Exportförderung: Landwirtschaftsministerium und seine Agrarexportstrategie
Juni 8, 2026 9:03 pmBMLEH treibt Agrarexportstrategie mit Beteiligung der Wirtschaft voran
Förderung für Projekte im Bundesanzeiger veröffentlicht
Die Stärkung des Exports ist eines der wesentlichen Ziele des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) in dieser Legislaturperiode. Mit der im vergangenen Jahr vorgestellten Agrarexportstrategie hat Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer die Voraussetzungen dafür geschaffen, neue Märkte zu erschließen und Agrarexporte nachhaltig zu steigern. Verbände und Unternehmen können ab jetzt für eigene Projekte und Ideen eine Förderung erhalten. Die Projekte sollen dazu beitragen, der Bedeutung der Außenwirtschaft im Agrar- und Ernährungsbereich Sichtbarkeit zu verschaffen, die Umsetzung der Agrarexportstrategie zu unterstützen und neue Förderansätze im Rahmen des Agrarexportförderprogramms zu erproben. Es können zum Beispiel Studien, Marktanalysen, Marketingmaßnahmen und Veranstaltungen wie Seminare oder Fachkongresse bezuschusst werden.
Dazu sagt Bundesminister Alois Rainer: “Mit unserer Agrarexportstrategie wollen wir Unternehmen dabei unterstützen, neue Märkte für ihre hervorragenden Produkte zu erschließen. So stärken wir ihre Wettbewerbsfähigkeit und sichern Arbeitsplätze, gerade im ländlichen Raum. Wichtig ist mir: Nur gemeinsam mit der Wirtschaft können wir unsere Agrarexportstrategie erfolgreich umsetzen.
Ich freue mich daher auf die Ideen und Projekte von Verbänden und Unternehmen. Damit machen wir unsere Förderung noch effizienter und zielgerichteter und öffnen sie zugleich neuen Akteuren, Themen und Formaten.” Die Bekanntmachung der Förderung „Stärkung des Außenhandels zur Begleitung der Neuaufstellung des Agrarexportförderprogramms” wurde am Freitag im Bundesanzeiger veröffentlicht. Zuwendungsanträge und Ideenskizzen können bis zum 15. Juli 2026 eingereicht werden. Die eingereichten Vorhaben können mit einer Zuwendung in Höhe von maximal 50 Prozent gefördert werden. Jeder Antrag muss eine Ideenskizze, eine Vorhabenbeschreibung und einen Budgetplan enthalten. Die Auswahl der Zuwendungsempfänger erfolgt im Rahmen eines ergebnisoffenen, wettbewerblichen Bewertungsverfahrens. Die Ideenskizzen können per E-Mail beim BMLEH eingereicht werden.
Eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen zur Bekanntmachung finden Sie auf unserer Homepage.
Hintergrund: Die Agrar- und Ernährungswirtschaft zählt zu den leistungsstärksten Branchen in Deutschland. Die mittelständisch geprägte Branche ist regional verankert und insbesondere in unseren ländlichen Räumen von großer Bedeutung für Wohlstand und Stabilität. Die deutsche Landwirtschaft erzielt heute mit dem Verkauf außerhalb Deutschlands nahezu jeden vierten Euro, die Ernährungswirtschaft mehr als jeden dritten Euro. Bundesminister Alois Rainer hat im Dezember 2025 die Exportstrategie “Moderne Agrarexporte – Made in Germany” vorgestellt. Damit wurde ein wichtiges Vorhaben des Koalitionsvertrages umgesetzt. Auch Auslandsreisen von Bundesminister Rainer in Begleitung hochrangiger Wirtschaftsdelegationen wie zuletzt in die USA und nach Südafrika sollen dazu beitragen, Handelshemmnisse abzubauen und mit politischer Unterstützung die internationale Präsenz deutscher Unternehmen zu erhöhen. Dies sind auch Ziele für die in Kürze anstehende Reise nach Japan und China.

Redaktionelles: Wie ist der aktuelle Status unserer Böden?
Die Bodenqualität in Deutschland ist regional sehr unterschiedlich, aber fachlich gilt: Böden stehen deutlich unter Druck. Das Umweltbundesamt nennt als wichtige Probleme Versiegelung, Bodenverdichtung, Stickstoffüberschüsse und stellenweise Versauerung. Bei landwirtschaftlichen Böden kommen Erosion, Humusrisiken, intensive Bewirtschaftung und Klimafolgen hinzu.
