Finanzstabilität: Risiken aufgrund von Verflechtungen zwischen Banken und Nichtbank-Finanzintermediären
Februar 20, 2026 5:16 pmEZB und ESRB Bericht: Analyse von Finanzstabilitätsrisiken
Die Europäische Zentralbank (EZB) und der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) haben jüngst einen gemeinsamen Bericht veröffentlicht, der sich mit der Analyse von Finanzstabilitätsrisiken aufgrund von Verflechtungen zwischen Banken und Nichtbank-Finanzintermediären (NBFIs) beschäftigt („Financial stability risks from linkages between banks and the non-bank financial intermediation sector“). Dem Bericht zufolge gibt es zwischen Banken und dem NBFI-Sektor signifikante Verflechtungen. Diese stellen derzeit zwar kein akutes Risiko für die Finanzstabilität dar, doch ergeben sich daraus erhebliche Verwundbarkeiten, die bei ungünstigen Marktbedingungen Stress verstärken könnten. Darüber hinaus konzentrieren sich diese Verwundbarkeiten auf eine kleine Anzahl großer global systemrelevanter Banken (global systemically important banks – G-SIBs) im Euroraum.
Im Bericht werden drei maßgebliche Rollen herausgestellt, die Banken bei der Interaktion mit dem NBFI-Sektor einnehmen können und die sich gegenseitig beeinflussen. Dabei handelt es sich um das Liquiditätsmanagement, die Bereitstellung von Fremdkapital (Leverage) sowie Market-Making- Aktivitäten. Im Rahmen des Berichts wird untersucht, wie sich die Interaktionen zwischen den Banken und den NBFIs auf die Finanzstabilität in der EU auswirken können.
Ausgehend von den drei genannten Rollen können systemische Risiken eintreten. Dies ist vor allem über zwei Kanäle möglich:
Erstens könnte es für die Banken in Zeiten von Spannungen an den Märkten Probleme mit sich bringen, wenn Refinanzierungsmittel von NBFIs ausbleiben. Dies liegt in der Kurzfristigkeit solcher Refinanzierungsmittel, der Homogenität der als Refinanzierungsgeber fungierenden NBFIs und der begrenzten Möglichkeit zur Substitution dieser Mittel begründet. Ein negativer und systemischer Preisschock an den Märkten für Vermögenswerte könnte Anteilsscheinrückgaben und Marginzahlungen für Derivate und Repogeschäfte bei NBFIs auslösen. Dies könnte wiederum dazu führen, dass sich die Refinanzierungsmittel, die vom NBFI-Sektor an den Bankensektor fließen, deutlich verringern.
Zweitens werden die Banken dadurch, dass sie Kredite an fremdkapitalfinanzierte und damit gehebelte NBFIs vergeben, indirekt den Gefahren ausgesetzt, die mit den Handelsstrategien der NBFIs einhergehen. Hedgefonds und Wertpapierfirmen leihen sich über Repogeschäfte bei Banken Geld und nutzen diese Mittel für den kurzfristigen Handel. Diese Verflechtungen können die Anfälligkeit für Vermögenspreisschocks erhöhen und potenziell zu einer Auflösung von Handelspositionen und einem Notverkauf von Vermögenswerten führen. Eine solche Dynamik könnte Marktbewegungen verstärken und sowohl aufseiten der Banken als auch aufseiten der NBFIs Verluste verursachen. Vergeben Banken Kredite an gehebelte NBFIs, die in illiquide langfristige Vermögenswerte investieren, besteht die Gefahr, dass diese Kredite von Schocks, die besagte Vermögenswerte treffen, in Mitleidenschaft gezogen werden. Für die Banken könnte dies Forderungsverluste bedeuten.
Granulare Daten auf Transaktions- und Risikopositionsebene
Bericht liefert neue Erkenntnisse auf Basis granularer Daten auf Transaktions- und Risikopositionsebene. Solche Daten sind von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, die Verflechtungen zwischen Banken und dem NBFI-Sektor zu verstehen. Allerdings wird die Analyse durch Datenlücken und einen fragmentierten Datenzugang erschwert. So sind beispielsweise kaum Daten zu Risikopositionen außerhalb der EU und zu außerhalb der EU stattfindenden Transaktionen verfügbar, was die Erkennung von Risiken für den Finanzsektor der EU schwieriger macht. Ein verbesserter Informationsaustausch einschließlich eines zentralisierten Mechanismus für den Datenzugang und den Datenaustausch könnte einige dieser Hindernisse beseitigen.
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Stichwörter: Finanzstabilität, nachrichten