Entwicklungspolitik,DEG,Resilienz,Nachhaltigkeit,Schwellenländer,Transformation,Unternehmen

Entwicklungspolitik: DEG stellt Entwicklungspolitischen Bericht 2025 vor – Kritik an den DEG-Aussagen

Juli 1, 2026 3:59 pm Veröffentlicht von

DEG stellt Entwicklungspolitischen Bericht 2025 vor

Geoökonomische Herausforderungen und umweltbezogene Nachhaltigkeitsrisiken verändern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vieler Unternehmen grundlegend, insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH finanziert und unterstützt daher gezielt nachhaltig wirkende Investitionen und Transformationsprozesse ihrer Kunden, um diese resilienter und zukunftsfähig machen.

DEG-Investitionen

Drei Millionen faire Arbeitsplätze, 185 Mrd. EUR lokales Einkommen Die im aktuellen Entwicklungspolitischen Bericht dokumentierten Ergebnisse der letzten Portfolioanalyse verdeutlichen die Wirkungen dieser Strategie: Unternehmen im DEG-Portfolio beschäftigten im Jahr 2025 rund drei Millionen Menschen fair und erwirtschafteten ein lokales Einkommen von 185 Milliarden Euro. Außerdem produzierten sie 35 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien, womit rund 40 Millionen Menschen versorgt werden können und CO2 reduziert wird. 61% der DEG-Kunden investierten in innovative Technologien, Produkte oder Prozesse. 88 % der Unternehmen engagierten sich zusätzlich gemeinnützig, zum Beispiel für Bildung und Gesundheit.

Transformative, nachhaltige und resiliente Geschäftsmodelle von Unternehmen stärken

Ein Beispiel sind die Aktivitäten des von der DEG mitfinanzierten Telekommunikationsanbieters IPI Group Holding Limited (IPI). Das Unternehmen betreibt mehr als 30.000 Telekommunikationsmasten in Afrika und im Mittleren Osten. Viele Standorte sind nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. IPI setzt bei der Energieversorgung der Masten auf Solarstrom in Kombination mit Batteriesystemen. Dadurch werden bereits heute rund 40 Prozent weniger fossile Energie als zuvor erforderlich eingesetzt. Die DEG finanziert diese Investitionen seit 2019 mit langfristigen Darlehen und unterstützt das Unternehmen zudem bei der Weiterentwicklung des Umwelt- und

Innovationen zur Entwicklung von relevanten Märkten und Sektoren ermöglichen

„Wir fördern gezielt transformative, nachhaltig erfolgreich Geschäftsmodelle privater Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Gerade angesichts der erheblichen globalen Herausforderungen sind finanzielle Mittel nur ein Hebel. Echte Wirkung entsteht dann, wenn Strategie plus eingesetzte Mittel wie Kapital, Expertise, gute Unternehmensführung und partnerschaftliche Begleitung ineinandergreifen. Genau hier setzt die DEG an,“ sagte Roland Siller, Vorsitzender der DEG-Geschäftsführung anlässlich der Veröffentlichung des Berichtes.

„Zusammen mit unserer Tochtergesellschaft DEG Impulse haben wir allein 2025 mehr als 80 Transformationsvorhaben angeschoben. Dazu Beratungen in den Bereichen Klima- und Ressourcenschutz, nachhaltige Zulieferketten, Human Resources und Talentförderung,“ so Siller weiter. Diese Impulse tragen gezielt dazu bei, dass private Unternehmen erfolgreich wachsen, sich modernisieren, ihre Geschäftspraktiken und Prozesse weiter professionalisieren. Damit verbunden sind auch erhebliche Beiträge der Privatwirtschaft zu den globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs), insbesondere zu SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum) und SDG 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur). Mit den 2026 weiterentwickelten Sustainability Commitments führt die DEG ihren strategischen Ansatz konsequent weiter: Die Impact- und Climate Commitments, die seit 2022 zentrales Element der DEG-Aktivitäten sind, wurden jetzt um den Aspekt des Wirtschaftens gemäß guter internationaler Umwelt- und Sozialpraxis ergänzt. Ziel ist es, bei Bewertung und Steuerung einer Investition die Verknüpfung von Impact, Klima und sozialen sowie ökologischen Standards über den gesamten Investitionszyklus systematisch zu stärken.

https://www.deginvest.de/


news-nachrichten-pressemitteilungen-reporter-01

Redaktionelles: Wer hat´s gemacht?

