Postinfektiöse Erkrankungen: Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen soll mit 500 Millionen Euro über zehn Jahre klinische Studien stärken
Januar 30, 2026 8:32 pmBär: „Wir starten ein neues Kapitel in der Erforschung postinfektiöser Erkrankungen“
Bundesforschungsministerin ruft Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen aus
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär hat jüngst gemeinsam mit Partnern der Gesundheitsforschung die Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen ausgerufen. In den kommenden zehn Jahren sollen Ursachen und Grundmechanismen erforscht sowie neue Diagnose- und Therapieoptionen für Betroffene entwickelt werden. Die Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen wird vom Bundesforschungsministerium mit Fördermitteln in Höhe von insgesamt 500 Millionen Euro finanziert.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär: „Mit der Nationalen Dekade schlagen wir ein neues Kapitel in der Erforschung von postinfektiösen Erkrankungen auf. Wir schaffen eine langfristige Strategie, um die Ursachen und Mechanismen postinfektiöser Erkrankungen besser zu verstehen und die Versorgung der Betroffenen nachhaltig zu verbessern. Aus vielen Gesprächen weiß ich, welch große Belastung diese Erkrankungen für die Betroffenen und ihre Angehörigen darstellen. Der Forschungsbedarf ist enorm: Für ME/CFS und andere postinfektiöse Erkrankungen gibt es nach wie vor keine einfachen Lösungen oder Therapien, und bisherige wissenschaftliche Studien belegen die Komplexität der Krankheitsmechanismen. Mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung aller relevanten Akteurinnen und Akteure wollen wir in den nächsten zehn Jahren echte Verbesserungen für die Betroffenen erreichen. Ich danke unseren Partnern der Gesundheitsforschung schon jetzt für ihr Engagement.“
Prof. Annette Peters, NAKO Gesundheitsstudie, Vorstandsvorsitzende des NAKO e.V. und Direktorin des Instituts für Epidemiologie bei Helmholtz Munich: „Die NAKO Gesundheitsstudie erhebt als deutschlandweite Bevölkerungsstudie Gesundheitsdaten vor, während und nach der COVID-19-Pandemie von 200.000 Menschen. Dazu gehören gesunde, leicht und schwer erkrankte Personen. Dies ergänzt die klinische Forschung und beleuchtet umfassend die Auswirkungen von Infektionen auf die Gesundheit. In Kombination mit der umfassenden Bioproben-Sammlung für genetische und molekulare Messungen ermöglicht NAKO, die Ursachen und langfristigen gesundheitlichen Folgen von Infektionen zu erforschen und neue Wege für Prävention und Versorgung zu eröffnen.“
Ralf Heyder, Leiter der Koordinierungsstelle des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM): „Das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) ist als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie entstanden und beschäftigt sich seither auch mit den Langzeitfolgen dieser Erkrankung. Das NUM hat bundesweite Plattformen etabliert, um zeitnah potenzielle Medikamente zur Behandlung von Langzeitfolgen nach Infektionen in klinischen Studien auf ihre Wirksamkeit und Unbedenklichkeit zu prüfen. Das NUM bringt seine leistungsfähige Forschungsinfrastruktur für klinische Forschung in die Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen ein und stellt diese allen beteiligten Akteuren zur Verfügung.“
Prof. Dr. Maria J.G.T. Vehreschild, Praktizierende Ärztin, Professorin für Infektiologie und Leiterin der Arbeitsgruppe „Klinische Mikrobiomforschung“ am Universitätsklinikum Frankfurt „Die Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen ermöglicht einen neuen und verstärkten Fokus auf der systematischen Erforschung von Ursachen und Therapien. Unser Ziel ist es, verlässliche Biomarker zu identifizieren und klinische Studien voranzutreiben, um Erkenntnisse aus dem Labor direkt in die Versorgung zu bringen. So schaffen wir die notwendige Infrastruktur für evidenzbasierte Behandlungen und verbessern die Situation der Betroffenen nachhaltig und messbar.“
Hintergrund Innerhalb der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen sind unter anderem folgende Maßnahmen vorgesehen:
Zusätzliche Förderung von unterschiedlichen Forschungsprojekten, u.a. in den Bereichen Pathophysiologie und Immunologie, Diagnostik und Biomarker, Neurologie / Psychische Gesundheit, Langzeitfolgen ME/CFS.
Klinische Studien werden sukzessive vorangetrieben und gestärkt.
