EU Binnenmarkt: Rückgang deutscher Warenausfuhren in ersten drei Quartalen 2025 real um 1,4 Prozent
Januar 30, 2026 2:41 pmZuwächse in Europa stabilisieren deutsche Exportbilanz
Die deutschen Warenausfuhren sind in jüngster Zeit nur noch leicht gewachsen. Dies lag im Wesentlichen daran, dass die Lieferungen in die USA und nach China 2025 stark rückläufig waren. Stabilisierende Zuwächse gab es dagegen vornehmlich im Handel mit anderen europäischen Staaten.
Die deutschen Exporteure haben seit einiger Zeit auf vielen Märkten einen schweren Stand. Das liegt zum einen an Problemen im eigenen Land: Die überbordende Bürokratie, eine bröckelnde bis marode Infrastruktur sowie hohe Steuern, Arbeitskosten und Energiepreise verringern maßgeblich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Zum anderen macht das Verhalten zweier großer Handelsmächte den exportorientierten deutschen Unternehmen zu schaffen. Da ist China, das seine Währung bewusst unterbewertet und viele Firmen oder Branchen so stark subventioniert, dass von einem fairen Wettbewerb mit dem Ausland nicht mehr die Rede sein kann. Und die USA haben unter Präsident Donald Trump einen aggressiven zollpolitischen Kurs eingeschlagen, der den Zutritt zum amerikanischen Markt erschwert. Zudem führt die Wankelmütigkeit Trumps zu großer Verunsicherung. All dies schlägt sich in den Exportdaten Deutschlands nieder, wie neue IW-Untersuchungen zeigen (Grafik):
Der Wert der deutschen Warenausfuhren in die USA lag im ersten bis dritten Quartal 2025 um fast 8 Prozent unter dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums, die Exporte nach China schrumpften sogar um mehr als 12 Prozent.
Im Handel mit der Volksrepublik setzte sich damit der Abwärtstrend der Jahre nach 2022 fort. Inzwischen ist China nur noch der sechstwichtigste Exportpartner Deutschlands.
Protektionistische Politik der USA trifft einige deutsche Industriebranchen hart
Die USA sind zwar nach wie vor der größte Kunde für deutsche Industriegüter – nicht zuletzt, weil das Geschäft mit den Vereinigten Staaten in den Jahren der Präsidentschaft von Joe Biden kräftig expandierte. Dennoch trifft die zunehmend protektionistische Politik der USA, die vor allem auf höhere Zölle für bestimmte Produkte setzt, einige Industriebranchen hart. So unterlagen die deutschen Exporte von Kraftwagen und Kraftwagenteilen von April 2025 bis zur Zolleinigung zwischen der EU und den USA im Sommer besonders hohen Zusatzabgaben von 25 Prozentpunkten. Dies hat das US-Geschäft der hiesigen Hersteller ausgebremst (Grafik): Über die ersten drei Quartale des Jahres 2025 hinweg unterschritten die deutschen Autoausfuhren in die Vereinigten Staaten den Wert des gleichen Vorjahreszeitraums um fast 14 Prozent.
Angesichts der Tatsache, dass die Kfz-Branche rund ein Fünftel des gesamten Exports in die USA ausmacht, hat dieses Minus die deutsche Exportbilanz im US-Geschäft maßgeblich geprägt. Auch der Rückgang der Ausfuhren von Maschinen in die Vereinigten Staaten um nahezu 10 Prozent im genannten Zeitraum lässt sich im Wesentlichen durch die US-Zollmaßnahmen erklären. Denn im Rahmen der sogenannten Section 232 des US Trade Expansion Act wurden zuletzt hohe Zölle auch auf Einfuhren wichtiger Produkte aus weiterverarbeitetem Stahl und Aluminium verhängt, die vermeintlich die Sicherheit der USA gefährden. Am anderen Ende des Branchen-Rankings fällt der jüngste Anstieg bei den Exporten von Metallen in die USA auf. Hier dürften allerdings Vorzieheffekte eine Rolle spielen – um befürchteten Zollerhöhungen zuvorzukommen, wickelten manche Unternehmen ihre Exportgeschäfte 2025 offenbar beschleunigt ab beziehungsweise bauten an Produktionsstätten in den USA vermehrt Lagerkapazitäten auf.
