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EU-Förderung: 60 Millionen Euro Garantie für Biodiversitätsfonds

April 3, 2026 8:40 pm Veröffentlicht von

EU Investitionsbank: über 60 Millionen Euro für Fonds von Sienna Investment Managers für Biodiversitätsfonds

Die Europäische Investitionsbank-Gruppe stärkt Biodiversitätsprojekte in Europa mit einer Garantie über 60 Millionen Euro für einen Fonds von Sienna Investment Managers. Konkret stellt der Europäische Investitionsfonds, der zur Europäischen Investitionsbank-Gruppe gehört, diese Garantie für den Sienna Biodiversity Private Credit Fund bereit.

Der Fonds soll Vorhaben fördern, die Biodiversität in Europa schützen und wiederherstellen. Die Garantie deckt bis zu 70 Prozent des Kreditrisikos kleiner und mittlerer Unternehmen ab und wird im Rahmen der InvestEU-Nachhaltigkeitsgarantie vergeben.

Dadurch soll Finanzierung vor allem für Biodiversitätsprojekte in frühen Entwicklungsphasen sowie für Vorhaben mit vergleichsweise schwachen Sicherheiten leichter verfügbar werden. Der Fonds soll neue Finanzierungen für europäische Unternehmen und Projekte ermöglichen, die sich in einem bislang unterfinanzierten Bereich engagieren.

Hintergrund sind Belastungen für die biologische Vielfalt durch Verschmutzung, intensive Landwirtschaft, Klimawandel, den Verbrauch natürlicher Ressourcen und invasive Arten. Über Wirkungsklauseln soll der Fortschritt der geförderten Projekte messbar werden. Zugleich verfolgt der Fonds das Ziel, zusätzliches privates Kapital für den Bereich Biodiversität zu gewinnen.

Nach Aussage von Ambroise Fayolle, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank, ist der Schutz und die Wiederherstellung der Biodiversität kein Randthema mehr, sondern ein wesentlicher Faktor für langfristiges Wirtschaftswachstum in Europa, Ernährungssicherheit und Anpassung an den Klimawandel.

Der Sienna Biodiversity Private Credit Fund solle dazu beitragen, mehr privates Kapital zu mobilisieren. Die Garantie zeige zudem, wie Finanzierung für Biodiversitätsprojekte gezielt ausgeweitet werden könne. Der Fonds ist nach der Offenlegungsverordnung für nachhaltige Finanzprodukte als Artikel-9-Fonds eingestuft und hat ein Zielvolumen von 200 Millionen Euro.

Bereits im vergangenen Jahr sagte die in Frankreich ansässige Malakoff Humanis Group dem Fonds eine erste Beteiligung von 100 Millionen Euro zu. Innerhalb von 36 Monaten soll der Fonds Projekte und Unternehmen unterstützen, die natürliches Kapital in Europa schützen, wiederherstellen und verbessern oder ihren ökologischen Fußabdruck deutlich verringern. Fabrice Rossary, stellvertretender Vorstandsvorsitzender für Private Debt bei Sienna Investment Managers, bezeichnete die Unterstützung des Europäischen Investitionsfonds als wichtige Chance für den Fonds. Sie bringe Vorteile beim Risikomanagement, bei der Fähigkeit zur Kapitalplatzierung und bei der Gewinnung von Investoren. Nach seinen Angaben wurden bereits mehrere vielversprechende Transaktionen identifiziert, bei denen die Garantie eingesetzt werden könne. Sienna Investment Managers will eigene Kreditrichtlinien, technologische Verfahren und Prüfprozesse einsetzen, damit jede Investition hohen Standards entspricht.

Die neue Garantie baut auf früheren Vereinbarungen zwischen dem Europäischen Investitionsfonds und Sienna Investment Managers auf. Marjut Falkstedt, Geschäftsführerin des Europäischen Investitionsfonds, sprach von einem Meilenstein, da es sich um den ersten garantierten Fonds mit ausdrücklichem Fokus auf Biodiversität handle. Damit werde das Instrumentarium im grünen Finanzierungsbereich erweitert. Zugleich betonte sie, dass der ökologische Wandel sowohl eine Frage des Überlebens als auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit sei und keinen Aufschub dulde.

Im Jahr 2025 erreichte die Finanzierung der Europäischen Investitionsbank-Gruppe für Landwirtschaft und Bioökonomie 7,7 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von 22 Prozent gegenüber 2024. Zur Europäischen Investitionsbank-Gruppe: Sie ist die Finanzierungsinstitution der Europäischen Union, gehört den 27 Mitgliedstaaten und zählt zu den größten multilateralen Entwicklungsbanken weltweit.

Finanzierungen und Beratungsleistungen im Umfang von 100 Milliarden Euro

Im Jahr 2025 unterzeichnete sie neue Finanzierungen und Beratungsleistungen im Umfang von 100 Milliarden Euro für mehr als 870 Projekte mit hoher Wirkung. Diese betreffen acht zentrale Prioritäten zur Unterstützung der Politikziele der Europäischen Union, darunter Klimaschutz und Umwelt, Digitalisierung und technologische Innovation, Sicherheit und Verteidigung, territorialer Zusammenhalt, Landwirtschaft und Bioökonomie, soziale Infrastruktur, starke globale Partnerschaften sowie die Spar- und Investitionsunion.

