Digitaler Werbemarkt – Werbebudgets: Rekordhöhe wandern auf wenige Plattformen – keine nationale Veröffentlichungen
Januar 27, 2026 1:53 pmWerbeerlöse 2025: Alphabet (Google/YouTube) und Meta (Facebook/Instagram) melden Rekordniveaus – doch Länderperspektive bleibt im Dunkeln
Die veröffentlichten Quartalsberichte für 2025 zeigen: Der digitale Werbemarkt wird weiterhin in hohem Maß von wenigen Plattformkonzernen geprägt. Alphabet weist für das dritte Quartal 2025 „Google advertising“ in Höhe von 74,182 Mrd. US-Dollar aus; für die ersten neun Monate 2025 summiert sich „Google advertising“ auf 212,407 Mrd. US-Dollar. Innerhalb dieser Werbeerlöse entfallen in den ersten neun Monaten 2025 161,459 Mrd. US-Dollar auf „Google Search & other“ und 28,984 Mrd. US-Dollar auf „YouTube ads“.
Meta berichtet für das dritte Quartal 2025 Werbeerlöse („Advertising“) von 50,082 Mrd. US-Dollar sowie für die ersten neun Monate 2025 138,037 Mrd. US-Dollar.
Gleichzeitig bleibt bei der Frage der Marktdominanz ein Transparenzproblem bestehen
Die genannten Werbeerlöse werden von den Unternehmen als weltweite Konzernzahlen berichtet, ohne verpflichtende Aufschlüsselung nach einzelnen Ländern (etwa Deutschland). Alphabet veröffentlicht zwar eine regionale Umsatzverteilung (Total revenues) nach Kundenadressen, jedoch nur in großen Blöcken: Für Q3/2025 weist Alphabet beispielsweise USA 48,758 Mrd. US-Dollar, EMEA 29,911 Mrd. US-Dollar, APAC 17,819 Mrd. US-Dollar und Other Americas 6,065 Mrd. US-Dollar aus.
Meta nutzt ebenfalls Regionen (Total revenue) und berichtet für Q3/2025 USA/Kanada 19,708 Mrd. US-Dollar, Europa 11,566 Mrd. US-Dollar, Asien-Pazifik 14,304 Mrd. US-Dollar sowie Rest der Welt 5,664 Mrd. US-Dollar.
Diese regionalen Angaben erhöhen die Nachvollziehbarkeit – ersetzen aber keine Ländertransparenz, zumal Werbeerlöse (als Kern der Marktmachtdebatte) nicht länderspezifisch ausgewiesen werden.
Zentrale Frage an Gesetzgeber und Aufsicht
Warum gibt es – gerade bei systemrelevanten Digitalplattformen – keine Pflicht, wesentliche Erlösströme wie Werbeumsätze nach Ländern offenzulegen? In Deutschland zielen die periodischen Berichtspflichten für kapitalmarktorientierte Emittenten auf Jahres- und Halbjahresfinanzberichte; eine generelle Verpflichtung zur Länderdetaillierung der Umsätze ergibt sich daraus typischerweise nicht.
Bei globalen Digitalkonzernen kommt hinzu, dass ihre primären Konzernpflichtberichte häufig im Herkunftsmarkt (hier: USA) veröffentlicht werden, sodass deutsche Register in der Regel keine konzernweiten Segmentdetails wie „Google advertising“ oder „Advertising“ bereitstellen.
Ein möglicher Bezugspunkt für die Debatte ist die EU-Vorgabe zur öffentlichen länderbezogenen Berichterstattung im Steuerkontext (Public Country-by-Country Reporting). Diese zielt jedoch primär auf Steuertransparenz und verlangt u. a. Angaben wie Net turnover und weitere Kennzahlen je EU-Mitgliedstaat (außerhalb der EU teils aggregiert), nicht aber eine standardisierte Offenlegung von Werbeumsätzen je Land.
Für Werbetreibende, Medienhäuser und den Mittelstand bleibt praktische Konsequenz
Die wirtschaftliche Bedeutung der Plattformen ist anhand globaler und regionaler Zahlen sichtbar – die länderspezifische Marktintensität und Abhängigkeit lässt sich aus den Pflichtberichten jedoch nicht eindeutig ableiten. Die Frage, ob eine länderscharfe Offenlegung (mindestens in Schlüsselbereichen wie Werbeerlösen) verhältnismäßig, wettbewerbsneutral und administrativ leistbar wäre, dürfte die Diskussion über Marktmacht im digitalen Werbemarkt weiter prägen.
Quellen:
Meta Platforms, Form 10-Q (Quartal endete 30.09.2025), Tabelle „Advertising … Nine Months Ended September 30, 2025“ und Umsatz nach Regionen (SEC/EDGAR, HTML). Alphabet, Form 10-Q (Quartal endete 30.09.2025), Tabelle „Google advertising … Nine Months Ended September 30, 2025“ sowie Umsatz nach Geografie (SEC/EDGAR, HTML). Alphabet, Form 10-Q „GOOG-10-Q-Q3-2025“ (PDF-Fassung). BaFin, „Finanzberichterstattung“ (Informationspflichten/periodische Finanzberichte). BaFin, Informationsblatt „Hinweisbekanntmachung (§§ 114 ff. WpHG)“ (PDF). Bundesgesetz: WpHG § 114 (Jahresfinanzbericht) (Gesetze-im-Internet). Bundesgesetz: WpHG § 115 (Halbjahresfinanzbericht) (dejure). EU-Recht: Richtlinie (EU) 2021/2101 (Public Country-by-Country Reporting), EUR-Lex (PDF-Darstellung). PwC Niederlande, Überblick zu EU Public CbCR-Anforderungen (Text/HTML). Deloitte, „EU Public CbCR obligations“ (Text/HTML; Aktualisierung 19.01.2026).
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Stichwörter: Digitaler Werbemarkt, nachrichten
Kategorie: Recht, Wirtschaft