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Naturschutz: mehr Naturschutz in Gesetze, Folgenabschätzungen und Verwaltung

Juni 5, 2026 4:09 pm Veröffentlicht von

Mehr Naturschutz in Gesetze, Folgenabschätzungen und Verwaltung

Fachleute fordern, ökologische Nachhaltigkeit stärker ins Zentrum der EU-Politik zu stellen. Die Europäische Gruppe für Ethik in Wissenschaft und neuen Technologien hat die Stellungnahme „Valuing Nature: Implications for EU Governance“ verabschiedet. Veröffentlicht wurde sie über den Ethics Advice Mechanism, der der Europäischen Kommission und anderen europäischen Institutionen unabhängige ethische Beratung und politische Empfehlungen gibt. Die Stellungnahme befasst sich damit, wie politische Verpflichtungen der Europäischen Union gegenüber der Natur konsequenter in Entscheidungsprozesse übersetzt werden können. Dabei geht es besonders um ökologische Wechselwirkungen, den Verlust der biologischen Vielfalt, Klimainstabilität, systemische Risiken und ökologische Grenzen.

Die Fachleute der Europäischen Gruppe für Ethik betonen, dass menschliche Gesellschaften nicht von der Natur getrennt sind, sondern Teil jener ökologischen Systeme, von denen sie abhängen. Aus diesem Grund wird ökologische Nachhaltigkeit nicht als nachrangiges Ziel verstanden, sondern als Voraussetzung für Widerstandsfähigkeit, Wohlstand, Sicherheit und demokratische Legitimität Europas. Dies gilt besonders vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheit, wirtschaftlichen Drucks und industriellen Wettbewerbs.

Die Europäische Gruppe für Ethik empfiehlt den politischen Entscheidungsträgern, innerhalb der Europäischen Union ein rechtlich verankertes Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt zu schaffen. Außerdem sollen unterschiedliche Formen, Natur zu bewerten, ausdrücklich und einheitlich in politische Entscheidungen einfließen. Dazu zählen ökologische, ethische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Gesichtspunkte.

Wissenschaftlich festgestellte ökologische Grenzen und Risiken erheblicher Schäden sollen bei Bewertungen, Folgenabschätzungen und politischen Entscheidungen als verbindliche Einschränkungen berücksichtigt werden. Zugleich sollen institutionelle Mechanismen entwickelt und gestärkt werden, damit ökologische Belange, einschließlich der Auswirkungen auf nichtmenschliche Natur, angemessen in Verwaltungs- und Rechtsentscheidungen einbezogen werden.

Wirtschaftliche Bewertungen sollen nach Ansicht der Fachleute nur unter klaren ethischen und ökologischen Bedingungen eingesetzt werden. Solche Instrumente sollen Wohlbefinden, Widerstandsfähigkeit, ökologische Integrität und verschiedene Formen der Naturbewertung unterstützen. Zusätzlich empfiehlt die Stellungnahme, Forschung, verantwortungsvolle Innovation und institutionelles Lernen zum Wert der Natur und zur Steuerung menschlicher Auswirkungen auf die Natur zu stärken.

Weitere Empfehlungen betreffen gemeinsame Verantwortung, ökologisches Wissen und bürgerschaftliche Fähigkeiten zum Schutz der Natur. Beteiligung auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene soll frühzeitig, sinnvoll und folgenreich in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, wenn diese die Natur betreffen. Zudem soll die Europäische Union ihre internen Verpflichtungen zu Natur und Nachhaltigkeit besser mit ihrem außenpolitischen Handeln in Einklang bringen.

Die Stellungnahme erscheint im Rahmen des Ethics Advice Mechanism. Dieser Mechanismus stellt europäischen Institutionen unabhängige ethische Beratung und politische Empfehlungen zu Themen bereit, bei denen politische Entscheidungen mit Wissenschaft und Technologie zusammentreffen. Geleitet wird er von der Europäischen Gruppe für Ethik, einem unabhängigen, multidisziplinären Gremium, das von der Präsidentin der Europäischen Kommission ernannt wird.

Die Europäische Gruppe für Ethik berät zu politischen Vorhaben und Rechtsakten der Kommission, wenn ethische, gesellschaftliche und grundrechtliche Fragen mit Wissenschaft und neuen Technologien verbunden sind. Sie berichtet an die Präsidentin der Europäischen Kommission und an das Kollegium der Kommissare. Zuständig ist die Kommissarin für Start-ups, Forschung und Innovation. Das Gremium wurde 1991 von Jacques Delors eingerichtet und vereint elf führende Fachleute aus Europa und anderen Teilen der Welt, unter anderem aus Natur- und Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften, Philosophie, Ethik und Recht.

https://research-and-innovation.ec.europa.eu/

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