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Digitalisierung Mittelstand: Digitalisierungsaktivitäten im deutschen Mittelstand verlieren spürbar an Tempo

April 23, 2026 7:01 pm Veröffentlicht von

Keine Aufbruchstimmung – Abschwächung im Mittelstand

Die Digitalisierungsaktivitäten im deutschen Mittelstand verlieren spürbar an Tempo. Im Berichtszeitraum 2022 bis 2024 hat nur noch rund jedes dritte Unternehmen ein Digitalisierungsprojekt abgeschlossen. Damit fällt der Anteil auf 30 Prozent und erreicht wieder das Niveau vor der Corona-Pandemie. Auch die Ausgaben gehen zurück: Im Jahr 2024 investierten mittelständische Unternehmen zusammen nur noch knapp 24 Milliarden Euro in Digitalisierungsprojekte, also rund 8 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr. Die KfW sieht darin ein deutliches Zeichen dafür, dass der pandemiebedingte Digitalisierungsschub ausgelaufen ist.

Als wesentliche Ursache nennt der Bericht die anhaltend schwierige gesamtwirtschaftliche Lage. Vor allem die schwache Exportentwicklung bremst viele Unternehmen aus. Während der Corona-Zeit hatte die Digitalisierung in vielen Betrieben hohe Priorität, weil neue digitale Vertriebswege, flexiblere Abläufe und mehr Distanz im Kundenkontakt nötig waren. Dieser Sonderdruck fällt nun weg. Gleichzeitig gewinnen klassische Innovationsvorhaben wieder an Gewicht, sodass Unternehmen ihre begrenzten finanziellen Mittel stärker zwischen Innovation und Digitalisierung aufteilen. Der Rückgang zeigt sich in nahezu allen untersuchten Gruppen. Besonders stark fällt er im forschungs- und entwicklungsintensiven verarbeitenden Gewerbe aus. Auch international aktive Unternehmen schränken ihre Digitalisierungsaktivitäten deutlicher ein als regional tätige Betriebe. Dennoch bleibt das Grundmuster bestehen: Je größer ein Unternehmen ist, desto häufiger digitalisiert es. Große Mittelständler setzen Digitalisierungsprojekte mehr als doppelt so oft um wie kleine Betriebe. Zugleich haben sie mehr finanzielle, organisatorische und personelle Möglichkeiten, größere Vorhaben anzustoßen und Risiken besser zu verteilen. Kleine Unternehmen sind dagegen häufiger gezwungen, Vorhaben zu verschieben oder ganz darauf zu verzichten.

Auch bei den Ausgaben zeigt sich diese Schieflage deutlich. Große Mittelständler investieren im Durchschnitt ein Vielfaches dessen, was kleine Unternehmen für Digitalisierung aufbringen. Laut Bericht geben große Unternehmen rund das 19-Fache kleiner Betriebe aus. Allerdings tragen kleine Unternehmen gemessen an ihrem Umsatz oft eine höhere relative Belastung. Digitalisierung ist für sie also nicht nur seltener, sondern häufig auch finanziell schwieriger. Bei den Branchen bleiben forschungsintensive Industriebetriebe und wissensbasierte Dienstleister an der Spitze. Gleichzeitig haben sich einige bislang schwächere Bereiche im längeren Vergleich etwas angenähert. So hat das Baugewerbe im Verlauf der vergangenen Jahre aufgeholt, auch wenn es aktuell ebenfalls Rückgänge gibt. Insgesamt zeigt der Bericht, dass die langfristige Entwicklung nicht nur negativ ist: Im Vergleich zu den Anfangsjahren der Erhebung liegen sowohl der Anteil digital aktiver Unternehmen als auch die gesamten und durchschnittlichen Digitalisierungsausgaben weiterhin höher. Die aktuelle Schwächephase bedeutet also keinen vollständigen Rückfall, sondern eher eine spürbare Abschwächung nach Jahren des Aufholens.

