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Volle Förderkassen: Die KfW schaltet beim Investitionstempo einen Gang höher

August 5, 2026 2:56 pm Veröffentlicht von

KfW: Starkes erstes Halbjahr – Neuzusagen steigen um 46 Prozent auf rund 58 Milliarden Euro

Frankfurt am Main. Die KfW Bankengruppe hat ein sehr gutes erstes Halbjahr verzeichnet und Finanzierungen in Höhe von 57,7 Milliarden Euro zugesagt (01-06/2025: 39,4 Milliarden Euro). Damit lag zum Halbjahr das Zusagevolumen für originäres Fördergeschäft auf Rekordniveau. Das Neugeschäft lag rund 46 Prozent über dem Vorjahreswert. Vor allem in der inländischen Förderung entwickelte sich das zweite Quartal noch dynamischer als das bereits starke erste Quartal. Das Zusagevolumen erreichte zur Jahresmitte 38,9 Milliarden Euro (01-06/2025: 25,3 Milliarden Euro).

  • Besonders ausgeprägt war die Nachfrage nach Förderkrediten im Segment Mittelstand für Klimaschutz- und Umweltvorhaben (11,2 Milliarden Euro gegenüber 5,3 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum). Auch die Programme für private Kunden – insbesondere die energieeffiziente Gebäudeförderung inklusive Heizungsförderung – wurden wieder intensiv nachgefragt.
  • Bei KfW Capital haben sich die Zusagen der Fondsinvestments auf 389 Millionen Euro mehr als verdoppelt (01-06/2025: 146 Millionen Euro).

“Die unvermindert hohe Nachfrage nach unseren KfW-Förderangeboten für Klima- und Umweltvorhaben zeigt deutlich: Unternehmen und private Kundinnen und Kunden sind bereit, in die Zukunft zu investieren – wenn die Rahmenbedingungen stimmen”, sagte Stefan Wintels, Vorstandsvorsitzender der KfW. “Mit unseren zinsvergünstigten Krediten und Zuschüssen setzen wir wirksame Anreize für Investitionen. Unsere Förderung ist ein wesentlicher Beitrag zu Wachstum, Beschäftigung und zur Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland.”

  • Das Neugeschäft der Export- und Projektfinanzierung erreichte 15,4 Milliarden Euro und liegt damit rund 33 Prozent über dem Vorjahresniveau (01-06/2025: 11,6 Milliarden Euro). Gründe für den Anstieg sind die Nutzung attraktiver Marktopportunitäten sowie der erfolgreiche Abschluss großvolumiger Einzelgeschäfte.
  • Die Zusagen in der KfW Entwicklungsbank lagen mit 3,1 Milliarden Euro sehr deutlich über dem Vorjahresniveau (01-06/ 2025: 2,0 Milliarden Euro). Ursächlich sind vor allem einige großvolumige Zusagen. Ein Großteil dieser Zusagen besteht aus KfW-Eigenmitteln. Dabei gewinnen deutsche und europäische Wirtschaftsinteressen zunehmend an Bedeutung. Auch die DEG verzeichnete einen Zusageanstieg auf 0,9 Milliarden Euro (01-06/2025: 0,6 Milliarden Euro).

Der KfW-Konzern erzielte im ersten Halbjahr ein Ökonomisches Ergebnis (Konzerngewinn vor IFRS-Effekten, Förderaufwand und Steuern) in Höhe von 1.238 Millionen Euro. Es lag damit rund 50 Prozent über dem Vorjahreswert (01-06/2025: 824 Millionen Euro).

In ihrem Fördergeschäft setzte die KfW 237 Millionen EUR eigene Mittel als Förderaufwand ein, um die Konditionen ihrer Förderung auch in schwierigen Zeiten zu verbessern (01-06/2025: 246 Millionen Euro). Schwerpunkte lagen in der Förderung von Gründung und Unternehmensinvestitionen, Innovation, Umwelt und Nachhaltigkeit sowie Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Hierdurch konnte das verbilligte Fördervolumen um rund 30 Prozent ausgeweitet werden. Der erfreuliche Konzerngewinn übertraf mit 877 Millionen Euro den Vorjahreswert deutlich (01-06/2026: 289 Millionen Euro).

“Das deutlich verbesserte ökonomische Ergebnis ist die finanzielle Grundlage unserer Handlungsfähigkeit als Förderbank des Bundes und der Länder. Diese Finanzkraft ist Voraussetzung, um unsere Eigenmittel zu stärken und Förderprogramme zu verbilligen”, sagte Wintels.