Die Behauptung stimmt als DEG-eigene Portfolioaussage, ist aber kein unabhängiger Kausalnachweis, dass die DEG allein diese Wirkungen geschaffen hat. Die Zahlen zu rund drei Millionen fairen Arbeitsplätzen und 185 Milliarden Euro lokalem Einkommen stammen aus der DEG-Pressemitteilung zum Entwicklungspolitischen Bericht 2025. Dort heißt es außerdem, DEG-Portfolio-Unternehmen hätten 2025 Strom aus erneuerbaren Energien für rund 40 Millionen Menschen erzeugt und Kohlendioxid reduziert.

Wichtig ist die methodische Einordnung:

Die DEG misst Entwicklungswirkungen mit dem „Development Effectiveness Rating“. Dieses System bewertet einzelne Kunden und verfolgt Veränderungen seit dem DEG-Investment. Es basiert auf einer Wirkungskette, die Beiträge von DEG-Kunden zu Arbeitsplätzen, lokalem Einkommen, Markt- und Sektorentwicklung, Umweltpraxis und Gemeinwesen erfassen soll. Damit sind die Zahlen empirisch im Sinne eines internen Monitorings, aber sie ersetzen keine unabhängige Wirkungsstudie mit Gegenvergleich: Also keine sichere Aussage, was ohne DEG-Finanzierung passiert wäre.

Was empirische Forschung dazu sagt

Die allgemeine Forschung zu Entwicklungsfinanzierern stützt den Grundgedanken teilweise. Eine Auswertung des Overseas Development Institute kommt zu dem Ergebnis, dass Investitionen von Entwicklungsfinanzierern nach der vorhandenen Evidenz Brutto-Arbeitsplätze schaffen, installierte Energiekapazität erhöhen und Zugang zu Finanzierung für kleine und mittlere Unternehmen verbessern können.

Zugleich betont die Studie, dass deutlich weniger bekannt ist, wer diese neuen Arbeitsplätze bekommt, wie stark Armut tatsächlich sinkt, ob Energie für die Zielgruppen bezahlbar ist und wie viel Wirkung wirklich der Entwicklungsfinanzierung zugerechnet werden kann. Auch DEval, das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit, beschreibt die Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen differenziert. Es sieht in ausgewerteten Studien positive und negative Wirkungen, verweist aber zugleich auf methodische Probleme: Langfristige Strukturwirkungen, Einkommenszuwächse bestimmter Zielgruppen und Entwicklungsadditionalität sind schwer zu messen. Außerdem könnten Einschätzungen zur Entwicklungswirkung auf nicht ausreichend nachvollziehbaren Kriterien beruhen und positiv verzerrt sein.

Kritische Punkte zur konkreten DEG-Aussage

Ein auffälliger Punkt ist eine Zahlenabweichung innerhalb aktueller DEG-Kommunikation:

Die Mitteilung zum Entwicklungspolitischen Bericht 2025 nennt 35 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien. Die DEG-Seite zum Geschäftsjahr 2025 nennt dagegen 26,1 Terawattstunden grünen Strom und mehr als 20 Millionen Tonnen jährliche Kohlendioxid-Einsparung. Ohne zusätzliche Erläuterung ist unklar, ob hier unterschiedliche Abgrenzungen, Zeiträume oder Berechnungsmethoden genutzt werden.

Der Begriff „faire Arbeitsplätze“ ist ebenfalls erklärungsbedürftig. Die DEG-Systematik stellt auf formale Beschäftigung und Einhaltung von Standards der Internationalen Arbeitsorganisation ab. Das ist eine nachvollziehbare Messlogik, sagt aber nicht automatisch, ob Löhne, Arbeitsbedingungen, Verteilungseffekte und Armutswirkung für alle Beschäftigten unabhängig überprüft wurden.

Kritik

Kritik an den DEG-Aussagen setzt weniger daran an, dass die genannten Portfoliozahlen falsch wären.