Bei konkreten Vorhaben bleibt Rangfolge weitgehend stabil

Am häufigsten digitalisieren mittelständische Unternehmen weiterhin den Kontakt zu Kunden und Zulieferern. Direkt dahinter folgt die Erneuerung der Informations-Technik-Strukturen und die Einführung neuer Anwendungen. An dritter Stelle steht der Aufbau von Knowhow, also etwa Beratung oder Weiterbildung. Seltener geht es um die Reorganisation von Abläufen, neue digitale Marketing- und Vertriebskonzepte oder die Vernetzung verschiedener Funktionsbereiche im Unternehmen. Am seltensten bleibt die Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen selbst. Gerade dieser Punkt zeigt laut Bericht, dass viele Unternehmen Digitalisierung noch immer vor allem zur Effizienzsteigerung einsetzen und seltener für neue digitale Angebote. Anspruchsvollere Vorhaben konzentrieren sich weiter auf die Vorreiter. Große, forschende und international tätige Unternehmen investieren häufiger in komplexe Projekte wie die Verknüpfung interner Bereiche, die Neugestaltung von Workflows oder den gezielten Ausbau digitaler Kompetenzen. Kleinere und weniger fortgeschrittene Unternehmen kümmern sich dagegen oft zuerst um grundlegende Schritte wie die Digitalisierung von Kundenkontakten oder einfache neue Anwendungen. Damit vertieft sich die digitale Kluft innerhalb des Mittelstands weiter.

KfW leitet mehrere wirtschaftspolitische Handlungsfelder ab

Ein zentraler Punkt ist die Stärkung digitaler Kompetenzen. Gemeint sind sowohl mehr Informations-Technik-Fachkräfte als auch breitere digitale Kenntnisse in der gesamten Belegschaft. Dazu seien bessere Ausbildung, mehr Weiterbildung und eine stärkere Verankerung digitaler Inhalte in Schule, Ausbildung und Hochschule nötig. Ebenso wichtig ist aus Sicht des Berichts eine bessere Finanzierung. Weil Digitalisierungsprojekte oft nur wenige materielle Sicherheiten bieten, sind sie schwerer über klassische Kredite zu finanzieren. Deshalb schlägt die KfW gezielte Förderanreize vor, etwa zinsgünstige Kredite, Zuschüsse oder eine engere Verbindung von Forschungs- und Digitalisierungsförderung.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Viele mittelständische Unternehmen behandeln Digitalisierung noch nicht als strategische Aufgabe. Der Bericht betont deshalb, dass Betriebe die Bedeutung digitaler Technologien stärker in ihre Unternehmensstrategie einbinden müssen. Gerade Nachzügler müssten stärker dafür sensibilisiert werden, dass Digitalisierung nicht nur eine technische Einzelmaßnahme ist, sondern mit Marktposition, Wettbewerbsfähigkeit und Geschäftsmodell zusammenhängt. Unterstützend könnten Kampagnen, Beratung und mehr strategische Inhalte in der beruflichen Bildung wirken.

Schließlich verweist die KfW auf die Rahmenbedingungen. Verbesserungen bei digitaler Infrastruktur, Datensicherheit und Datenschutz gelten als wichtige Hebel. Zudem könne die Förderung wissenschaftlicher Forschung und die Entwicklung gemeinsamer Standards helfen. Auch ein stärker integrierter europäischer Binnenmarkt würde die Entwicklung und Vermarktung digitaler Angebote erleichtern. Unterm Strich zeichnet der Bericht damit ein klares Bild: Die Dynamik der vergangenen Jahre ist vorerst gebrochen, und die Unterschiede zwischen digitalen Vorreitern und Nachzüglern bleiben groß. Langfristig ist der Mittelstand zwar digitaler geworden, doch der aktuelle Rückgang zeigt, wie anfällig dieser Fortschritt unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen bleibt.

kfw.de/

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