Besonders kritisch: Nach Umweltbundesamt gehen in Deutschland jährlich im Mittel rund 25 Millionen Tonnen Boden durch Wassererosion verloren, davon der größte Teil von Ackerflächen. Verdichtung betrifft nach Expertenschätzungen etwa zehn bis 20 Prozent der Ackerfläche.Content
Die Bundesregierung beschreibt im Sechsten Bodenschutzbericht ebenfalls erheblichen Druck auf Böden durch Klimawandel, nicht nachhaltige Nutzung, Versiegelung, Degradation und Flächenkonkurrenz.
Die EU geht noch weiter: Nach Angaben der Europäischen Kommission sind 60 bis 70 Prozent der Böden in der Europäischen Union in keinem gesunden Zustand; deshalb wurde ein europäisches Bodenmonitoring auf den Weg gebracht. Das ist kein identischer Deutschlandwert, zeigt aber den politischen und fachlichen Rahmen, in dem Deutschland bewertet wird.
Kritiker sehen zusätzliche Produktion für neue Exportmärkte deshalb problematisch, wenn sie praktisch auf mehr Intensivierung hinausläuft.
Die Hauptargumente lauten: Mehr Ertrag kann mehr Druck auf Fruchtfolgen, Bodenleben, Humus, Wasserhaushalt und Biodiversität bedeuten; schwerere Maschinen erhöhen Verdichtungsrisiken; unbewachsene oder stark bearbeitete Flächen erhöhen Erosionsrisiken; mehr Düngung und Pflanzenschutz können Gewässer, Bodenorganismen und Artenvielfalt zusätzlich belasten. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass intensivere Bewirtschaftung die Artenzahl und Vorkommen von Bodenorganismen verringert und dadurch mehr Aufwand nötig wird, um Bodenfruchtbarkeit zu erhalten.
Umweltverbände argumentieren ähnlich. Der Naturschutzbund Deutschland warnt, intensive Bewirtschaftung gefährde Bodenfruchtbarkeit; der World Wide Fund For Nature fordert lebendige Böden als Grundlage für Landwirtschaft und Naturschutz statt einseitiger Produktionssteigerung. Die Zukunftskommission Landwirtschaft beschreibt den Umbau der Landwirtschaft als Aufgabe, bei der Produktion, Umwelt, Biodiversität, Klima, Tierwohl und wirtschaftliche Tragfähigkeit zusammengedacht werden müssen.
Auf die Agrarexportstrategie bezogen heißt das: Kritiker würden vermutlich nicht jeden Export ablehnen, aber eine reine Mengenlogik kritisieren. Förderfähig wären auch Studien, Marktanalysen, Marketingmaßnahmen und Veranstaltungen.
Genau hier läge ein möglicher Konflikt: Werden Exporte vor allem über zusätzliche Produktionsmengen gedacht, steigt der Druck auf Böden. Werden dagegen hochwertige Produkte, bessere Marktkenntnis, nachhaltigere Standards, Kreislaufwirtschaft, Humuserhalt und bodenschonende Produktion gefördert, lässt sich Exportpolitik eher mit Bodenschutz verbinden.
Quellen: Umweltbundesamt: „Boden“, Stand 20. Oktober 2025. Umweltbundesamt: „Bodenerosion durch Wasser“, Stand 2. Juni 2025. Umweltbundesamt: „Bodenbearbeitung“, Stand 16. Februar 2024. Umweltbundesamt: „Gefährdung der Biodiversität“, Stand 15. Februar 2024. Bundesumweltministerium: „Sechster Bodenschutzbericht der Bundesregierung“, 2025. Europäische Kommission: „Soil Monitoring Law“. Rat der Europäischen Union: „Council adopts new rules for healthier and more resilient European soils“, 29. September 2025. Naturschutzbund Deutschland: „Bodenschutz: Die Haut der Erde“. World Wide Fund For Nature Deutschland: „Lebendiger Boden für Landwirtschaft und Naturschutz“. Zukunftskommission Landwirtschaft: „Zukunft Landwirtschaft. Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“.
Wassermangel-Land
Deutschland ist insgesamt kein klassisches Wassermangel-Land, aber die Verfügbarkeit wird regional und saisonal unsicherer. Das Umweltbundesamt schreibt, dass Klimawandel, Landnutzungsänderungen, demografische Entwicklungen und verändertes Nutzungsverhalten die Wasserwirtschaft vor neue Herausforderungen stellen. Besonders wichtig ist Grundwasser, weil daraus rund 70 Prozent des Trinkwassers gewonnen werden. Neue Daten zur Grundwasserneubildung sollen deshalb zeigen, wo Entnahmen und Neubildung künftig auseinanderlaufen können.