Die positive Entwicklung des operativen Ergebnisses (Betriebsergebnis vor Bewertungen und Förderaufwand), das mit 1.103 Millionen Euro über dem Vorjahreswert (01-06/2025: 969 Millionen Euro) lag, resultierte vor allem aus dem Zinsüberschuss (vor Förderaufwand), der mit 1.567 Millionen Euro das Vorjahr deutlich übertraf (01-06/2025: 1.436 Millionen Euro).

Der Provisionsüberschuss (vor Förderaufwand), der vor allem die Vergütung von Förderaktivitäten im Auftrag des Bundes umfasst, erreichte mit 340 Millionen Euro das Vorjahresniveau (01-06/2025: 336 Millionen Euro). Der Verwaltungsaufwand (vor Förderaufwand) konnte mit 805 Millionen Euro stabil auf dem Niveau des Vorjahres gehalten werden (01-06/2025: 803 Millionen Euro).

Das Ergebnis aus der Kreditrisikovorsorge zeigte sich mit minus 74 Millionen Euro weiterhin moderat (01-06/2026: minus 95 Millionen Euro). Es resultiert aus Zuführungen zur pauschalen Kreditrisikovorsorge und zu Einzelwertberichtigungen. Gegenläufig wirkten Erträge aus Eingängen auf abgeschriebene Forderungen.

Der Beitrag des Beteiligungsportfolios zum Bewertungsergebnis in Höhe von 192 Millionen Euro (01-06/2025: 110 Millionen Euro) ist vor allem auf die positive Entwicklung im Geschäftsfeld KfW Capital zurückzuführen und setzt mit 119 Millionen Euro den positiven Trend in der Venture-Capital-Finanzierung fort. Die Geschäftsfelder DEG und KfW Entwicklungsbank tragen ebenfalls zu einem positiven Ergebnisbeitrag bei.

Das Ergebnis aus der Fremdwährungsbewertung (vor IFRS-Effekten) beträgt 28 Millionen Euro (01-06/2025: minus 174 Millionen Euro). Hierin enthalten sind die in Fremdwährung gehaltenen DEG-Beteiligungen und deren Teilabsicherung.

Der Ertragsteueraufwand belief sich auf 90 Millionen Euro (01-06/2025: 68 Millionen Euro). Rein IFRS-bedingte Bewertungseffekte aus Derivaten, die zu Sicherungszwecken eingesetzt werden, belasteten das Ergebnis mit 34 Millionen Euro (01-06/2025: minus 222 Millionen Euro).

Die Bilanzsumme lag mit 550,4 Milliarden Euro um 9,7 Milliarden Euro über dem Wert Ende 2025 (540,7 Milliarden Euro). Diese Entwicklung ergab sich vor allem durch einen Anstieg der Liquiditätshaltung und des Nettokreditvolumens.

Mit einer Gesamtkapitalquote sowie einer (harten) Kernkapitalquote von jeweils 28,1 Prozent liegen die aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalquoten weiterhin auf einem sehr guten Niveau (31.03.2026: 28,5 Prozent beziehungsweise 28,4 Prozent). Der Rückgang der Eigenkapitalquoten ergab sich im Wesentlichen aus einem neugeschäftsbedingten Anstieg des Gesamtrisikobetrags sowie erhöhten Abzugspositionen in den aufsichtsrechtlichen Eigenmitteln.

Die Ergebnisse der Förderaktivitäten im Einzelnen

1. Mittelstandsbank und Private Kunden

  • Im Geschäftsfeld Mittelstandsbank und Private Kunden lag das Fördervolumen per 30. Juni 2026 mit 32,9 Milliarden Euro mehr als 50 Prozent über dem Vorjahreswert (01-06/2025: 21,2 Milliarden Euro).
  • Mittelstandsbank
  • In der Mittelstandsbank wurden im ersten Halbjahr Förderkredite in Höhe von 16,5 Milliarden Euro zugesagt (01-06/2025: 10,2 Milliarden Euro).
  • Der Förderschwerpunkt Gründung und Unternehmensinvestitionen überstieg mit 3,9 Milliarden Euro das Niveau des Vorjahres (01-06/2025: 3,3 Milliarden Euro).
  • Im Bereich Klimawandel und Umwelt zeigte sich eine besonders hohe Nachfrage. Hier wurden per Ende Juni 2026 mit 11,2 Milliarden Euro mehr als doppelt so viele Mittel zugesagt wie im Vorjahreszeitraum (01-06/2025: 5,3 Milliarden Euro). Das positive Marktumfeld vor allem im Onshore-Windmarkt beflügelt das Programm “Erneuerbare Energien – Standard”, in dem 7,6 Milliarden Euro zugesagt wurden (01-06/2025: 3,6 Milliarden Euro). Auch das Programm “Klimaschutzoffensive für Unternehmen” hat mit Neuzusagen in Höhe von 2,0 Milliarden Euro den Vorjahreswert deutlich übertroffen (01-06/2025: 0,3 Milliarden Euro).

