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Hormus, Welthandel: Hormus-Schließung verursacht massiven Angebotsschock und bedroht Ernährungssysteme

März 24, 2026 9:21 pm Veröffentlicht von

Transport von rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls und ein Viertel des Flüssigerdgases

Die Sperrung der Straße von Hormus, einer nur 21 Seemeilen breiten Meerenge, durch die rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls und ein Viertel des Flüssigerdgases transportiert wird, führt zu einem erheblichen Angebotsschock. Nach einer neuen Analyse und den Darstellungen einer interaktiven Website des Kiel Instituts reichen die Folgen deutlich über den Energiesektor hinaus. Betroffen sind auch Chemikalien, Düngemittel und schließlich globale Ernährungssysteme. Besonders schwer treffen die Auswirkungen Entwicklungsländer.

Julian Hinz, Leiter der Forschungsgruppe Handelspolitik am Kiel Institut, beschreibt vor allem die Kettenreaktion als entscheidend. Ein Schock bei Energie führe rasch zu Problemen bei Düngemitteln und könne in Ländern, die auf allen Stufen auf Importe angewiesen sind, in eine Ernährungskrise münden.

Auslöser der Schließung ist die Zuspitzung des Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und Iran. Der Tankerverkehr durch die Meerenge fällt dadurch binnen weniger Tage von etwa 40 täglichen Passagen auf fast null. Bisher richtet sich der Blick vor allem auf Öl und Gas. Tatsächlich ist die Bedeutung der Golfregion für den Welthandel jedoch deutlich breiter. Eine kleine Zahl von Ländern, die mit der Meerenge verbunden sind, prägt die Ausfuhr zahlreicher kritischer Güter. Dazu zählen Petrochemikalien, Düngemittel, Metalle und Agrarprodukte, die kurzfristig vielfach nicht einfach ersetzt werden können.

Weltweite Abhängigkeiten online

Um diese weltweiten Abhängigkeiten sichtbar zu machen, stellt das Kiel Institut eine neue interaktive Website bereit. Sie verdeutlicht, wie stark viele Staaten von diesen Produkten abhängen. Gerade diese breitere Abhängigkeit ist entscheidend, um die Wucht des Schocks einzuordnen. Derivate von Kohlenwasserstoffen, Methanol und Harnstoffdünger, die für Landwirtschaft und Industrie zentrale Vorleistungen darstellen, sind stark in der Golfregion konzentriert. Hinzu kommen energieintensive Metalle wie Aluminium und Stahl sowie Agrarprodukte aus der Region, die die Rolle des Golfs in internationalen Lieferketten zusätzlich absichern. In vielen Bereichen ist diese Abhängigkeit in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht kleiner, sondern größer geworden.

Nach Einschätzung der Analyse erfassen gängige Handelsmodelle die tatsächlichen Folgen nur unzureichend, weil sie die Ausbreitung solcher Störungen in eng vernetzten Systemen nicht vollständig abbilden. Wenn Energieflüsse zurückgehen, leidet die chemische Produktion. Das verringert die Verfügbarkeit von Düngemitteln und erhöht in der Folge die Nahrungsmittelpreise. Dieser Engpass-Effekt verstärkt den Druck vor allem in Staaten, die auf importierte Vorleistungen angewiesen sind. Besonders betroffen sind Südasien, Subsahara-Afrika und Teile des Nahen Ostens.

Für den Fall einer kurzfristigen vollständigen Sperrung der Straße von Hormus rechnet die Analyse in Sri Lanka, Pakistan und Indien mit einem Anstieg der Nahrungsmittelpreise um etwa 10 bis 15 Prozent, wobei auch stärkere Preissteigerungen möglich sind. Die Wohlfahrtsverluste in diesen drei Ländern werden auf minus 3,5 bis minus 1,8 Prozent geschätzt. Allgemein fallen die Verluste in diesen Regionen demnach zehn- bis zwanzigmal höher aus als in klassischen Industrienationen. Eine Ausnahme bilden erdölexportierende Staaten. In der Europäischen Union liegen die Wohlfahrtsverluste laut Analyse nur zwischen minus 0,76 und minus 0,36 Prozent. In den Vereinigten Staaten werden sie sogar nur auf minus 0,16 bis minus 0,04 Prozent beziffert.

Verschärft wird die Lage durch den Zeitpunkt der Störung. März und April gelten auf der Nordhalbkugel als besonders wichtige Monate für die Ausbringung von Düngemitteln in der Pflanzsaison. Zwar können sich Märkte mit der Zeit teilweise anpassen, doch dauerhafte Schäden in Lieferketten und landwirtschaftlicher Produktion könnten bestehen bleiben.

Die Ergebnisse sprechen nach Einschätzung des Kiel Instituts für abgestimmtes politisches Handeln. Die Lage in Hormus stellt nicht nur einen Energieschock dar, sondern auch eine Krise für Industrieproduktion und Ernährungssicherheit. Strategische Düngemittelreserven in importabhängigen Staaten sowie stärkere internationale Mechanismen für eine schnelle Bereitstellung von Düngemitteln und Nahrungsmittelhilfe könnten künftige Schocks abmildern. Langfristig gilt jedoch vor allem die Verringerung der Abhängigkeit von Energie aus der Golfregion und von energieintensiven Importen als wirksamste Antwort. Dazu gehören Diversifizierung, Investitionen in erneuerbare Energien und höhere Effizienz.

Hinz betont, dass nicht der globale Durchschnitt entscheidend sei, sondern die Frage, wer die schwersten Lasten trage. Was weltweit noch begrenzt erscheinen mag, kann für die ärmsten Länder rasch zu einer schweren Ernährungskrise werden.

kielinstitut.de

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