Unternehmen ziehen sich zurück – Warum der Standort Deutschland an Attraktivität verliert

Juli 13, 2026 8:36 pm Veröffentlicht von

Kosten und Regulierung bremsen Investitionen der Unternehmen

Die Privatwirtschaft investiert in Deutschland seit Jahren zunehmend weniger in Maschinen, Anlagen und andere Produktionsmittel. Nach Einschätzung der Unternehmen zählen vor allem hohe Kosten und umfangreiche staatliche Vorgaben zu den größten Hindernissen. Gleichzeitig sprechen aus Sicht vieler Firmen der Absatzmarkt sowie die Rechtssicherheit weiterhin für Investitionen am Standort Deutschland.

Im Jahr 2025 belief sich das gesamtwirtschaftliche Investitionsvolumen auf 908 Milliarden Euro. Davon entfielen 763 Milliarden Euro auf den privaten Sektor. Trotz dieser hohen Summen zeigt die Entwicklung über mehrere Jahre einen rückläufigen Trend. Vor allem die Investitionen der Unternehmen im Inland sind seit Jahren gesunken. Dadurch wächst auch der Kapitalstock in Deutschland kaum noch. Besonders seit 2019 hat sich diese Entwicklung verstärkt.

Während die öffentlichen Investitionen Ende 2025 preisbereinigt mehr als ein Viertel über dem Niveau von 2019 lagen, gingen die Investitionen des privaten Sektors im gleichen Zeitraum real um rund 12 Prozent zurück.

Vor allem bei Maschinen, Produktionsanlagen, Nutzfahrzeugen sowie gewerblichen Gebäuden investierten die Unternehmen deutlich weniger. In diesen Bereichen lagen die preisbereinigten Investitionen nahezu 20 Prozent unter dem früheren Niveau. Bleiben Investitionen aus, altern die Produktionskapazitäten schrittweise, was sich nachteilig auf das Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft auswirken kann. Vor diesem Hintergrund untersuchte das Institut der deutschen Wirtschaft in seiner aktuellen Konjunkturumfrage das Investitionsverhalten der Unternehmen.

Die Umfrage zeigt, dass der Absatzmarkt in Deutschland für viele Unternehmen der wichtigste Grund für Investitionen ist. Gleichzeitig wirken sich insbesondere hohe Arbeitskosten und eine aus Sicht der Unternehmen umfangreiche Bürokratie hemmend auf Investitionsentscheidungen aus.

Zunächst wurde erhoben, ob Unternehmen überhaupt am Standort Deutschland investieren. Insgesamt geben 67 Prozent der befragten Unternehmen an, ausschließlich in Deutschland zu investieren. Weitere 13 Prozent investieren überwiegend im Inland. Lediglich 2 Prozent tätigen ihre Investitionen überwiegend oder ausschließlich im Ausland. 19 Prozent investieren derzeit gar nicht in neue Produktionsanlagen oder andere Investitionsgüter. Bei Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten liegt dieser Anteil dagegen nur bei 4 Prozent.

Als wichtigster Investitionsanreiz wird der heimische Absatzmarkt genannt. 45 Prozent der Unternehmen sehen den hohen Wohlstand in Deutschland sowie die zentrale Lage innerhalb des europäischen Binnenmarktes als wesentlichen Grund für Investitionen. Zwar bewerten 10 Prozent diesen Faktor negativ, insgesamt überwiegen die positiven Einschätzungen jedoch deutlich.

Auch die Rechtssicherheit gilt für viele Unternehmen als Vorteil. 44 Prozent der Befragten nennen verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen als Argument für Investitionen in Deutschland. Darüber hinaus bewerten viele Unternehmen die staatliche Investitionsförderung sowie das Innovationsumfeld mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Start-ups positiv.

Demgegenüber nennen die Unternehmen zahlreiche Faktoren, die Investitionen erschweren. An erster Stelle stehen finanzielle Belastungen. 77 Prozent der befragten Unternehmen sehen die hohen Arbeitskosten als Belastung für Investitionen am Standort Deutschland. Etwa zwei Drittel der Unternehmen betrachten außerdem die Unternehmensteuern sowie die Energiekosten als Investitionshemmnisse. Für mehr als vier von zehn Unternehmen wirken sich zudem die Kosten für die Umstellung auf eine klimaneutrale Produktion negativ auf die Bereitschaft aus, Produktionskapazitäten in Deutschland auszubauen oder zu modernisieren.

Hinzu kommt aus Sicht vieler Unternehmen die staatliche Regulierung. Rund sieben von zehn Unternehmen geben an, dass der Umfang staatlicher Regulierung ihre Investitionstätigkeit beeinträchtigt. Auch die Fachkräftesituation wird insgesamt als Investitionshemmnis bewertet. Rund 43 Prozent der Unternehmen berichten von Engpässen bei Fachkräften. Gleichzeitig sehen 27 Prozent die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Arbeitskräfte als Vorteil. Für diese Unternehmen dürfte insbesondere die Qualität der beruflichen und akademischen Ausbildung in Deutschland eine wichtige Rolle spielen.

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