Die Innovationsfinanzierung erreichte zum Halbjahr mit 1,5 Milliarden Euro das Niveau des Vorjahres.

Private Kunden

  • Im Segment Private Kunden ist das Neuzusagevolumen ebenfalls stark gestiegen und lag mit 16,4 Milliarden Euro deutlich über dem Vorjahreswert (01-06/2025: 11,0 Milliarden Euro).

Der Anstieg ist vor allem auf die hohe Nachfrage im Förderschwerpunkt Energieeffizienz und Erneuerbare Energien zurückzuführen. Hier wurden Mittel in Höhe von 12,9 Milliarden Euro zugesagt (01-06/2025: 7,1 Milliarden Euro). Verantwortlich hierfür waren zum einen die höheren Neuzusagen im Programm “Klimafreundlicher Neubau” (5,4 Milliarden Euro gegenüber 1,6 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum), wozu auch die Wiedereinführung des Energieeffizienzstandard 55 beigetragen hat. Zum anderen blieb das Interesse an der Bundesförderung für effiziente Gebäude inklusive der Heizungsförderung hoch; die Neuzusagen lagen mit 6,5 Milliarden Euro über dem Vorjahreswert (01-06/2024: 5,2 Milliarden Euro.

  • Mit 2,8 Milliarden Euro leicht rückläufig waren die Zusagen im Bereich Wohnen und Leben (01-06/2025: 3,0 Milliarden Euro).
  • Im Bereich Bildung lagen die Neuzusagen per 30. Juni 2026 mit rund 0,8 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres.

2. Individualfinanzierung und Öffentliche Kunden

  • Das Geschäftsfeld Individualfinanzierung & Öffentliche Kunden erzielte im ersten Halbjahr 2026 ein Zusagevolumen von rund 5,6 Milliarden Euro und übertraf damit den Vorjahreswert (01-06/2025: 4,0 Milliarden Euro) deutlich.

Im Segment der kommunalen und sozialen Infrastruktur konnte ein Volumen von 3,8 Milliarden Euro zugesagt werden. In einem guten Marktumfeld ist der deutliche Zuwachs gegenüber dem anteiligen Vorjahreswert von 2,8 Milliarden Euro maßgeblich auf große Einzelzusagen in der Basisförderung an kommunale Energieversorger und im “Investitionskredit Digitale Infrastruktur” zurückzuführen.

Die Individualfinanzierung Unternehmen erreichte im ersten Halbjahr ein Zusagevolumen in Höhe von 339 Millionen Euro. Insbesondere infolge eines großvolumigen Engagements im Konsortialkredit Nachhaltige Transformation wurde das Vorjahresergebnis (01-06/2025: 213 Millionen Euro) übertroffen.

Auch die Individualfinanzierung Banken und Landesförderinstitute konnte mit einem Geschäftsvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro das Vorjahresvolumen (01-06/2025: 1,0 Milliarden Euro) steigern. Zu diesem Anstieg trugen in erster Linie sowohl die Allgemeine Refinanzierung für Landesförderinstitute als auch die Förderung von KMU über Globaldarlehen Leasing bei.

3. KfW Capital

Der gute Jahresstart des Geschäftsfelds KfW Capital hat sich auch im zweiten Quartal fortgesetzt: die Zusagen beliefen sich im ersten Halbjahr 2026 auf rund 389 Millionen Euro (01-06/2025: 146 Millionen Euro). Der Anstieg setzt sich aus den Zusagen des ERP-VC-Fondsinvestments (European-Recovery-Program Venture-Capital-Fondsinvestments), bei dem KfW Capital im Eigenrisiko in europäische VC-Fonds mit Deutschlandfokus investierte, in Höhe von 117 Millionen Euro und den Zusagen des Zukunftsfonds des Bundes, bei dem treuhänderisch über den Europäischen Investitionsfonds (EIF) weitere rund 117 Millionen Euro investiert wurden. Über die VC-Säule des Deutschlandfonds, die von KfW Capital umgesetzt wird, wurden zudem Investmentzusagen in Höhe von 130 Millionen Euro über das Tech-Fondsinvest-Programm und weitere 25 Millionen Euro über das Scale-up Direct-Programm in Form von Co-Investments im ersten Halbjahr getätigt. Insgesamt ist sowohl die VC-Fondsinvestment- als auch die Co-Investment-Pipeline von KfW Capital für den Jahresverlauf gut gefüllt.

