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Freihandelsabkommen EU – Indien: Remote-Aufgaben können leichter nach Indien wandern – Indien 1,5 Mrd. Einwohner – EU rund 450 Millionen

Februar 10, 2026 5:20 pm Veröffentlicht von

Indien mit 1,5 Milliarden Einwohner – Europäische Union rund 450 Millionen

Die Europäische Union und Indien haben ihre Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen abgeschlossen. Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, und der indische Premierminister Narendra Modi signierten das Abkommen Ende Januar.

Von der Leyen bezeichnete den Vertrag dabei als „die Mutter aller Deals“. Begründet wird diese Einordnung vor allem mit der Größe beider Partner: Indien hat nahezu 1,5 Milliarden Einwohner, die Europäische Union rund 450 Millionen.

Zusammen steht das für annähernd ein Viertel der Weltbevölkerung. Auch wirtschaftlich werden beide Seiten als Schwergewichte dargestellt. Gemeinsam tragen sie demnach fast ein Viertel zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt bei. Indiens Wirtschaft wachse seit vielen Jahren dynamisch; für das Jahr 2025 nennt der Artikel einen Zuwachs des indischen Bruttoinlandsprodukts von knapp 7 Prozent. Seit dem Jahr 2000 liege das durchschnittliche jährliche Wachstum demnach bei mehr als 6 Prozent.

Inhaltlich ist das Abkommen laut Artikel weniger umfassend als der kurz zuvor geschlossene Freihandelsvertrag mit den Mercosur-Staaten, weil der Agrarsektor im Vertrag mit Indien weitgehend ausgenommen sei. Dennoch soll der Handel deutlich erleichtert werden.

Die Europäische Union will ihr Zollregime für 99,5 Prozent der indischen Waren liberalisieren. Indien exportiere in die Europäische Union derzeit vor allem elektrische Maschinen und Geräte, organische Chemikalien, mechanische Apparate, pharmazeutische Erzeugnisse sowie Textilien. Für 2024 nennt der Artikel indische Warenlieferungen in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union im Wert von knapp 90 Milliarden Euro.

Indien wiederum soll laut Handelsvertrag Zölle und Abgaben auf 96,6 Prozent der Warenausfuhren aus der Europäischen Union streichen oder senken. Der Wert dieser Exporte wird für 2024 mit annähernd 49 Milliarden Euro angegeben. Zu den wichtigsten europäischen Exportgütern zählten Maschinen und Elektrogeräte, Flug- und Raumfahrzeuge sowie Medizintechnik und Chemikalien.

Ein zentraler Punkt betrifft den Automobilhandel: Wegen bislang sehr hoher indischer Zölle exportiere die Europäische Union nur vergleichsweise wenige Kraftfahrzeuge nach Indien; für 2024 nennt der Artikel einen Warenwert von 1,6 Milliarden Euro. Die Zölle auf Autos sollen schrittweise deutlich sinken, und zwar von 110 Prozent auf 10 Prozent. Diese Vorzugsbehandlung sei jedoch an ein jährliches Kontingent von 250.000 Fahrzeugen gebunden. Zusätzlich sollen die indischen Zölle auf Autoteile zehn Jahre nach Inkrafttreten des Abkommens vollständig wegfallen.

Beide Seiten gingen davon aus, dass das Abkommen noch vor Jahresende in Kraft treten könne; zuvor müssten jedoch die Mitgliedstaaten der Europäischen Union und das Europäische Parlament zustimmen.

https://www.iwd.de/

 


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Redaktionelles: Indien ist im Dienstleistungsbereich bereits heute ein relevanter Wettbewerber

Indien ist im Dienstleistungsbereich bereits heute ein relevanter Wettbewerber, besonders bei digital gut „handelbaren“ Leistungen wie Softwareentwicklung, Informations- und Kommunikationstechnologie-Dienstleistungen, Backoffice-Prozessen, Datenaufbereitung, Support und Teilen von Ingenieur- und Finanzdienstleistungen. Forschung zur „Dienstleistungs-Tradierbarkeit“ zeigt, dass Digitalisierung und Remote-Arbeit die grenzüberschreitende Verlagerung solcher Tätigkeiten erleichtern.

Ein wichtiger Treiber ist der Kostenabstand: In Deutschland liegen die Arbeitskosten im europäischen Vergleich hoch; zugleich ist das Einkommens- und Preisniveau in Indien deutlich niedriger, was häufig zu preislicher Attraktivität bei Remote-Aufträgen führt. Ob „vermehrt“ Aufträge nach Indien gehen, hängt jedoch nicht nur von Lebenshaltungskosten ab, sondern auch von Datenschutz und Datentransfers, Informationssicherheit, Haftung, Qualitäts- und Sprachanforderungen, Zeitzonen- und Koordinationskosten sowie dem Bedarf an Branchen- und Regulierungswissen.

