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Lieferkette Risiko: Zoll- und Mehrwertsteuerbetrug – Hohe Mrd. – Gewinne bei geringem Risiko

März 2, 2026 3:39 pm Veröffentlicht von

Kriminelle Geschäftsmodelle expandieren

Zoll- und Mehrwertsteuerbetrug verändern das kriminelle Ökosystem in der Europäischen Union. Die Europäische Staatsanwaltschaft (European Public Prosecutor’s Office, EPPO) beziffert den damit verbundenen, aufgedeckten Schaden auf 45 Milliarden Euro und beschreibt damit ein kriminelles Geschäftsmodell, das ihrer Darstellung nach zu lange ignoriert oder toleriert worden sei. Zum Ende des Jahres 2025 ermittelte die EPPO in 3.602 Fällen.

Das entspricht einem Plus von 35 Prozent gegenüber 2024. Der insgesamt geschätzte Schaden für die Haushalte der Europäischen Union und der Mitgliedstaaten lag bei 67,27 Milliarden Euro und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr (24,8 Milliarden Euro) nahezu verdreifacht. Mehr als zwei Drittel dieses Schadens, konkret 45,01 Milliarden Euro, führt die EPPO auf Betrug zulasten der Einnahmequellen der Europäischen Union zurück, insbesondere auf Mehrwertsteuer- und Zollbetrug. Im Jahr 2025 eröffnete die EPPO 2.030 neue Fälle, ebenfalls 35 Prozent mehr als 2024.

Subventionen & Beihilfen & Aufbau- und Resilienzfazilität NextGenerationEU

Zwar entfielen 68 Prozent der laufenden Ermittlungen (2.450 Fälle) auf Ausgabenbetrug im Zusammenhang mit Europäischen Fonds, Subventionen oder Beihilfen, diese machten jedoch nur 27 Prozent des geschätzten Gesamtschadens aus (18,67 Milliarden Euro). Zusätzlich nennt die EPPO 512 aktive Fälle mit Bezug zur Aufbau- und Resilienzfazilität (Recovery and Resilience Facility), dem zentralen Instrument von NextGenerationEU. Gegenüber 2024 habe es hier einen starken Anstieg gegeben (66,7 Prozent). Mit Blick auf die bis Dezember 2026 erwarteten hohen Auszahlungsvolumina sieht die EPPO weiterhin ein hohes Risiko für Betrug und Korruption.

Für die gerichtliche Tätigkeit im Jahr 2025 berichtet die EPPO von einer Verurteilungsquote von nahe 95 Prozent. Es wurden 275 Anklagen eingereicht, 34 Prozent mehr als 2024, und die EPPO bringt damit nach eigener Darstellung zunehmend mehr Tatverdächtige wegen Betrugs zulasten der Europäischen Union vor nationale Gerichte. Gerichte ordneten in EPPO-Verfahren zudem Vermögenssicherungen per Einfrieranordnungen in Höhe von 1,13 Milliarden Euro an; tatsächlich eingefrorene Vermögenswerte beliefen sich im Jahr auf 288,93 Millionen Euro.

Außerdem erhielt und bearbeitete die EPPO 6.966 Hinweise und Beschwerden zu Straftaten, ein Zuwachs um 6 Prozent. Treiber waren vor allem Meldungen von Privatpersonen (4.629) sowie von nationalen Behörden (2.107). Meldungen von Organen, Einrichtungen, Ämtern und Agenturen der Europäischen Union lagen dagegen bei 143 und werden als niedrig bezeichnet. Dies wertet die EPPO als Zeichen dafür, dass die Betrugserkennung zunimmt und Bekanntheit sowie Vertrauen in die Arbeit der EPPO weiter wachsen.

Hohe Gewinne bei geringem Risiko

In ihren Ermittlungen zeichnet die EPPO zudem ein Bild organisierter Kriminalität, das sich verschiebt. Kriminelle Unternehmen im Bereich Mehrwertsteuer- und Zollbetrug erzielten demnach sehr hohe Gewinne bei vergleichsweise geringem Risiko. Das erkläre, warum klassische Delikte rund um illegale Waren wie Fälschungen, Drogen oder Waffen sowie die Ausbeutung verletzlicher Menschen, etwa durch Arbeitsausbeutung, Prostitution oder Menschenhandel, zunehmend mit Betrug bei legalen Waren kombiniert oder teils sogar durch solche Delikte ersetzt würden.

Diese Vorgehensweisen verursachten massiven Schaden für die finanziellen Interessen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten und seien aus rein nationaler Perspektive schwer zu erkennen. Die EPPO berichtet außerdem von einem zuletzt beobachteten „alarmierend“ hohen Ausmaß an Betrug, der von groß angelegten organisierten Gruppen gesteuert werde und sich auf Import und Verkauf von Waren aus Nicht-Europäischen-Union-Ländern beziehe; dabei sieht die EPPO einen starken Einfluss chinesischer krimineller Netzwerke.

Zum Stichtag 31. Dezember 2025 fasst die EPPO zentrale Kennzahlen zusammen: 3.602 aktive Ermittlungen mit geschätztem Schaden von 67,27 Milliarden Euro; 6.966 bearbeitete Hinweise; 2.030 neu eröffnete Ermittlungen mit geschätztem Schaden von 48,7 Milliarden Euro; 275 eingereichte Anklagen mit 1.438 angeklagten Personen; Einfrieranordnungen über 1,13 Milliarden Euro und eingefrorene Vermögenswerte im Wert von 288,93 Millionen Euro. Zudem seien 27 Prozent der aktiven Ermittlungen (981) Einnahmenbetrugsfälle (Mehrwertsteuer und Zoll), die jedoch 67 Prozent des Gesamtschadens ausmachten (45,01 Milliarden Euro).

Ausgabenbetrugsfälle machten 68 Prozent (2.450) der Ermittlungen aus, mit geschätztem Schaden von 18,67 Milliarden Euro. Für Rückforderungen im Europäischen Unionshaushalt wurden der Europäischen Kommission und Organen, Einrichtungen, Ämtern und Agenturen der Europäischen Union in Ausgabenbetrugsfällen 171,3 Millionen Euro gemeldet; in Einnahmenbetrugsfällen 1,19 Milliarden Euro.

https://www.eppo.europa.eu/

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