Darüber hinaus fungiert KfW Capital als Anlageberater des “Wachstumsfonds Deutschland” – dieser zählt mit einem Gesamtvolumen von knapp über einer Milliarde Euro zu den größten VC-Dachfonds in Europa. Mehr als zwei Drittel des Kapitals wurden von privaten institutionellen Investoren bereitgestellt. Der Fonds ist weitgehend ausinvestiert: Bis einschließlich des ersten Halbjahres 2026 wurden rund 935 Millionen Euro an 48 VC-Fonds zugesagt.

4. KfW IPEX-Bank

  • Die KfW IPEX-Bank, die das Geschäftsfeld Export- und Projektfinanzierung verantwortet und Finanzierungen zur Begleitung deutscher und europäischer Unternehmen auf den globalen Märkten bereitstellt, hat ihren guten Jahresstart fortgesetzt.
  • Ihre Neuzusagen übertrafen zum Ende des ersten Halbjahres mit 15,4 Milliarden Euro um rund 33 Prozent das Niveau des Vorjahreszeitraums (01-06/2025: 11,6 Milliarden Euro). Zum Neugeschäft haben alle Geschäftssparten beigetragen.

Hervorzuheben ist allerdings der Bereich “Energy“: Mit 4,9 Milliarden Euro entfiel auf ihn knapp ein Drittel der Neuzusagen (01-06/2025: 2,8 Milliarden Euro). Fast ebenso stark entwickelte sich der Bereich “Mobility“, der die Sparten Schienenverkehr, Maritime Industrie und Luftfahrt umfasst: Auf ihn entfielen 4,8 Milliarden Euro (01-06/2025: 4,1 Milliarden Euro). Im zweiten Quartal wurden unter anderem Finanzierungen für Windparks in Kanada, Schottland und der Ukraine sowie für Solar- und Batteriespeicherprojekte in Chile, Australien und Kanada bereitgestellt. Hinzu kamen die Produktion von nachhaltigem Flugzeugtreibstoff in Brasilien, Elektrobusse und Ladeinfrastruktur in Großbritannien sowie das größte Fernwärmenetz Westeuropas in Berlin.

Mit diesen Finanzierungen unterstützt die KfW IPEX-Bank den Wirtschaftsstandort Deutschland und Europa sowie den weltweiten Transformationsprozess.

5. Förderung Entwicklungs- und Schwellenländer

KfW Entwicklungsbank

  • Das Geschäftsfeld KfW Entwicklungsbank hat im ersten Halbjahr 2026 für Vorhaben in Entwicklungs- und Schwellenländern 3,1 Milliarden Euro zugesagt (01-06/ 2025: 2,0 Milliarden Euro).

Der überwiegende Anteil entfällt auf KfW-Eigenmittel: 2,3 Milliarden EUR, davon wiederum 1,3 Milliarden Euro auf Zusagen für Vorhaben in Asien. So wurden für zwei Projekte in Indonesien insgesamt 661 Millionen Euro zugesagt.

  • Mit 261 Millionen Euro fördert die KfW Entwicklungsbank die nachhaltige Energiewende, mit 400 Millionen Euro ein Programm zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und des Handels. Dieses Darlehen ist an wirtschaftspolitischen Zielen ausgerichtet.

Durch seinen Bezug zum Freihandelsabkommen mit der EU und dem OECD-Beitrittsprozess stärkt es die positive Perspektive Indonesiens als aussichtsreicher Wachstumsmarkt – gerade auch für deutsche Unternehmen. Für Vorhaben in der Ukraine wurden 162 Millionen Euro zugesagt, davon 46 Millionen Euro während der Ukraine Recovery Conference im Juni in Danzig. Dort startete auch der “European Flagship Fund for the Reconstruction of Ukraine”, der private Investitionen in moderne, resiliente Infrastruktur mobilisieren soll. Im Auftrag des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und der Europäischen Kommission nimmt die KfW eine führende Rolle im Finanzierer-Konsortium zusammen mit EIB (Europäische Investitionsbank), BGK (Bank Gospordarstawa Krajowego), CDP (Cassa Depositi e Prestiti) und Proparco ein. Das Zielvolumen des Fonds beträgt eine Milliarde Euro bis Ende 2027.

DEG

Die DEG konnte die Finanzierung und Begleitung privater Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern im ersten Halbjahr 2026 weiter ausbauen. Zum 30. Juni 2026 erreichten die Neuzusagen aus DEG-Eigenmitteln 903 Millionen Euro und lagen damit deutlich über dem Vorjahreswert von 556 Millionen Euro.

Zusagen für private Unternehmen in Lateinamerika hatten daran mit 359 Millionen Euro den größten Anteil. Für Asien konnten 229 Millionen Euro zugesagt werden, für die Region Afrika/MENA 154 Millionen Euro.

