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Seltene Erden: Plan B an: BMW, BorgWarner und Mahle setzen auf Motoren, die ohne seltene Erden auskommen

November 28, 2025 9:45 pm Veröffentlicht von

Seltene Erden: Plan B für E-Motoren – ohne China

München. Die globale Elektromobilität steht vor einem strategischen Wendepunkt. Noch heute arbeiten knapp 95 Prozent der in Elektroautos verbauten Traktionsmotoren mit seltenen Erden – Rohstoffen, deren Förderung und Verarbeitung zu großen Teilen von China kontrolliert wird. Exportbeschränkungen und Lizenzauflagen der Volksrepublik erhöhen seit 2025 den Druck auf Hersteller in Europa und Nordamerika, ihre Antriebsstränge unabhängiger von diesen kritischen Materialien zu machen.

Gleichzeitig rückt eine technische Alternative in greifbare Nähe: E-Motoren, die ohne Permanentmagnete und damit ohne seltene Erden auskommen. BMW gilt hier als Vorreiter. Der Konzern setzt in seiner fünften Generation des Electric Drive Systems auf strom­erregte Synchronmaschinen („excited synchronous motors“), bei denen das Magnetfeld im Rotor elektrisch erzeugt wird. Diese Motoren kommen ohne seltene Erden aus und sind bereits in Serienfahrzeugen wie BMW i4, iX, i7 und i5 im Einsatz.

Auch Zulieferer treiben den Plan B zum magnetfreien Antrieb voran. BorgWarner hat nach Angaben von Reuters bereits einen E-Motor mit reduziertem Einsatz schwerer seltener Erden in Serie und entwickelt parallel eine komplett seltene-Erden-freie Lösung. Für diese Technologie – eine hochdrehende, bürstenlose, strom­erregte Synchronmaschine – wurde das Unternehmen 2025 mit einem renommierten R&D-Preis ausgezeichnet, was den Schritt von der Forschung in die industriell relevante Anwendung unterstreicht.

Mahle verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Der Automobilzulieferer entwickelt seit mehreren Jahren magnetfreie, extern erregte E-Motoren, bei denen die Erregung kontaktlos per Induktion in den Rotor übertragen wird. Damit lassen sich seltene Erden vollständig vermeiden, ohne auf hohe Wirkungsgrade zu verzichten; Mahle spricht von Wirkungsgraden von deutlich über 95 Prozent im praxisrelevanten Betrieb. Zudem können neuere Motorvarianten („MCT“ und „Perfect Motor“) sowohl mit als auch ohne Magnete ausgelegt werden, wodurch sich der Einsatz seltener Erden flexibel reduzieren oder ganz vermeiden lässt.

Marktanalysen zeigen, dass es sich nicht mehr um isolierte Pilotprojekte handelt, sondern um eine Strukturveränderung in der Antriebstechnik. Laut S&P Global Mobility entfallen im Jahr 2025 zwar noch rund 94,7 Prozent des globalen Marktes für Pkw-E-Motoren auf Varianten mit seltenen Erden. Bis 2037 soll sich der Anteil der seltene-Erden-freien Motoren jedoch nahezu verdreifachen, insbesondere getrieben durch strom­erregte Synchronmaschinen (EESM) sowie induktionsbasierte Konzepte. BMW, Nissan, Renault und Volkswagen werden als zentrale Anwender dieser Technologien genannt, Zulieferer wie Vitesco/Schaeffler und BorgWarner als wichtige Technologiepartner.

Für die europäische Automobilindustrie eröffnet der Plan B zu seltene-Erden-freien E-Motoren damit mehrere strategische Vorteile: geringere Abhängigkeit von chinesischen Wertschöpfungsketten, mehr Kostenstabilität in der Beschaffung, reduzierte ökologische Belastungen durch den Wegfall problematischer Bergbaupraktiken sowie zusätzliche technologische Differenzierung im Premium-Segment. Fachbeobachter gehen davon aus, dass Hersteller, die frühzeitig auf serienreife Alternativen setzen – wie BMW auf Basis magnetfreier EESM-Konzepte und Zulieferer wie BorgWarner und Mahle mit seriennahen Lösungen – ihre Position in künftigen Lieferketten deutlich stärken können.

S&P Global Mobility, MAHLE Technikbeiträge, BorgWarner.

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