auch der Praxisleitfaden. Demnach können langfristige Partnerschaften und die direkte Kommunikation zwischen den Akteuren die Akzeptanz und Effizienz regenerativer Methoden erheblich steigern. Der Lebensmitteleinzelhandel kann als Katalysator wirken, indem er branchenübergreifende Partnerschaften fördert und Anforderungen an regenerative Praktiken stellt. Automatisierte Prozesse und gemeinsame Datenplattformen gestalten wiederum die Zusammenarbeit zwischen Lieferanten und Lebensmitteleinzelhändlern effizienter und ermöglichen den Zugriff auf relevante Daten. Es sind aber auch gezielte Anreize notwendig, um die Barrieren bei der Umsetzung regenerativer Praktiken zu überwinden. Dazu gehören sowohl finanzielle Unterstützung durch Förderprogramme und Vergütungen für Treibhausgas-Einsparungen als auch wissenschaftlich fundierte Informationen, Beratung durch erfahrene Landwirte und gezielte Weiterbildung. Diese Maßnahmen können landwirtschaftliche Unternehmen motivieren, mit kleinen Testflächen und unter der Berücksichtigung der individuellen Betriebsstruktur zu starten.
„Nicht zuletzt ist auch ein langer Atem entscheidend, da sich Erfolge oft erst nach einiger Zeit einstellen. Umso wichtiger ist es, aus Fehlern zu lernen und auch mal mutige Wege zu gehen, um effektivere Ansätze zu entwickeln.“ Andree Simon Gerken,Partner Agrar & Klimaschutz im Bereich Nachhaltigkeitsberatung bei PwC Deutschland
Die Methodik
Der Leitfaden basiert auf der detaillierten Analyse eines exemplarischen Ackerbaubetriebs in Sachsen-Anhalt von 2019 bis 2024. Die Untersuchung umfasst alle Prozesse von der Saatgutgewinnung über den Anbau und die Ernte bis hin zum Transport der Produkte. Zur Berechnung der Treibhausgasemissionen und -bindungen wurde das Greenhouse Gas Protocol und die FLAG (Forst-, Land- und Agrarsektor)-Richtlinien der SBTi herangezogen. Primärdaten des Betriebs sowie Bodenkohlenstoffmodelle wurden verwendet, um die Kohlenstoffbindung und Treibhausgasreduktionen zu ermitteln. Wirtschaftliche Kennzahlen wie Kosten für Maschinen, Saatgut und Betriebsmittel sowie Erträge und Deckungsbeiträge sind ebenfalls in die Berechnungen eingeflossen.
Über PwC
PwC betrachtet es als seine Aufgabe, gesellschaftliches Vertrauen aufzubauen und wichtige Probleme zu lösen. Mehr als 370.000 Mitarbeitende in 149 Ländern tragen hierzu mit hochwertigen, branchenspezifischen Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung bei.
PwC Deutschland bezeichnet in diesem Dokument die PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die eine Mitgliedsgesellschaft der PricewaterhouseCoopers International Limited (PwCIL) ist. Jede der Mitgliedsgesellschaften der PwCIL ist eine rechtlich selbstständige Gesellschaft.

Redaktionelle Infos
Welche Priorität misst die Europäische Union der nachhaltigen Landwirtschaft zu?
Die Europäische Union hat in den letzten fünf Jahren erhebliche Mittel in die Landwirtschaft investiert, um nachhaltige und regenerative Praktiken zu fördern. Im Jahr 2023 wurde eine neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) mit einem Budget von 300 Milliarden Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren eingeführt. Diese Politik zielt darauf ab, Landwirtinnen und Landwirte zur Einführung nachhaltigerer und widerstandsfähigerer Praktiken zu motivieren und belohnt sie unter anderem für die Speicherung von CO₂.
Kein eigenständiger Posten im EU-Haushalt
Obwohl regenerative Landwirtschaft nicht explizit als eigenständiger Posten im EU-Haushalt ausgewiesen ist, werden durch verschiedene Programme und Initiativen innerhalb der GAP Maßnahmen unterstützt, die mit Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft übereinstimmen. Beispielsweise fördert die Europäische Innovationspartnerschaft für Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft (EIP-AGRI) seit 2012 Projekte, die nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken vorantreiben.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass genaue Zahlen zu den spezifischen Investitionen in regenerative Landwirtschaft schwer zu ermitteln sind, da diese oft in breiteren Kategorien der nachhaltigen Landwirtschaft subsumiert werden.
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Stichwörter: Landwirtschaft, Nachhaltigkeit
Kategorie: News, Politik, Ratgeber, Wirtschaft