Ausschlaggebend für die starke Entwicklung waren unter anderem Finanzierungen für Banken in Lateinamerika. Diese ermöglichen mit den von der DEG bereitgestellten Darlehen Investitionen vor allem kleiner und mittlerer Unternehmen. Weitere Mittel gingen etwa an Telekommunikationsdienstleister, um in afrikanischen Ländern zur Verbesserung der digitalen Infrastruktur und der wirtschaftlichen Teilhabe beizutragen.

6. Finanzmärkte

Die KfW erhöhte ihr Refinanzierungsziel für 2026 Anfang Juli im Rahmen der turnusmäßigen Überprüfung von bisher 75 bis 80 Milliarden Euro auf 80 bis 85 Milliarden Euro. Dies spiegelt sowohl die starke Entwicklung des inländischen Fördergeschäfts seit Jahresbeginn als auch die erwartete positive Entwicklung in den kommenden Monaten wider.

Im ersten Halbjahr 2026 hat die KfW zur Refinanzierung ihres Fördergeschäftes erfolgreich 58,2 Milliarden Euro an den internationalen Kapitalmärkten aufgenommen (01-06/2025: 50,3 Milliarden Euro). Damit sind bereits über 70 Prozent der für das Gesamtjahr geplanten Mittelaufnahme von 80 bis 85 Milliarden Euro realisiert.

Die europäische Heimatwährung stellte mit Zuflüssen von 34,7 Milliarden Euro den größten Anteil (60 Prozent), gefolgt vom US-Dollar mit umgerechnet 12,6 Milliarden Euro (22 Prozent). Hinter dem Pfund Sterling (5,8 Milliarden Euro) avancierte der Hongkong-Dollar im ersten Halbjahr 2026 mit umgerechnet 2,3 Milliarden Euro beziehungsweise vier Prozent des Gesamtvolumens zur viertwichtigsten Refinanzierungswährung.

Auch im Green-Bond-Segment verlief das erste Halbjahr 2026 sehr dynamisch: Das Green-Bond-Volumen erreichte 12,6 Milliarden Euro und lag damit rund ein Drittel über dem Vorjahreszeitraum (9,5 Milliarden Euro). Insgesamt wurden elf Transaktionen in sechs verschiedenen Währungen begeben, wobei ein besonderer Fokus auf großvolumigen, liquiden Euro-Green-Bonds lag, die seit Beginn diesen Jahres Teil des KfW-Benchmark-Programms sind.

Außerdem hat KfW Treasury im ersten Halbjahr 2026 weitere Digitalisierungsprojekte umgesetzt, um die künftige europäische Finanzmarktinfrastruktur mitzugestalten. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette testete die KfW gemeinsam mit Marktteilnehmern blockchain-basierte Pilottransaktionen, Settlement-Modelle auf Basis von Distributed-Ledger-Technologie (DLT), Interoperabilitätsszenarien und Experimente mit digitalem Zentralbankgeld. Jüngste Meilensteine aus dem Juni 2026: die dritte Emission einer DLT-basierten KfW-Anleihe als Kryptowertpapier nach dem elektronischen Wertpapiergesetz (eWpG) sowie ein Investment in den DLT-basierten Bond des Landes Sachsen-Anhalt – dem ersten Kryptowertpapier eines deutschen Bundeslands.

Eine tabellarische Übersicht der Geschäfts- und Förderzahlen finden Sie unter: Geschäfts- und Förderzahlen | KfW

KfW Geschäftsbericht online: Berichtsportal | KfW

www.kfw.de


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Redaktionelles: Kritikpunkte

  • Hohe Konzentration auf Klimaförderung: Mehr als die Hälfte des Wachstums entfällt auf Programme für Klimaschutz, Umwelt und Energieeffizienz. Kritisch hinterfragt werden kann, ob andere Investitionsbereiche wie Digitalisierung, Innovation oder klassische Unternehmensinvestitionen im Verhältnis weniger profitieren.
  • Starke Abhängigkeit von staatlichen Förderprogrammen: Die hohe Nachfrage wird ausdrücklich mit zinsvergünstigten Krediten und Zuschüssen begründet. Daraus ergibt sich die Frage, ob Investitionen ohne diese staatlichen Anreize in gleichem Umfang stattfinden würden.
  • Wachstum durch wenige Großprojekte: Mehrfach nennt die KfW großvolumige Einzelzusagen als wesentlichen Grund für den Anstieg, etwa bei Exportfinanzierungen, der Entwicklungsbank oder der kommunalen Infrastruktur. Kritisch ist deshalb die Frage, wie breit das Wachstum tatsächlich verteilt ist.
  • Hohe Mittel für internationale Projekte: Ein erheblicher Teil der Finanzierungen fließt in Vorhaben außerhalb Deutschlands, darunter Windparks in Kanada, Schottland und der Ukraine, Energieprojekte in Chile und Australien sowie Programme in Indonesien. Daraus kann die Frage entstehen, welcher Anteil der Mittel unmittelbar dem Wirtschaftsstandort Deutschland zugutekommt.
  • Wachsende Heizungs- und Gebäudeförderung: Der Text verweist auf eine hohe Nachfrage nach der Gebäudeförderung einschließlich Heizungsförderung. Offen bleibt, wie sich diese Mittel regional verteilen und welche Bevölkerungsgruppen besonders profitieren.
  • Venture-Capital-Förderung: KfW Capital hat die Fondsinvestitionen mehr als verdoppelt. Kritisch könnte gefragt werden, nach welchen Kriterien Beteiligungen ausgewählt werden und wie der Erfolg der eingesetzten öffentlichen Mittel gemessen wird.