Privates Kapital für risikoreiche und innovative Projekte und Unternehmen

Neben langfristigen Darlehen für große Infrastrukturvorhaben mobilisiert die Gruppe auch privates Kapital für risikoreiche und innovative Projekte und Unternehmen. Der Europäische Investitionsfonds ist die Tochtergesellschaft der Gruppe für Beteiligungen, Garantien und Verbriefungen.

Sein Auftrag besteht darin, den Zugang zu Finanzierung für kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups in Europa zu verbessern.

Zum InvestEU-Programm

Es soll der Europäischen Union durch die Hebelung erheblicher öffentlicher und privater Mittel langfristige Finanzierung für eine nachhaltige Erholung sichern. Gleichzeitig soll es privates Kapital für strategische Prioritäten der Europäischen Union wie den europäischen Grünen Deal und den digitalen Wandel mobilisieren.

InvestEU bündelt die bisherigen Finanzierungsinstrumente der Europäischen Union für Investitionen unter einem gemeinsamen Dach und soll Finanzierung einfacher, effizienter und flexibler machen. Das Programm umfasst den InvestEU-Fonds, den InvestEU-Beratungsdienst und das InvestEU-Portal. Der InvestEU-Fonds wird über Durchführungspartner umgesetzt, die mithilfe einer Haushaltsgarantie der Europäischen Union in Höhe von 26,2 Milliarden Euro investieren. Diese Garantie soll Investitionsprojekte der Partner absichern, ihre Risikotragfähigkeit erhöhen und dadurch zusätzliche Investitionen von mindestens 372 Milliarden Euro auslösen.

Zu Sienna Investment Managers

Das Unternehmen ist ein Vermögensverwalter mit mehreren Fachbereichen und rund 110 Beschäftigten. Sienna Investment Managers entwickelt für seine Kunden individuelle und innovative Lösungen in börsennotierten und nicht börsennotierten Anlageklassen. Ende Dezember 2025 verwaltete die Gruppe nach eigenen Angaben rund 33 Milliarden Euro. Mehr als 90 Prozent davon entfielen auf Produkte nach Artikel 8 oder 9 der Offenlegungsverordnung für nachhaltige Finanzprodukte.

eib.org


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Redaktionelles: Was sagen Kritiker

Zur Rückzahlung. Es handelt sich nicht um eine direkte Auszahlung an alle Projekte, sondern um eine Garantie des Europäischen Investitionsfonds für den Sienna-Fonds. Der Fonds vergibt Finanzierungen an Unternehmen und Projekte. Diese Endempfänger müssen ihre Kredite grundsätzlich an den Fonds zurückzahlen. Fällt ein Teil dieser Finanzierungen aus, deckt die Garantie laut Artikel bis zu 70 Prozent des Kreditrisikos kleiner und mittlerer Unternehmen ab. Nach dem InvestEU-Rahmen handelt es sich bei solchen Garantien um eine partielle Risikoübernahme: Verluste werden nur bis zur vereinbarten Garantiedeckung übernommen, nicht unbegrenzt.

Ein zentraler Einwand lautet, dass Biodiversitätsfinanzierung oft schwer sauber zu messen ist: Es müsse nachweisbar sein, dass ein Projekt zusätzlichen ökologischen Nutzen schafft, der ohne die Förderung nicht entstanden wäre. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung warnt ausdrücklich, dass fehlende Additionalität die Wirksamkeit untergräbt und nur den Anschein eines Umweltgewinns erzeugen kann.

Ein zweiter Kritikpunkt betrifft Greenwashing- und Datenrisiken. Das Europäische Parlament verweist in seiner Auswertung zur Offenlegungsverordnung darauf, dass zwar mehr Transparenz erreicht werden soll, in der Praxis aber weiterhin Rechtsunklarheiten, Inkonsistenzen und Probleme mit der Datenqualität bestehen. Genau dort setzen Kritiker an: Wenn Kennzahlen, Vergleichbarkeit und Datengrundlage nicht robust genug sind, wird es schwierig, echte Wirkung von gutem Marketing zu trennen.

Ein dritter Punkt ist die wissenschaftliche und unabhängige Kontrolle. Fachliteratur in Nature weist darauf hin, dass junge Biodiversitätsmärkte nur glaubwürdig bleiben, wenn es klare Baselines, laufendes Monitoring und unabhängige Validierung gibt. Sonst drohen ungenaue Ausgangswerte, schwache Kontrolle oder Doppelzählungen. Genau deshalb ist bei diesem Fonds entscheidend, wie streng Sienna die Prüfungen tatsächlich umsetzt und wie transparent die späteren Wirkungsberichte ausfallen.

Der nüchterne Zwischenstand lautet also: Kontrollmechanismen sind angekündigt, aber im Artikel nicht im Detail offengelegt. Zurückgezahlt wird grundsätzlich von den finanzierten Unternehmen und Projekten an den Fonds; die Garantie springt nur bei Ausfällen innerhalb der vereinbarten Grenzen ein. Die eigentliche Angriffsfläche für Kritiker liegt weniger im Grundprinzip der Garantie als in der Frage, ob ökologische Wirkung, Additionalität und unabhängige Prüfung am Ende belastbar nachgewiesen werden.

Quellen:

nature.com/articles/s44185-024-00062-6,

europarl.europa.eu/

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