Strombedarf steigt: Neue EU-Regeln für Rechenzentren geplant

September 21, 2026 9:00 pm Veröffentlicht von

Mehr Rechenzentren, mehr Stromverbrauch: EU führt Bewertungssystem ein

Die Europäische Kommission hat ein einheitliches Bewertungssystem für Rechenzentren vorgeschlagen. Damit soll transparenter werden, wie viel Energie und Wasser einzelne Anlagen verbrauchen und wie nachhaltig sie in das europäische Energiesystem eingebunden sind.

  • Rechenzentren sind für den Ausbau der digitalen Infrastruktur in Europa von großer Bedeutung. Die Europäische Union will ihre Rechenzentrumskapazitäten innerhalb der kommenden fünf bis sieben Jahre verdreifachen, um die technologische Unabhängigkeit und digitale Souveränität Europas zu stärken. Der Ausbau erhöht jedoch den Bedarf an Strom und natürlichen Ressourcen wie Wasser. Außerdem können zusätzliche Rechenzentren die Stromnetze stärker belasten und zu höheren Kohlendioxidemissionen beitragen. Das geplante Bewertungssystem soll deshalb vergleichbare Informationen über den tatsächlichen Energie- und Wasserverbrauch von Rechenzentren liefern. Erfasst werden einzelne Rechenzentren mit einer Leistung von mehr als 500 Kilowatt. Zusätzlich soll bewertet werden, welchen Beitrag die Anlagen zum Energiesystem leisten. Dazu gehören die Nutzung von Abwärme, zusätzliche Kapazitäten zur Erzeugung sauberer Energie und die Möglichkeit, den Stromverbrauch flexibel an die Situation im Stromnetz anzupassen.

Nach Angaben der Europäischen Kommission könnte die Nutzung von rund der Hälfte der Abwärme europäischer Rechenzentren einer Wärmemenge entsprechen, die dem gesamten Heizbedarf von vier Millionen Haushalten in Europa entspricht. Flexible Rechenzentren, die ihren Stromverbrauch an die Netzbedingungen anpassen können, sollen außerdem zur Stabilität der Stromnetze beitragen, die Integration erneuerbarer Energien erleichtern und die Gesamtkosten des Stromsystems senken. Parallel dazu hat die Europäische Kommission eine öffentliche Konsultation zu Mindestanforderungen an die Energieeffizienz von Rechenzentren in Europa gestartet. Damit sollen nachhaltige digitale Infrastrukturen und Dienstleistungen gefördert und Rechenzentren stärker in das Energiesystem integriert werden.

Die entsprechende delegierte Verordnung zum gemeinsamen Bewertungssystem wird zunächst zwei Monate lang vom Europäischen Parlament und vom Rat der Europäischen Union geprüft. Beide können Einwände gegen den Rechtsakt erheben, den Text jedoch nicht verändern. Die ersten Nachhaltigkeitskennzeichnungen für einzelne Rechenzentren werden für 2027 erwartet. Bis Ende 2028 ist eine erste Überprüfung des Systems vorgesehen.

Darüber hinaus arbeitet die Europäische Kommission mit Betreibern von Rechenzentren und Stromnetzen, Energieversorgern sowie Behörden an einer Vereinbarung zur besseren Einbindung von Rechenzentren in das Energiesystem. Die Konsultation zu den Mindestanforderungen an die Energieeffizienz läuft bis zum 14. Dezember 2026.

Rechenzentren gehören zu den weltweit schnell wachsenden Branchen. Im Jahr 2024 verbrauchten sie in der Europäischen Union rund 68 Terawattstunden Strom. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur könnte der Verbrauch insbesondere durch den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz bis 2030 auf 114 Terawattstunden steigen. Das wären mehr als drei Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Europäischen Union.

Mit den geplanten Maßnahmen will die Europäische Kommission den Ressourcenverbrauch von Rechenzentren transparenter machen, effizientere Anlagen fördern und die Nutzung von Energie, Wasser und anderen Ressourcen verbessern.

https://ec.europa.eu/


Rechenzentren im Ausbau: Künstliche Intelligenz entfacht Billionen-Investitionen

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