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Konjunktur: schwache Konjunkturerholung, hohe Energiepreise, sinkende Wettbewerbsfähigkeit

April 1, 2026 6:55 pm Veröffentlicht von

Führende Wirtschaftsforschungsinstitute warnen

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sehen deutsche Konjunktur nach mehreren schwachen Jahren zwar in einer Phase der Erholung, rechnen für 2026 jedoch nur mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,6 Prozent und für 2027 um 0,9 Prozent. Nach ihrer Einschätzung belastet der Energiepreisschock infolge des Iran-Krieges den Aufschwung deutlich. Gleichzeitig stabilisiert die expansive Finanzpolitik die Binnenwirtschaft und verhindert einen stärkeren Rückgang. Für 2026 erwarten die Institute eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,8 Prozent, für 2027 von 2,9 Prozent. Die höhere Inflation bremst aus Sicht der Institute den privaten Konsum, während die expansive Finanzpolitik zugleich wirtschaftliche Impulse setzt. Vor allem die starke Ausweitung der Neuverschuldung für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz stärkt insbesondere Unternehmen aus Verteidigungsindustrie und Tiefbau. Insgesamt bleibt Entwicklung der Industrie dennoch verhalten, weil Auslandsgeschäfte wegen weiter sinkender Wettbewerbsfähigkeit, hoher geopolitischer Unsicherheit und anhaltender handelspolitischer Belastungen kaum wachsen.

Stillstand

Für die mittlere Frist gehen die Institute davon aus, dass das Wachstum des Produktionspotenzials in Deutschland vom aktuellen Niveau von 0,2 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts ganz zum Stillstand kommt. Als Gründe nennen sie neben dem demografisch bedingten Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter auch die sinkende Arbeitszeit pro Erwerbstätigem. Nach ihrer Einschätzung hängt das vor allem damit zusammen, dass ein immer größerer Teil der Arbeitsleistung von älteren Beschäftigten erbracht wird, die im Durchschnitt weniger Wochenarbeitszeit leisten. Diese strukturellen Entwicklungen werden am Arbeitsmarkt zusätzlich von konjunkturellen Einflüssen überlagert. Für 2026 erwarten die Institute einen leichten Rückgang der Erwerbstätigkeit um rund 100.000 Personen, für 2027 danach wieder einen Zuwachs um etwa 42.000 Personen. Die Arbeitslosenquote steigt 2026 auf 6,4 Prozent und sinkt im darauffolgenden Jahr auf 6,2 Prozent.

Defizit der öffentlichen Haushalte 2026 auf 3,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts

Nach Einschätzung der Institute führt die starke Neuverschuldung dazu, dass das Defizit der öffentlichen Haushalte 2026 auf 3,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und 2027 auf 4,2 Prozent steigt. Der Bruttoschuldenstand erhöht sich damit auf 67,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Den fiskalischen Impuls werten die Institute als wichtigen Treiber für Konjunktur. Zugleich verweisen sie auf langfristige Risiken für Stabilität der Staatsfinanzen und auf erheblichen Konsolidierungsbedarf gegen Ende des Jahrzehnts. Angesichts gestiegener Energiekosten sprechen sich die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute gegen staatliche Maßnahmen aus, die kurzfristig Energiepreise senken würden, weil dadurch wichtige Marktsignale außer Kraft gesetzt würden. Stattdessen befürworten sie gezielte soziale Ausgleichsmaßnahmen. Nach ihrer Auffassung braucht es eine Wachstumspolitik, die regulatorische Hemmnisse für private wirtschaftliche Aktivität abbaut, um vorhandene Potenziale besser zu nutzen. Dafür sollten sowohl Arbeitsanreize gestärkt als auch Voraussetzungen für Investitionen und Innovationen verbessert werden.

Die Gemeinschaftsdiagnose stammt vom Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, vom ifo Institut in München, vom Kiel Institut in Kiel, vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle und vom Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung in Essen.

www.kielinstitut.de

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