In der Praxis werden daher oft hybride Modelle genutzt: Standardisierbare Teile werden ausgelagert, während kundennahes, haftungsintensives oder stark reguliertes Arbeiten eher in Europa bleibt. Zugleich deuten die EU-Indien-Zahlen zur Dienstleistungsbeziehung darauf hin, dass die Verflechtung bereits groß ist und weiter wachsen kann.

Quellen: Europäischer Rat (Infografik EU-Indien Handel, Dienstleistungen 2024), Europäische Kommission (EU-Handelsbeziehungen Indien), Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Dienstleistungs-Tradierbarkeit, Wertschöpfungsketten), Weltbank (Kaufkraftbereinigtes Bruttoinlandsprodukt pro Kopf; Informations- und Kommunikationstechnologie-Dienstleistungsexporte), Eurostat (Arbeitskosten 2024), Europäische Zentralbank (Baldwin: „Globotics“).

Welches Land profitiert mehr?

Welche Seite „mehr“ profitiert, lässt sich seriös nur nach Kriterien beantworten, weil das Abkommen sehr asymmetrische Ausgangslagen verändert: Indien hatte in mehreren Industriebereichen sehr hohe Zölle, die Europäische Union ist in vielen Segmenten bereits relativ offen. Daher entsteht der größte Zusatznutzen dort, wo bislang die größten Hürden lagen.

Für die Europäische Union spricht, dass Indien laut Europäischer Kommission Zölle auf 96,6 Prozent der Ausfuhren aus der Europäischen Union (nach Warenwert) streichen oder senken soll und die Einsparungen bei Zöllen für europäische Produkte auf bis zu vier Milliarden Euro pro Jahr beziffert werden; zudem erwartet die Kommission eine deutliche Ausweitung der Ausfuhren in den kommenden Jahren.

Besonders stark ist der Hebel im Automobilbereich, weil die bisherigen indischen Zölle sehr hoch waren und nun schrittweise sinken sollen, allerdings mit Mengenbegrenzung. Zusätzlich nennt die Kommission explizit verbesserten Marktzugang im Dienstleistungsbereich als Vorteil für europäische Anbieter.

Für Indien spricht, dass die Europäische Union ihrerseits Zölle für einen sehr großen Teil indischer Waren liberalisieren soll und dadurch vor allem arbeitsintensive Exportsektoren profitieren können. Das wird auch in der indischen Regierungs-Factsheet-Papierlage hervorgehoben, die für wichtige arbeitsintensive Bereiche umfangreiche Zollfreiheit beschreibt.

Im Dienstleistungsverkehr hat Indien zudem bereits heute ein nennenswertes Volumen und die Europäische Union weist für 2024 höhere Dienstleistungsimporte aus Indien als Exporte nach Indien aus; das bedeutet nicht automatisch „mehr Gewinn“, zeigt aber, dass Indien in diesem Feld schon stark positioniert ist.

Unterm Strich: Kurz- bis mittelfristig dürfte die Europäische Union relativ stark profitieren, weil der Zugang zu einem bislang vergleichsweise stark geschützten indischen Markt (Zölle, Kontingente, Zulassungs- und Marktzugangsregeln) für viele hochwertige Industrie- und ausgewählte Dienstleistungssegmente deutlich besser wird. Indien dürfte gleichzeitig in arbeitsintensiven Warenexporten und in Teilen der grenzüberschreitenden Dienstleistungen (Remote-fähige Tätigkeiten) spürbar profitieren, weil die Europäische Union weit öffnet und Indiens Kostenvorteile dort am stärksten wirken, wo Qualität, Datenschutz und Regulierung das zulassen.

Quellen: Europäische Kommission, „EU and India conclude landmark Free Trade Agreement“ (26. Januar 2026). Europäische Kommission, „Questions and answers on the EU-India Free Trade Agreement“ (26. Januar 2026). Europäische Kommission, „EU-India Free Trade Agreement: Chapter-by-Chapter Summary“ (Services-Daten, 2024). Institut der deutschen Wirtschaft, iwd, „Freihandelsabkommen mit Indien: Die Mutter aller Deals“ (09. Februar 2026). Ministry of Commerce and Industry, Government of India, „Factsheet on India EU trade deal“ (27. Januar 2026, PDF). Reuters, „Details of EU-India trade deal – tariffs, quotas and market access“ (27. Januar 2026).

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