„In den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 übertrafen die deutschen Warenexporte das Vorjahresniveau um 0,25 Prozent. Starke Einbußen im Handel mit China und den USA wurden dabei von höheren Warenausfuhren in viele europäische Länder wettgemacht.“
Angesichts der starken Einbußen im Geschäft mit den USA und China ist die insgesamt leicht positive deutsche Exportbilanz bemerkenswert: Unterm Strich übertrafen die deutschen Warenexporte in den ersten drei Quartalen 2025 das Vorjahresniveau um 0,25 Prozent. Wie dieses Plus zustande gekommen ist, hat das IW näher analysiert. Da die prozentualen Veränderungsraten nur bedingt aussagekräftig sind, weil sie die unterschiedliche Bedeutung der einzelnen Länder für den deutschen Außenhandel nicht erfassen, hat das IW berechnet, welchen negativen oder positiven Beitrag die Länder zuletzt zum gesamten deutschen Exportwachstum geleistet haben (Grafik): Die USA und China haben mit insgesamt 1,55 Prozentpunkten im vergangenen Jahr das deutsche Exportgeschehen am stärksten negativ beeinflusst.
Mit Mexiko und Kanada hatten noch zwei weitere Länder auf dem nordamerikanischen Kontinent einen negativen Effekt auf die deutschen Warenausfuhren. Auffällig ist darüber hinaus, dass die Exporte in zahlreiche wichtige Länder der asiatisch-pazifischen Region zuletzt rückläufig waren, etwa nach Südkorea, Singapur oder Australien. Hier könnte wiederum das Verhalten Chinas eine Ursache sein – weil chinesische Unternehmen aufgrund der deutlich höheren US-Zölle ihre Waren teils nicht mehr in die USA exportieren können, weichen sie verstärkt auch auf Märkte in Asien und Ozeanien aus.
Europa stützt deutsche Exporte
Den Gegenpol zu diesen negativen Trends setzte zuletzt vornehmlich Europa. Zwar legten die deutschen Exporte in die meisten europäischen Länder prozentual nur einstellig zu, aufgrund der großen Bedeutung dieser Handelspartner waren die kumulierten Wachstumsbeiträge jedoch groß: Allein die im ersten bis dritten Quartal 2025 gestiegenen Warenausfuhren nach Polen, Spanien und in die Schweiz steuerten insgesamt fast 1 Prozentpunkt zum deutschen Exportwachstum bei. Und die Zuwächse in sieben Länder Europas reichten nahezu aus, um den negativen Beitrag der USA und Chinas wettzumachen. Insgesamt stand am Ende aber eben nur ein geringes Wachstum der nominalen deutschen Warenexporte zu Buche. In realer Rechnung verringerten sich die Warenausfuhren im ersten bis dritten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar um 1,4 Prozent.
Die Politik in Deutschland muss passgenau handeln, um den Export zu stärken. Um die deutsche Exportperformance zu verbessern, muss die Politik handeln – passend zur jeweiligen Zielregion:
USA. Die EU muss darauf drängen, dass die USA die für die hiesige Wirtschaft fatalen Zölle im Stahl- und Aluminiumsegment senkt. Das wird allerdings dadurch erschwert, dass Trump immer wieder mit neuen Zöllen droht – wie jüngst im Streit um Grönland – und somit den Handelskonflikt anheizt.
China. Da die Volksrepublik von sich aus kaum ihren wettbewerbsverzerrenden Kurs aufgeben wird, sollte die EU ihrerseits verstärkt zu Handelsschutzinstrumenten wie Ausgleichszöllen greifen, um wieder eine Konkurrenz auf Augenhöhe zu ermöglichen.
Asien und Lateinamerika. Um europäische Exporte in diese Regionen besser vor chinesischen Wettbewerbsverzerrungen zu schützen, sollte die EU stärker mit den dortigen Ländern kooperieren und neue Freihandelsverträge anstreben. Das Abkommen mit den Mercosurstaaten ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung (siehe “Mercosur-Freihandelsabkommen wäre ein großer Erfolg”). Daher ist alles dafür zu tun, dass das Abkommen schnell in Kraft treten kann.
Europa. Im Handel mit den europäischen Partnerländern schlummern weitere Potenziale. Um diese zu nutzen, gilt es zum einen, nach wie vor bestehende Barrieren im EU-Binnenmarkt abzubauen, etwa im Dienstleistungshandel. Zum anderen sollte die EU auf weitere Liberalisierungen im Handel mit wichtigen Drittstaaten wie dem Vereinigten Königreich oder der Schweiz abzielen.
Darüber hinaus muss die Bundesregierung mit Reformen wie einem Bürokratieabbau und niedrigeren Unternehmensteuersätzen die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland stärken.
Weitere Beiträge
Mehr aus dieser Kategorie
- Internationales Inkasso: Allianz Trade – Eintreiben unbezahlter Auslandsrechnungen in vielen Märkten über Monate oder Jahre
- Zölle Unternehmen: 96 Prozent der Zolllast an US-Käufer weitergereicht
- China Handel: EU-Leitlinien zu Preisverpflichtungen bei Elektroauto-Importen aus China
- Mercosur-Abkommen: Wegfallende Zölle sollen Marktzugang erleichtern
Stichwörter: EU Binnenmarkt, nachrichten
Kategorie: Export-Import