Genomsequenzierung: Mit der NAKO Gesundheitsstudie – Deutschlands größte Langzeitstudie zur Erforschung von Volkskrankheiten und ihren mehr als 200.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie den Kohorten der NAPKON (Nationales Pandemie Kohorten Netz) des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) liegen bereits detaillierte Gesundheitsdaten vor. Durch eine zusätzliche Sequenzierung der Genome nicht betroffener und erkrankter Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird die Basis für neue Erkenntnisse im Bereich der Krankheitsmechanismen geschaffen.
Um die Zahl der wissenschaftlichen Expertinnen und Experten langfristig zu erhöhen und somit mehr und umfassendere Forschung zu ermöglichen, erfolgen weitere strukturbildende Maßnahmen, wie etwa die Förderung von Nachwuchsgruppen.
Schaffung einer neuen Datenbasis von Patientinnen und Patienten. Sie soll als Grundlage für neue Forschungsprojekte und zur Überprüfung neuer Therapieansätze dienen.
Parallel sollen KI-basierte Anwendungen ermöglicht werden. Hierfür soll eine optimierte Datenumgebung errichtet werden, die die sichere Speicherung und das geschützte Teilen aller resultierenden Daten garantiert.
Die Durchführung von Vernetzungs- und Fortbildungsmaßnahmen für die wissenschaftliche Community sowie eine evidenzbasierte Fachöffentlichkeitsarbeit sind ebenfalls Teil der Dekade.
Damit diese Kraftanstrengung gelingen kann, sind relevante Partner der Gesundheitsforschung wie die NAKO Gesundheitsstudie, das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM), die Leibniz-Gemeinschaft, das Berlin Institute of Health, die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V, die Helmholtz-Gemeinschaft und das Bundesministerium für Gesundheit mitbeteiligt. Bei thematischer und organisatorischer Passung ist eine Erweiterung des Kreises der Partner um weitere Akteure geplant.
Redaktionelles:
Eine belastbare, öffentlich belegte Gesamtzahl „aller“ forschenden Institute/Universitäten in Deutschland zu postinfektiösen Erkrankungen wird derzeit nicht in einem zentralen Register konsolidiert. Aus nationalen Strukturen und Förderprogrammen lassen sich aber gesicherte Mindestumfänge ableiten: Im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) arbeiten Forschende aller 37 deutschen Standorte der Universitätsmedizin standortübergreifend in klinischen Forschungsprojekten zusammen; das NUM entstand aus der COVID-19-Forschung und wird für entsprechende Fragestellungen genutzt. Parallel erhebt die NAKO Gesundheitsstudie Gesundheitsdaten auch zu Infektionskrankheiten und immunologischen Fragestellungen; sie wird von 26 Einrichtungen getragen und läuft in 18 Studienzentren. Für den spezifischen postinfektiösen Bereich ME/CFS weist die BMFTR-Projektübersicht zur Fördermaßnahme „Pathomechanismen von ME/CFS“ 6 Verbundvorhaben und 1 Einzelprojekt aus; diese Verbünde umfassen jeweils mehrere Teilprojekte an unterschiedlichen Einrichtungen (eine exakte, überschneidungsfreie Einrichtungssumme ergibt sich daraus ohne zusätzliche Dublettenprüfung nicht).
Das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) wurde im April 2020 im Rahmen des Krisenmanagements zur COVID-19-Pandemie gegründet, um die klinische Forschung der gesamten deutschen Universitätsmedizin zu koordinieren. Ziel ist es, überall dort Kooperationen zu fördern, wo abgestimmtes Vorgehen Synergien schafft, die Geschwindigkeit erhöht oder andere Vorteile bringt. Entsprechend sind die NUM-Projekte eng an der klinischen Praxis ausgerichtet und zielen auf Erkenntnisse, die die Versorgung von Patientinnen und Patienten verbessern oder das Management großer Krisen der öffentlichen Gesundheit unterstützen.
https://www.netzwerk-universitaetsmedizin.de/
Weitere Beiträge
Mehr aus dieser Kategorie
- Altern Forschung: wie Zellstoffwechsel Alterung, DNA-Reparatur sowie Herz- und Gefäßfunktionen bestimmt
- EU-Gesundheitsdaten: AOK initialisiert mit Pilotprojekt europäische Patientenkurzakte
- Gesundheitswirtschaft: Vier Jahre nach DiGA-Rahmenvereinbarung fehlt Herstellern echte Planungssicherheit
- Minimalinvasive Implantologie: stärker auf digitale und mikrochirurgische Kompetenzen sowie moderne Biomaterialien setzen
Stichwörter: nachrichten, Postinfektiöse Erkrankungen
Kategorie: Medizin