US-Zölle wirbeln den Stahlhandel durcheinander
August 28, 2026 8:56 pmHohe US-Zölle verschieben Handelsströme nach Südostasien
US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumwaren treffen Handelspartner unterschiedlich
Die hohen US-Zölle auf Waren mit einem erheblichen Anteil an Stahl oder Aluminium haben die Einfuhren in die Vereinigten Staaten deutlich verändert. Während die Importe aus China und der Europäischen Union zurückgingen, nahmen die Lieferungen aus mehreren südostasiatischen Staaten teilweise kräftig zu. Seit August 2025 erheben die Vereinigten Staaten auf zahlreiche Industriegüter mit einem hohen Stahl- oder Aluminiumanteil einen zusätzlichen Zollsatz von 50 Prozent. Dazu gehören beispielsweise Traktoren, Kranwagen, Stahlrohre, Schraubenschneider und Spritzgusswerkzeuge.
Zwischen August 2025 und Mai 2026 sank der Wert der weltweiten US-Importe der betroffenen Waren gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 8,5 Prozent. Besonders stark gingen die Einfuhren aus China zurück. Die Vereinigten Staaten importierten im betrachteten Zeitraum 33 Prozent weniger der betroffenen Stahl- und Aluminiumprodukte aus China als ein Jahr zuvor. Der tatsächlich gezahlte Zoll im Verhältnis zum Importwert lag bei diesen chinesischen Waren bei knapp 48 Prozent.
Auch Deutschland verzeichnete einen Rückgang. Obwohl der effektive US-Zollsatz für die entsprechenden deutschen Produkte mit 21 Prozent deutlich niedriger lag, gingen die US-Importe aus Deutschland innerhalb der zehn Monate um 10 Prozent zurück. Dies entspricht einem Warenwert von knapp 1,2 Milliarden Dollar.
Importe aus Südostasien nehmen zu
- Anders entwickelte sich der Handel mit mehreren südostasiatischen Staaten. Besonders deutlich stiegen die US-Importe der betroffenen Waren aus Thailand. Sie nahmen um 31 Prozent beziehungsweise rund 1,4 Milliarden Dollar zu, obwohl der effektive US-Zollsatz bei 23 Prozent lag. Auch Vietnam lieferte mehr entsprechende Produkte in die Vereinigten Staaten. Bei einem effektiven Zollsatz von 21 Prozent erhöhten sich die US-Importe aus Vietnam um 12 Prozent. Ebenso nahmen die Einfuhren aus Malaysia, Indonesien und Kambodscha zu.
Eine mögliche Erklärung für diese Entwicklung ist die Umleitung chinesischer Waren über andere Länder. Auf diese Weise könnten die speziell für China geltenden höheren Zollbelastungen vermieden werden. Sollte ein Teil der chinesischen Waren tatsächlich über andere Staaten in die Vereinigten Staaten gelangen, wäre der tatsächliche Rückgang chinesischer Lieferungen geringer, als es die direkten Handelsdaten zwischen China und den Vereinigten Staaten erkennen lassen.
Europäische Union fordert niedrigere Zölle
Die Europäische Union hat die Vereinigten Staaten aufgefordert, die hohen Einfuhrzölle auf Waren mit einem großen Stahl- und Aluminiumanteil bis Ende des Jahres zurückzunehmen. Bei einigen mobilen Industriegütern wurden die Zölle bereits reduziert. Seit Juni gilt beispielsweise für Gabelstapler aus Staaten der Europäischen Union bei der Einfuhr in die Vereinigten Staaten ein Zollsatz von 15 Prozent. Auf diese grundsätzliche Obergrenze hatten sich die Vereinigten Staaten und die Europäische Union vor gut einem Jahr im sogenannten „Turnberry Deal“ verständigt.
Für Länder wie China, die keine entsprechende Handelsvereinbarung mit den Vereinigten Staaten geschlossen haben, gilt bei solchen mobilen Industriegütern dagegen ein zusätzlicher Zollsatz von 25 Prozent. Lediglich für bestimmte Agrartechnikprodukte sowie Heizungs- und Klimaanlagen senkte die US-Regierung den Zollsatz im Juni weltweit auf 15 Prozent.
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