Der zentrale Einwand lautet: Solche Zahlen belegen vor allem, was Unternehmen im DEG-Portfolio leisten, aber nicht automatisch, welcher Anteil dieser Wirkung tatsächlich durch die DEG verursacht wurde. Genau diese Frage wird in der Entwicklungsfinanzierung als Additionalität diskutiert. Die OECD betont in ihrer Blended-Finance-Leitlinie 2025, dass zusätzliche private Finanzierung einen nachweisbaren kausalen Zusammenhang zwischen öffentlichem Finanzierungsinstrument und mobilisierten Mitteln voraussetzt. Für gemischte Entwicklungsfinanzierung fordert die OECD hohe Standards bei Additionalität auf Transaktions- und Systemebene.

Auch die wissenschaftliche OECD-Evaluierung zu finanzieller und entwicklungspolitischer Additionalität weist darauf hin, dass gerade nachträgliche Bewertungen der Entwicklungsadditionalität methodisch anspruchsvoll sind. Damit wird die Aussagekraft großer Wirkungszahlen begrenzt: Ohne Vergleichsmaßstab bleibt offen, ob Arbeitsplätze, Einkommen oder Investitionen ohne öffentliche Entwicklungsfinanzierung nicht ebenfalls entstanden wären.

Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit beschreibt die Evidenz zur Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen ebenfalls vorsichtig. In einer Synthese bestehender Studien kommt DEval zu dem Ergebnis, dass der Mehrwert privater Sektorengagements nicht immer klar nachweisbar ist. Die Untersuchung fasst 51 Studien und Evaluationen zusammen und verweist darauf, dass Wirkungen je nach Instrument und Kontext unterschiedlich ausfallen.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Messung selbst. Die DEG arbeitet mit einem eigenen Bewertungssystem, dem Development Effectiveness Rating. Dieses kann Portfolioentwicklungen erfassen, ist aber keine unabhängige Kausalstudie. Belegt ist, dass Unternehmen im DEG-Portfolio bestimmte Beiträge melden; weniger eindeutig belegt ist, welcher Teil davon allein auf DEG-Finanzierung und DEG-Beratung zurückgeht.

Auch auf EU-Ebene wird Entwicklungsfinanzierung mit privaten Finanzierungsinstrumenten kritisch geprüft. Der Europäische Rechnungshof weist in einer Stellungnahme zum EU-Außenfinanzierungsinstrument darauf hin, dass Garantien und technische Hilfe aus dem EU-Haushalt finanziert werden, während Entwicklungsfinanzierer Investitionen unterstützen sollen. Daraus ergibt sich eine zentrale Kontrollfrage: Öffentliche Mittel müssen nachvollziehbar dort eingesetzt werden, wo sie zusätzliche Entwicklungswirkung ermöglichen und nicht nur ohnehin geplante Investitionen absichern.

Aus parlamentarischer Sicht ist außerdem relevant, dass Transparenz und Aufsicht über die DEG bereits Thema im Bundestag waren. Die Bundesregierung erklärte 2024 zwar, sie sehe kein Transparenz- und Rechenschaftsdefizit bei der DEG. Gerade diese Antwort zeigt aber, dass Transparenz, Kontrolle und Rechenschaft über DEG-Finanzierungen politisch überprüft wurden und nicht nur ein zivilgesellschaftliches Thema sind.

Die DEG-Zahlen sind als Portfolioangaben plausibel, aber sie beweisen nicht automatisch eine direkte DEG-Verursachung. Kritische Punkte sind Additionalität, unabhängige Wirkungsmessung, Vergleich mit Alternativszenarien, Transparenz der Bewertungsmethodik und die Frage, ob öffentliche Mittel tatsächlich zusätzliche private Investitionen und messbare Entwicklungswirkungen auslösen.

Quellenangaben: DEval: „Private Sector Engagement in Development Cooperation“, 2022. DEval: „Evaluation Synthesis of Private Sector Engagement in Development Cooperation“. OECD: „Evaluating Financial and Development Additionality in Blended Finance Operations“, 2021. OECD: „OECD DAC Blended Finance Guidance 2025“, 2025. Europäischer Rechnungshof: „Opinion 03/2024“, 2024. Deutscher Bundestag: „Bundesregierung: Aufsicht über die DEG ist wirksam“, 2024.

Stichwörter: ,

Kategorie: , ,

  1. Home
  2. Wirtschaft
  3. Export-Import
  4. Entwicklungspolitik: DEG stellt Entwicklungspolitischen...