Für Landwirtschaft und Agrarexporte ist nicht nur die absolute Wassermenge entscheidend, sondern der Zeitpunkt: Regen fällt nicht automatisch dann, wenn Pflanzen ihn brauchen. Das Umweltbundesamt warnt, dass der Klimawandel regional und saisonal zu Wasserknappheit führen kann. Trockenheit mindert Pflanzenwachstum, Erträge und Grundwasserneubildung; zugleich können Starkregenereignisse Wasser oberflächlich abfließen lassen, statt Böden und Grundwasser zu füllen.
Bodenwasser und Grundwasser
Aktuelle Fachquellen zeigen außerdem, dass Bodenwasser und Grundwasser eng zusammenhängen. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigt tagesaktuell den Dürrezustand von Oberboden und Gesamtboden; der Deutsche Wetterdienst stellt Karten zur Bodenfeuchte bereit. Solche Daten sind für Landwirtschaft relevant, weil trockene Oberböden kurzfristig Pflanzen stressen, während trockene tiefere Bodenschichten längerfristig die Wasserspeicherung schwächen.
Produktion für neue Exportmärkte
Kritiker sehen zusätzliche Produktion für neue Exportmärkte daher vor allem dann kritisch, wenn sie mehr Bewässerung, intensivere Nutzung oder weitere Belastung wasserarmer Regionen bedeutet. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland beschreibt im Wasseratlas 2025, Deutschland verliere seit der Jahrtausendwende rechnerisch jährlich erhebliche Wassermengen; die Heinrich-Böll-Stiftung verweist darauf, dass die Dürrejahre 2018 bis 2020 zeigten, dass auch Deutschland nicht vor Wasserknappheit sicher ist. Diese Quellen sind umweltpolitisch geprägt, aber sie zeigen die zentrale Kritik: Exportförderung darf nicht auf Kosten von Grundwasser, Bodenfeuchte und Gewässerqualität gehen.
Zusätzlich geht es nicht nur um Menge, sondern auch um Qualität. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Grundwasser in Deutschland teilweise zu hoch mit Nitrat belastet ist; eine Ursache ist stickstoffhaltige Düngung. Mehr Produktion kann diesen Konflikt verschärfen, wenn höhere Erträge über stärkeren Düngeeinsatz, intensivere Tierhaltung oder wasserbelastende Anbauformen erreicht werden.
Zusammenfassung: Wasser ist in Deutschland noch grundsätzlich verfügbar, aber die Sicherheit dieser Verfügbarkeit nimmt ab. Für neue Agrarexporte wäre deshalb entscheidend, ob sie über höhere Mengen und mehr Ressourcendruck laufen oder über bessere Vermarktung, höhere Wertschöpfung, Marktanalysen, Verarbeitung, Qualität und boden- sowie wasserschonende Produktion. Die Kritik richtet sich vor allem gegen eine reine Mengenstrategie, nicht zwingend gegen jeden Export.
Quellen: Umweltbundesamt: „Neue UBA-Daten zur Grundwasserneubildung in Deutschland“, 7. Mai 2026. Umweltbundesamt: „Nationale Wasserstrategie“, Stand 6. Mai 2026. Umweltbundesamt: „Trockenheit in Deutschland – Fragen und Antworten“, Stand 10. März 2026. Umweltbundesamt: „Auswirkung des Klimawandels auf die Wasserverfügbarkeit“, Stand 1. November 2024. Umweltbundesamt: „FAQs zu Nitrat im Grund- und Trinkwasser“, Stand 24. Februar 2026. Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung: „Dürremonitor Deutschland“. Deutscher Wetterdienst: „Bodenfeuchte Deutschlandkarte“. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland: „Wasseratlas 2025“. Heinrich-Böll-Stiftung: „Dürre“, 21. Januar 2025.
Zusätzliche Agrarexportförderung
Eine zusätzliche Agrarexportförderung ist nicht automatisch ungerechtfertigt, aber sie ist begründungspflichtig, weil Deutschland bereits sehr hohe Agrarfördermittel über die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union erhält. Für Deutschland stehen in der Förderperiode 2023 bis 2027 nach Angaben des Bundesministeriums rund 30 Milliarden Euro europäische Mittel im GAP-Strategieplan bereit; jährlich sind es nach Ministeriumsangaben etwa 6,2 Milliarden Euro. Direktzahlungen bilden dabei einen wesentlichen Teil der ersten Säule.