 

Steigende Refinanzierung: Wegen des starken Fördergeschäfts erhöhte die KfW ihr Refinanzierungsziel für 2026 auf 80 bis 85 Milliarden Euro. Dies wirft Fragen nach den langfristigen Auswirkungen auf Finanzierungskosten und Risikomanagement auf, auch wenn der Text keine Hinweise auf aktuelle Probleme enthält.

  • Positive Eigendarstellung: Die Mitteilung hebt Rekordwerte und steigende Ergebnisse hervor. Angaben zur Wirksamkeit der geförderten Projekte, zu möglichen Fehlinvestitionen oder zu unabhängigen Erfolgskontrollen enthält der Text dagegen nicht.

Kreditausfälle, Wertberichtigungen und Risikovorsorge

  • Im Geschäftsjahr 2025 verzeichnete der KfW-Konzern ein Risikovorsorgeergebnis im Kreditgeschäft von minus 155 Millionen Euro. Einzelwertberichtigungen entstanden insbesondere im inländischen Fördergeschäft sowie in der Export- und Projektfinanzierung. Die KfW nennt dabei keine betroffenen Unternehmen oder Projekte.
  • Im handelsrechtlichen Abschluss der KfW werden für 2025 notleidende Kreditforderungen von 65 Millionen Euro genannt, die in Verbindung mit Einzelwertberichtigungen ausgebucht wurden. Der Bestand an Einzelwertberichtigungen und Einzelrückstellungen lag Ende 2025 bei 920 Millionen Euro. Auch hier erfolgt keine öffentliche Zuordnung zu einzelnen Projekten.
  • Für das erste Halbjahr 2025 meldete die KfW bereits ein negatives Risikovorsorgeergebnis von 95 Millionen Euro. Ein kleinerer Teil entfiel nach Angaben der Bank auf einzelne ausfallgefährdete Kreditengagements; Namen oder Projekte wurden nicht veröffentlicht.
  • Für das erste Halbjahr 2026 nennt der eingefügte KfW-Text eine Kreditrisikovorsorge von minus 74 Millionen Euro. Sie entstand durch pauschale Vorsorge und Einzelwertberichtigungen. Auch dieser Bericht nennt keine konkreten gescheiterten Projekte und keinen unmittelbar vom Bundeshaushalt getragenen Einzelschaden.

Einordnung

Eine Risikovorsorge oder Abschreibung bedeutet nicht automatisch, dass der Steuerzahler denselben Betrag zahlen musste. Solche Belastungen werden zunächst aus Erträgen, Sicherheiten, Rückstellungen und Eigenkapital der KfW getragen.

Für die Jahre 2025 und 2026 ist in den geprüften offiziellen Quellen bislang kein Fall dokumentiert, der alle folgenden Kriterien gleichzeitig erfüllt:

ein konkret benanntes KfW-Projekt, ein endgültig festgestellter finanzieller Schaden und eine nachgewiesene Zahlung aus dem Bundeshaushalt beziehungsweise eine Inanspruchnahme der Bundeshaftung.

Fazit: 

In den Jahren 2025 und 2026 entstanden bei der KfW nachweislich Wertberichtigungen und Ausbuchungen aus problematischen Kreditengagements. Welche Einzelprojekte betroffen waren und ob daraus endgültige Belastungen für den Bundeshaushalt entstanden, wird in den veröffentlichten Berichten nicht offengelegt.

Quellen
KfW – Geschäftsbericht 2025
KfW – Finanzbericht 2025
KfW – Pressemitteilung „KfW erzielt im Geschäftsjahr 2025 ein Konzernergebnis von 1,4 Milliarden Euro“
KfW – Pressemitteilung zum Halbjahresergebnis 2025
KfW – Halbjahresbericht 2026 „KfW: Starkes erstes Halbjahr – Neuzusagen steigen um 46 Prozent auf rund 58 Milliarden Euro“

Wer kontrolliert die KfW?

die KfW wird durch mehrere Stellen kontrolliert. Dabei ist zwischen der **KfW als öffentlich-rechtlicher Förderbank** und ihrer Tochtergesellschaft **KfW IPEX-Bank** zu unterscheiden.

