Glasfaserausbau: BREKO Statement zum Jahresbericht Telekommunikation 2025 der Bundesnetzagentur – Kupfer bleibt Bremsklotz auf letzter Meile
Juni 9, 2026 8:19 amBREKO Statement zum Jahresbericht Telekommunikation 2025 der Bundesnetzagentur
(Bonn) – Die Bundesnetzagentur hat heute ihren Jahresbericht Telekommunikation 2025 vorgelegt. Dazu sagt Lisia Mix-Bieber, Leiterin Bundes- und Europapolitik beim Bundesverband Breitbandkommunikation e.V. (BREKO):
„Die Zahlen der Bundesnetzagentur zum Glasfaserausbau bis Ende 2025 suggerieren einen ungebremsten Ausbauboom. Dieses Bild entspricht jedoch nicht der aktuellen Realität einer angespannten Marktlage aufgrund hoher Finanzierungs- und Baukosten, eines aggressiven Verdrängungswettbewerbs durch die Deutsche Telekom sowie mangelnder Investitions- und Planungssicherheit für den weiteren Ausbau.
Ein erstes Anzeichen der kritischen Lage im Glasfaserausbau: Laut Bundesnetzagentur sind die Investitionen der Wettbewerber in Telekommunikationsinfrastrukturen 2025 erstmals seit 10 Jahren nicht weiter gestiegen.
Allerdings bleibt der Anteil der Telekom bei den tatsächlich ans Glasfasernetz angeschlossenen und aktivierten Haushalten deutlich unter dem Niveau ihrer Wettbewerber. Sollten die Investitionen der Wettbewerber in Zukunft sogar merklich zurückgehen, wird die Telekom die entstehende Lücke also nicht füllen können. Gleichzeitig zeigt das Wachstum beim genutzten Datenvolumen von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wieder einmal, dass ein zügiger Glasfaserausbau dringend notwendig bleibt. Deshalb sind nun Politik und Regulierung gefragt, für Planbarkeit und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen zu sorgen, damit die Unternehmen auch in den kommenden Jahren im bisherigen Tempo Glasfasernetze bauen können. Im Mobilfunkbereich zeigt der gleichbleibend dominante Marktanteil der Netzbetreiber von 82 Prozent, dass immer noch kein fairer Wettbewerb möglich ist und Diensteanbieter ohne eigenes Netz weiterhin benachteiligt werden..“

Redaktionelles: Kupfer bleibt Bremsklotz auf letzter Meile – Glasfaseranschluss wirft Kostenfragen auf
Der Glasfaserausbau kommt voran, doch das alte Kupfernetz ist in Deutschland noch lange nicht abgelöst. Die Bundesnetzagentur spricht inzwischen ausdrücklich von einer „Kupfer-Glas-Migration“ und arbeitet an Regeln für den Übergang von DSL- und VDSL-Anschlüssen zu Glasfaser. Eine flächendeckende Lösung des Problems der letzten Meile gibt es damit noch nicht. Kupfernetze sollen nach dem Regulierungskonzept erst abgeschaltet werden, wenn in einem Gebiet objektive Voraussetzungen erfüllt sind und eine leistungsfähige Alternative verfügbar ist.
Der Jahresbericht Telekommunikation 2025 zeigt, warum der Umstieg noch nicht abgeschlossen ist. Ende 2025 lag der Anteil aktiver Glasfaseranschlüsse an allen aktiven Festnetz-Breitbandanschlüssen bei 16,5 Prozent. DSL bleibt damit trotz Rückgang weiter ein zentraler Anschlussweg. Die Bundesnetzagentur meldet zwar steigende Glasfaserzahlen, doch zwischen verfügbarer Infrastruktur und tatsächlich genutztem Anschluss besteht weiterhin eine deutliche Lücke.
Für Haushalte, Eigentümer und Mieter bleibt die Kostenfrage entscheidend. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Anschlussvertrag und Nutzungsvertrag beim Glasfaserausbau getrennt zu betrachten sind. Wer während einer Ausbauphase einen passenden Vertrag abschließt, erhält den Anschluss häufig günstiger oder ohne gesondertes Bauentgelt; ein späterer Anschluss kann nach Angaben der Bundesnetzagentur dagegen mit höheren Kosten oder Verzögerungen verbunden sein.
In Mehrfamilienhäusern kann zusätzlich die gebäudeinterne Glasfaserverkabelung eine Rolle spielen. Das Telekommunikationsgesetz erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen ein Glasfaserbereitstellungsentgelt. Dieses darf höchstens 60 Euro pro Jahr und insgesamt höchstens 540 Euro je Wohneinheit betragen. Auch die Bundesnetzagentur nennt diese Grenzen im Zusammenhang mit der Neuregelung des Nebenkostenprivilegs.
Damit bleibt die politische und wirtschaftliche Kernfrage offen: Glasfaser kann Kupfer technisch ersetzen, aber der praktische Übergang hängt von Ausbauzustand, Gebäudeanschluss, Vertragsmodell und Kostenverteilung ab. Für Verbraucher und Unternehmen zählt deshalb nicht nur, ob Glasfaser in der Straße liegt, sondern ob der Anschluss wirklich bis ins Haus oder bis in die Wohnung führt.
Quellen: Bundesnetzagentur: Kupfer-Glas-Migration; Bundesnetzagentur: Regulierungskonzept zur Kupfer-Glas-Migration; Bundesnetzagentur: Jahresbericht Telekommunikation 2025; Bundesnetzagentur: Glasfaser statt Kupfer; Verbraucherzentrale: Glasfaseranschluss, Abläufe und Verträge; Verbraucherzentrale: Häufige Fragen und Antworten zum Glasfaseranschluss; Telekommunikationsgesetz § 72; Bundesnetzagentur: Neuregelung Nebenkostenprivileg.
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Kategorie: IT-Technologie, Politik, Ratgeber