Medien

Staatsferne Medien: Bundesregierung zu Trainings, die ein großer Sender einkauft, „keine gesonderten Erkenntnisse“ – Transparenzfrage offen

Januar 27, 2026 8:07 pm Veröffentlicht von

Staatsferne von Medienportalen

Die Bundesregierung teilt mit, dass ihr keine gesonderten Erkenntnisse zu Inhalt, Zielsetzung und didaktischer Ausrichtung jener Online-Trainings vorliegen, die vom Mediendienst Integration entwickelt, über die „ARD.ZDF medienakademie“ angeboten und vom ZDF erworben wurden. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage hervor.

Zur Einordnung verweist die Bundesregierung auf eine öffentliche Stellungnahme des Rat für Migration e. V., der als Träger des Mediendienst Integration benannt wird; diese Stellungnahme wurde im November 2025 veröffentlicht. Über diese Verweisung hinaus lägen der Bundesregierung im Sinne der Fragestellung keine weiteren Erkenntnisse vor.

In der Anfrage hatte die Fraktion dem Mediendienst Integration unterstellt, unter dem Einfluss linker oder linksextremistischer Nichtregierungsorganisationen zu stehen. Die Bundesregierung betont demgegenüber wiederholt, dass die staatliche Unabhängigkeit medialer Berichterstattung gewährleistet sei und auch durch die Förderpraxis von Bundesprogrammen hinreichend abgesichert werde.

Für Unternehmen im deutschen Mittelstand ist die Debatte um Staatsferne und die Transparenz von Einflusswegen auf öffentliche Kommunikation vor allem deshalb relevant, weil verlässliche Information und nachvollziehbare Verantwortlichkeiten zentrale Voraussetzungen für Planungssicherheit, Reputation und informierte Entscheidungen im Markt sind. Die in der parlamentarischen Anfrage aufgeworfenen Fragen und die Antwort der Bundesregierung zeigen, dass die Bewertung von Fortbildungsangeboten, deren Herkunft sowie deren möglicher Einfluss auf redaktionelle Praxis politisch umstritten bleibt, während die Bundesregierung zugleich auf die verfassungsrechtlich gebotene Distanz des Staates zu publizistischen Prozessen verweist.


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Redaktionelles zu “ARD.ZDF medienakademie”

Soweit das ZDF solche Online-Trainings einkauft (hier: über die „ARD.ZDF medienakademie“), werden diese Ausgaben aus dem Gesamtbudget des ZDF bestritten. Da sich das ZDF nach eigenen Angaben maßgeblich aus dem Rundfunkbeitragsanteil finanziert und ergänzend Werbung sowie Sponsoring nutzt, ist die Finanzierung in der Praxis überwiegend beitragsgetragen, aber nicht als „zweckgebundener Einzelposten“ je Maßnahme öffentlich ausgewiesen.

Warum organisiert ein öffentlich-rechtlicher Sender „Ausbildung/Weiterbildung“?

Zur aktuellen Situation der Journalistenausbildung in Deutschland lässt sich vor allem Folgendes festhalten: Der häufigste Praxisweg ist weiterhin das Volontariat in Redaktionen, das über Tarifverträge, Ausbildungspläne und Mindeststandards strukturiert wird und derzeit in vielen Häusern in Richtung multimedialer Arbeitsrealität weiterentwickelt werden soll.

Daneben existieren Journalistenschulen (z. B. mit klar definierten Ausbildungsdauern und Praxisphasen) sowie akademische Studiengänge; außerdem bieten spezialisierte Einrichtungen Fortbildungsmodule an, etwa mit Schwerpunkten wie Verifikation, Medienethik und KI.

Es gibt in Deutschland bereits ein breites Ökosystem an unabhängigen Ausbildungswegen gibt (Redaktionen, Journalistenschulen, Gewerkschaften/Verbände, Akademien).

Gleichzeitig ist es in der Medienbranche ebenfalls üblich, dass große Medienhäuser und Rundfunkanstalten eigene Aus- und Fortbildungsstrukturen vorhalten oder zentrale Einrichtungen mittragen, weil technische und redaktionelle Prozesse hochspezialisiert sind und sich stark wandeln. Die ARD.ZDF medienakademie beschreibt sich dabei als zentrale Aus- und Fortbildungseinrichtung u. a. von ARD, ZDF, Deutschlandradio und Deutscher Welle und betont, ihre Angebote seien „offen für alle“.

Kritisch bleibt jedoch

Wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender Trainings einkauft oder interne Weiterbildung organisiert, kann schon die Außenwirkung entstehen, es werde ein bestimmter „Wertekanon“ oder eine „Hauslinie“ vermittelt. Diese Wahrnehmung lässt sich nur durch Transparenz (Curricula, Anbieter, Finanzierungspfade, Qualitätskontrollen, klare Trennung von Fortbildung und redaktionellen Entscheidungen) und nachvollziehbare Standards entschärfen.

Bayerische Rundfunk

Der Bayerische Rundfunk (BR) spielt bei der ARD.ZDF medienakademie primär die Rolle eines Mitgesellschafters und Nutzers der Weiterbildungsangebote, weil die Gesellschafter ausdrücklich „die Landesrundfunkanstalten der ARD“ (und damit auch der BR) sind. Nach den FAQ der Medienakademie sind die Rundfunkanstalten (u. a. ARD-Anstalten) zugleich Gesellschafter und Kunden; Vertreterinnen und Vertreter aus den Sendern sitzen in den Gremien Akademiebeirat, Gesellschafterversammlung und Verwaltungsrat, und das Angebot richte sich an den Bedarfen der Rundfunkanstalten aus. Operativ ist der BR außerdem am Standort Nürnberg sichtbar: Das Trainingszentrum/Geschäftssitz liegt im StudioPark Franken, auf dessen Gelände laut Medienakademie neben ihr auch BR Franken (und die RBT) ansässig sind. Weitere Beteiligte (Gesellschafter) sind nach den offiziellen Angaben der Medienakademie neben den ARD-Landesrundfunkanstalten auch ZDF, Deutschlandradio und Deutsche Welle. Die neun ARD-Landesrundfunkanstalten sind: Bayerischer Rundfunk (BR), Hessischer Rundfunk (HR), Mitteldeutscher Rundfunk (MDR), Norddeutscher Rundfunk (NDR), Radio Bremen (RB), Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), Saarländischer Rundfunk (SR), Südwestrundfunk (SWR), Westdeutscher Rundfunk (WDR).

https://www.bundestag.de/

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