Bundesministerium der Finanzen

Die zentrale staatliche Aufsicht über die KfW liegt beim Bundesministerium der Finanzen. Es übt nach dem KfW-Gesetz die Rechtsaufsicht im Benehmen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aus.

Diese Rechtsaufsicht prüft insbesondere, ob die KfW:

  • gesetzliche Vorgaben, ihre Satzung und sonstige verbindliche Regelungen einhält.

Das Bundesministerium der Finanzen kann Anordnungen treffen, um rechtswidrige Vorgänge oder Verstöße gegen die Satzung zu korrigieren. Die Rechtsaufsicht ist jedoch nicht mit einer laufenden Kontrolle jeder einzelnen Kredit- oder Projektentscheidung gleichzusetzen. 

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und Deutsche Bundesbank

Die KfW unterliegt nicht vollständig denselben aufsichtsrechtlichen Vorschriften wie eine gewöhnliche Geschäftsbank. Aufgrund der KfW-Verordnung werden jedoch zahlreiche wichtige bankaufsichtsrechtliche Anforderungen entsprechend auf die KfW und die KfW-Gruppe angewendet.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kontrolliert unter anderem die Einhaltung der entsprechend anwendbaren Vorschriften über:

  • Eigenkapital, Risikomanagement, Kreditgeschäft, Liquidität, interne Kontrollsysteme und organisatorische Anforderungen.

Dabei arbeitet die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mit der Deutschen Bundesbank zusammen.

Die KfW IPEX-Bank ist dagegen eine rechtlich selbstständige Bank und unterliegt dem Kreditwesengesetz sowie der regulären Bankenaufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. 

Verwaltungsrat der KfW

Der Verwaltungsrat ist das zentrale interne Aufsichtsorgan der KfW. Er überwacht die Geschäftsführung und die Verwaltung des Vermögens. Außerdem entscheidet er über Geschäfte, für die nach dem KfW-Gesetz oder der Satzung seine Zustimmung erforderlich ist.

Im Verwaltungsrat sitzen unter anderem:

  • Bundesminister, Vertreter des Bundestages, Vertreter der Bundesländer sowie Vertreter verschiedener gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Gruppen.

Der Vorsitz wechselt grundsätzlich zwischen dem Bundesminister der Finanzen und dem zuständigen Bundesminister für Wirtschaft.

Der Verwaltungsrat arbeitet mit mehreren spezialisierten Ausschüssen. Dazu gehören insbesondere:

  • der Risiko- und Kreditausschuss, der Prüfungsausschuss, der Präsidial- und Nominierungsausschuss sowie der Vergütungskontrollausschuss.

Im Jahr 2025 tagte der Risiko- und Kreditausschuss siebenmal, während der Prüfungsausschuss zweimal zusammentrat.

Prüfungsausschuss und interne Revision

Der Prüfungsausschuss kontrolliert unter anderem:

  • den Rechnungslegungsprozess, die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, die Arbeit der internen Revision, die Einhaltung von Vorschriften sowie den Jahres- und Konzernabschluss.

Die interne Revision kontrolliert innerhalb der KfW, ob Geschäftsprozesse, Kreditentscheidungen, Risikomanagement und interne Vorgaben ordnungsgemäß umgesetzt werden. Über wesentliche Ergebnisse wird der Prüfungsausschuss informiert.

Externe Wirtschaftsprüfung

Der Jahresabschluss und der Konzernabschluss werden durch eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft.

Für das Geschäftsjahr 2025 prüfte die Deloitte GmbH:

den Jahresabschluss der KfW, den Konzernabschluss sowie den zusammengefassten Lagebericht.

Die Abschlüsse erhielten einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk. Die Bestellung des Abschlussprüfers erfolgt durch die Aufsichtsbehörde im Einvernehmen mit dem Bundesrechnungshof und auf Grundlage eines Vorschlags des Verwaltungsrats.

Ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk bestätigt hauptsächlich, dass der Abschluss den maßgeblichen Rechnungslegungsvorschriften entspricht. Er besagt nicht, dass jedes einzelne Projekt wirtschaftlich erfolgreich war oder keine Fehlentscheidungen getroffen wurden.

Bundesrechnungshof

  • Der Bundesrechnungshof kann die KfW und den Einsatz von Bundesmitteln prüfen.

Er untersucht beispielsweise:

Förderprogramme, Vergabeverfahren, Wirtschaftlichkeit, Haushaltsrisiken und die Verwendung öffentlicher Gelder.