Der zentrale Unterschied: Die europäische Agrarförderung dient vor allem Einkommen, Flächenbewirtschaftung, Umweltleistungen, ländlicher Entwicklung und Marktstabilisierung. Das Agrarexportförderprogramm des Bundesministeriums zielt dagegen auf Marktvorbereitung, Markteinstieg und Marktpflege im Ausland; unterstützt werden laut Ministerium vor allem kleine und mittlere Unternehmen bei der Erschließung neuer Auslandsmärkte. Die aktuelle Förderung kann nach Förderdatenbank als Zuschuss von bis zu 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben erfolgen.
Argumente für die Förderung: Sie kann gerechtfertigt sein, wenn sie nicht einfach zusätzliche Produktionsmengen subventioniert, sondern Marktzugang, Marktanalysen, Messeauftritte, rechtliche Informationen, Exportwissen und Kooperationen ermöglicht. Gerade kleinere und mittlere Betriebe können Auslandsmärkte oft nicht allein erschließen. In diesem Sinn wäre die Förderung eher eine Außenwirtschafts- und Mittelstandsförderung als eine weitere klassische Agrarsubvention. Das Ministerium beschreibt das Programm ausdrücklich als Unterstützung bei Marktvorbereitung, Markteinstieg und Marktpflege.
Argumente gegen die Förderung: Kritiker können einwenden, dass der Agrarsektor bereits massiv öffentlich unterstützt wird und zusätzliche Exportförderung eine weitere Begünstigung darstellt, während Umwelt-, Boden-, Wasser- und Klimaprobleme ungelöst bleiben. Der Europäische Rechnungshof beschreibt die Gemeinsame Agrarpolitik als breites Subventionssystem für Ernährungssicherheit, Einkommen, ländliche Entwicklung und Umweltschutz; zugleich berichtete Reuters über Rechnungshof-Kritik an deutlichen Lücken zwischen Agrarförderanreizen und europäischen Klimazielen.
Besonders kritisch wird es, wenn Exportförderung praktisch zu mehr Intensivierung führt: mehr Produktion, mehr Wasserbedarf, mehr Düngung, mehr Flächendruck, mehr Tierhaltung oder mehr Transport. Dann stünde die Förderung im Konflikt mit Bodenschutz, Wasserverfügbarkeit und Klimazielen.
Auch politisch ist die Verteilung der Agrargelder umstritten: Der Rat der Europäischen Union verweist darauf, dass Direktzahlungen fairer verteilt werden sollen, unter anderem mit Anteilen für kleinere und mittlere Betriebe sowie junge Landwirte. Reuters berichtete zudem über Pläne, Agrarsubventionen künftig stärker zu begrenzen und gerechter zu verteilen.
Fazit: Gerechtfertigt ist die Förderung nur dann überzeugend, wenn sie klar begrenzt, transparent, wettbewerblich vergeben und an nachweisbaren Mehrwert gebunden wird. Dazu gehören vor allem kleine und mittlere Unternehmen, neue Marktinformationen, nachhaltige Exportstrategien, keine reine Mengensteigerung und keine Doppelzahlung für Leistungen, die bereits über europäische Agrarförderung finanziert werden. Ohne solche Bedingungen wirkt zusätzliche Exportförderung angreifbar, weil sie zu einem ohnehin stark geförderten Sektor noch weitere öffentliche Mittel hinzufügt.
Quellen: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: „GAP-Strategieplan für die Bundesrepublik Deutschland“. Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: „Direktzahlung“. Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: „Main features of the Common Agricultural Policy and implementation in Germany“. Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: „Exportförderprogramm für die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft“. Agrarexportförderung.de: „Agrarexportförderprogramm des BMEL“. Förderdatenbank des Bundes: „BMEL-Exportförderprogramm“. Europäischer Rechnungshof: „Agriculture and rural development“. Rat der Europäischen Union: „CAP funding rules 2023–2027“. Reuters: „Major gaps between EU farming incentives and Green Deal goals, ECA says“, 30. September 2024. Reuters: „EU wants farming subsidy cap in budget overhaul, draft shows“, 14. Juli 2025.
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Stichwörter: Exportförderung, nachrichten
Kategorie: Finanzen, Landwirtschaft, Politik