Normen, Glasfaserausbau: Installationen schneller, einfacher und günstiger
Februar 9, 2026 7:10 pmNeue VDE Leitlinie macht Glasfaserausbau in Gebäuden billiger, schneller und einfacher
Bei rund 24 Millionen Haushalten in Deutschland sind Glasfaserleitungen bis an die Grundstücksgrenze verlegt, tatsächlich angeschlossen sind aber erst rund 13 Millionen. Der Grund: Der Glasfaserausbau in Gebäuden war bislang nicht ausreichend definiert. Die neue VDE Leitlinie 0800-730 schafft nun eine technische Grundlage, die noch dazu den Ausbau vereinfacht, beschleunigt und Kosten einspart – sogar bevor der EU Gigabit Infrastructure Act (GIA) in Deutschland in bundesrechtliche Vorgaben überführt ist. Die Datenübertragung via Glasfaser ist um ein Vielfaches schneller, wesentlich stabiler und energieeffizienter als die Übertragung per Kupferkabel. Zudem gibt es kaum Latenzen, also Verzögerungen bei der Übertragung.
Damit wird der Glasfaserausbau zum Schlüssel für alle Zukunftsanwendungen im Bereich Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Thomas Sentko, Normungsmanager Breitband, Glasfaser- & Steckverbinder-Technologie im VDE, erklärt: „Deutschland will mittelfristig die Internetversorgung per Kupferkabel durch Glasfaser ersetzen. Derzeit werden laut Bundesverband Breitbandkommunikation e.V. aber nur rund 7 Millionen Glasfaseranschlüsse aktiv genutzt, das ist viel zu wenig. Deshalb haben sich die Marktteilnehmenden auf die neue VDE Leitlinie 0800-730 zur Installation in Gebäuden verständigt, um Sicherheit zu schaffen und den Ausbau zu beschleunigen.“ Die Leitlinie beschreibt die Umsetzung der Anforderungen aus dem EU GIA, die derzeit in bundesrechtliche Vorgaben überführt werden.
Neue Leitlinie zum Glasfaserausbau in Gebäuden vereinfacht das Bauen
Bislang waren Glasfasern in der Muster-Richtlinie über brandschutzrechtliche Anforderungen an Leitungsanlagen (MLAR) so zu behandeln, als ob sie wie elektrische Kabel eine intrinsische Brandgefahr bergen. Aufgrund dieser technisch falschen Festlegung war eine Installation in Fluchtwegen nur mit einem Brandschutzkanal erlaubt, eine teure und aufwändige Lösung. Alternativ wurden Steigebereiche genutzt, was bei weitem nicht in allen Gebäuden möglich ist. Bei der Arbeit an der VDE Leitlinie 0800-730 im DKE Arbeitskreis DKE/AK 412.6.7 wurde unter anderem dieses Problem identifiziert und in die laufende Überarbeitung der MLAR eingespeist. Die neue MLAR-Version wird festhalten, dass Glasfasern mit Gebäudeklassifikation in einem Metallkanal oder als Klebefasern in Fluchtwegen verlegt werden können. „Da die MLAR hochkomplex ist, war unser Anspruch bei der Erarbeitung der Leitlinie, die technischen Anforderungen praxisnah und verständlich darzulegen“, so Sentko. „Somit können Glasfasern künftig einfach, kostengünstig und zeitsparend verlegt werden.“ An der Entwicklung der Leitlinie waren über 30 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Netzbetrieb, Planung und Installation sowie verschiedene Gutachter beteiligt, um die Thematik umfassend zu behandeln.
Glasfaserausbau konsequent vorantreiben
Seit 2019 hat die DKE Qualitätsstandards für Glasfasern erarbeitet, da es bis zu diesem Zeitpunkt nur unzureichende normative Grundlagen gab. Das Ergebnis war die VDE Leitlinie 0800-720, die verbindliche Qualitätskriterien definiert und dafür sorgt, dass Installationen zuverlässig sind und eine hohe Lebensdauer aufweisen. Auch mit den VDE Leitlinien zur Qualifikation von Infrastrukturfachkräften in der Initiative Gremienverbund Breitband (IGVB.net) hat die Normungswelt praxisnahe Grundlagen geschaffen, um den Glasfaserausbau konsequent voranzutreiben und zu beschleunigen.

Redaktionelles: Studienlage zum volkswirtschaftlichen Effekt von Glasfaser gegenüber verzögertem Ausbau mit kupferbasierten Netzen
Eine einzelne, allgemein anerkannte Euro-Zahl für den „Schaden, weil Kupfer statt Glasfaser“ ist selten, weil Studien meist Szenarien modellieren und den entgangenen Nutzen eines schnelleren Glasfaserausbaus als Wachstumspotenzial ausweisen. Für Deutschland schätzt eine Studie von DIW Econ im Auftrag des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten ein zusätzliches Wachstumspotenzial von insgesamt 773 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung für den Zeitraum 2023 bis 2030 bei beschleunigtem Glasfaserausbau.
Als wissenschaftlicher Referenzpunkt gilt zudem die empirische OECD-Panelanalyse von Czernich, Falck, Kretschmer und Woessmann, die für OECD-Länder (1996 bis 2007) zeigt, dass eine um 10 Prozentpunkte höhere Breitbandpenetration mit einem Plus von etwa 0,9 bis 1,5 Prozentpunkten beim jährlichen Pro-Kopf-Wachstum verbunden ist. International zeigen aktuelle OECD-Breitbandzahlen, dass der Glasfaseranteil an allen Festnetz-Breitbandanschlüssen im OECD-Durchschnitt bis Ende 2024 bei 47 Prozent lag; in mehreren OECD-Staaten überschritt der Glasfaseranteil 80 Prozent, darunter Island, Korea, Spanien, Finnland und Litauen.
Quellen: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, „Fibre and 5G drive OECD digital transformation as broadband markets mature“, 30.10.2025; DIW Econ GmbH (im Auftrag Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten und Initiative Pro Glasfaser), „Die Wachstumspotentiale des beschleunigten Glasfaserausbaus“, Stand 23.05.2023; Czernich, Falck, Kretschmer, Woessmann, „Broadband Infrastructure and Economic Growth“, 2009 (Working Paper) und Veröffentlichung im Economic Journal; Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, „Modellanalyse zur Abschaltung des Kupfernetzes und zur Kupfer-Glas-Migration“; Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, „Die Kupfernetzabschaltung in Europa“; Bundesnetzagentur, „Regulierungskonzept zur Kupfer-Glas-Migration“, 19.01.2026.
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Stichwörter: Glasfaserausbau, nachrichten, Normen
Kategorie: Digitalministerium, IT-Technologie