Studierende aus aller Welt – Chance oder Risiko?
Mai 2, 2025 12:25 pmInternationale Studierende als ökonomischer Gewinn für Deutschland
Jährlich beginnen mehrere zehntausend internationale Studierende ihr Studium an deutschen Hochschulen. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), erstellt im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), zeigt: Selbst wenn nur ein Teil dieser Studierenden dauerhaft in Deutschland verbleibt, rechnet sich ihre Ausbildung langfristig für den Staat. Derzeit sind rund 380.000 internationale Studierende in Deutschland eingeschrieben – darunter Personen wie Sunita, Ravi, Bo oder Elif. Als international gelten Studierende, die ihre Hochschulzugangsberechtigung im Ausland erworben haben und in Deutschland ein Studium oder studienbezogene Praxisphasen wie Praktika oder Hospitationen absolvieren.
Studienplatzkosten: rund 10.040 Euro pro Jahr
Ein Studienplatz in Deutschland kostet den Staat im Schnitt rund 10.040 Euro pro Jahr. Bei einer Regelstudienzeit von fünf Jahren summieren sich die Kosten auf etwa 55.000 Euro je Studierendem. Dennoch überwiegen laut IW-Studie die wirtschaftlichen Vorteile: Bei einer mittleren Bleibequote von 40 Prozent ergeben sich für den Staat langfristige Überschüsse in Höhe von rund 196 Millionen Euro je 1.000 internationale Studienanfänger. Bereits während des Studiums leisten internationale Studierende einen Beitrag zur Wertschöpfung: Rund die Hälfte geht einer Erwerbstätigkeit nach, im Schnitt etwa 23 Stunden pro Woche. Daraus ergibt sich ein Wertschöpfungsbeitrag von etwa 15,4 Millionen Euro pro Jahr je 1.000 Studierende bzw. 77,1 Millionen Euro über fünf Jahre.
Noch deutlicher fällt der wirtschaftliche Nutzen nach dem Studienabschluss aus. Absolventinnen und Absolventen erzielen ein durchschnittliches Bruttojahreseinkommen von rund 62.000 Euro. Daraus ergibt sich bei 1.000 in Deutschland verbleibenden Absolventen ein jährlicher Wertschöpfungsbeitrag von über 107 Millionen Euro.
Studienerfolg und Bleibeperspektive
Nicht alle internationalen Studierenden schließen ihr Studium ab oder verbleiben langfristig in Deutschland. Die Abbruchquote im Bachelorstudium liegt bei 49 Prozent, im Masterstudium bei 26 Prozent. Zudem kehrt ein Teil der Absolventen unmittelbar nach Studienabschluss ins Herkunftsland zurück. Eine OECD-Studie aus dem Jahr 2022 belegt jedoch, dass Deutschland im internationalen Vergleich besonders hohe Bleibequoten aufweist: Von den 2010 mit einem Visum zur Hochschulausbildung eingereisten Personen hielten sich zehn Jahre später noch 45 Prozent in Deutschland auf – ein Spitzenwert unter den 16 untersuchten Ländern, vergleichbar nur mit Kanada.
Langfristige Perspektiven für den Staat
Das IW rechnet in drei Szenarien mit unterschiedlichen Bleibequoten. Im realistischsten Szenario bleiben von 1.000 internationalen Studienanfängern mit Abschlussabsicht etwa 400 zehn Jahre nach Studienabschluss in Deutschland, 200 davon langfristig. Selbst bei einer niedrigen Bleibequote von nur 75 langfristig Verbleibenden rechnet sich die Ausbildung: Der fiskalische Saldo ist spätestens fünf Jahre nach Studienende positiv – im mittleren Szenario bereits nach drei Jahren.
Besonders eindrücklich ist der Blick auf den Anfängerjahrgang 2022: Von den rund 79.000 internationalen Studienanfängern mit Abschlussabsicht ergibt sich bei mittlerer Bleibequote ein Nettoertrag von knapp 15,5 Milliarden Euro für den deutschen Staat über deren Lebenszeit.


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