Der Bundesrechnungshof hat unter anderem Finanzberichte und Jahresabschlüsse der KfW sowie konkrete Förderprogramme und Auftragsvergaben geprüft. Seine Prüfungen erfolgen teilweise stichprobenartig.

Der Bundesrechnungshof kontrolliert daher nicht zwingend jede einzelne Finanzierung, sondern wählt bestimmte Programme, Vorgänge oder Risikobereiche für seine Prüfungen aus.

Deutscher Bundestag

Der Bundestag übt parlamentarische Kontrolle aus. Diese erfolgt insbesondere durch:

  • Abgeordnete im Verwaltungsrat, parlamentarische Anfragen, Ausschüsse, Haushaltsberatungen und die Auswertung von Berichten des Bundesrechnungshofes.

Vier Mitglieder des Verwaltungsrats werden durch den Bundestag gewählt. Außerdem kann die Bundesregierung grundsätzlich zu KfW-Finanzierungen befragt werden, soweit nicht Geschäftsgeheimnisse oder andere rechtliche Schutzgründe entgegenstehen.

Kontrolle einzelner Projekte

Bei einzelnen Förderprojekten erfolgt die Kontrolle zusätzlich durch mehrere Ebenen. Je nach Programm können beteiligt sein:

  • die KfW-Fachabteilungen, durchleitende Hausbanken, beauftragte Gutachter, zuständige Bundesministerien, Projektträger, externe Prüfer und der Bundesrechnungshof.
  • Bei internationalen Entwicklungsprojekten kommen außerdem Prüfungen durch Partnerorganisationen, lokale Projektträger und die KfW Entwicklungsbank hinzu.

Problematisch ist, dass detaillierte Prüfberichte zu einzelnen Kreditnehmern oder gescheiterten Projekten häufig nicht öffentlich sind. Gründe können Bankgeheimnis, Datenschutz, Geschäftsgeheimnisse oder laufende Verfahren sein. Dadurch ist die öffentliche Kontrolle einzelner Projekte weniger transparent als die Prüfung der Gesamtabschlüsse und Förderprogramme.

Zusammenfassende Bewertung

Die KfW unterliegt keiner einzelnen, umfassenden Kontrollinstanz. Die Kontrolle ist auf mehrere Stellen verteilt:

  • Das Bundesministerium der Finanzen kontrolliert die Rechtmäßigkeit.
  • Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und die Deutsche Bundesbank kontrollieren bankaufsichtliche Anforderungen.
  • Der Verwaltungsrat überwacht Vorstand, Vermögen und wesentliche Geschäfte.
  • Die interne Revision kontrolliert interne Abläufe.
  • Wirtschaftsprüfer prüfen die Abschlüsse.
  • Der Bundesrechnungshof prüft Wirtschaftlichkeit und Verwendung öffentlicher Mittel.
  • Der Bundestag übt parlamentarische Kontrolle aus.

Eine mögliche Schwachstelle besteht darin, dass diese Kontrollen häufig auf unterschiedliche Bereiche begrenzt sind. Eine vollständige, öffentlich einsehbare Kontrolle jedes einzelnen KfW-Projekts gibt es nicht.

Quellen:
Gesetz über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, insbesondere Paragrafen 7, 12 und 12a
Verordnung zur Anwendung von bankaufsichtsrechtlichen Vorschriften auf die Kreditanstalt für Wiederaufbau, insbesondere Paragraf 9
KfW, Corporate-Governance-Bericht 2025
KfW, Bericht des Verwaltungsrats 2025
KfW, Finanzbericht 2025
Bundesministerium der Finanzen, Informationen zur Kreditanstalt für Wiederaufbau
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Informationen zur Bankenaufsicht und zur KfW-Verordnung
Bundesrechnungshof, Finanzberichte und Jahresabschlüsse der Kreditanstalt für Wiederaufbau
Bundesrechnungshof, Prüfberichte zu KfW-Förderprogrammen und Auftragsvergaben
Deutscher Bundestag, Informationen zur parlamentarischen Kontrolle und zur Besetzung des KfW-Verwaltungsrats

Aktien-Rente: Kann das Finanzierungsprinzip der KfW – günstige Refinanzierung, langfristige Kapitalbewirtschaftung und Aufbau von Eigenkapital – als Vorbild für die derzeitige Rentenfinanzierung dienen?

Es gibt interessante Elemente, die sich übertragen ließen:

Das KfW-Modell

Die KfW erhält ihre Mittel überwiegend dadurch, dass sie Anleihen an den internationalen Kapitalmärkten ausgibt. Aufgrund der Bundesgarantie kann sie sich meist zu günstigen Konditionen refinanzieren. Diese Mittel vergibt sie anschließend als Kredite oder Beteiligungen. Die Zinsdifferenz zwischen Refinanzierung und Kreditvergabe sowie Beteiligungserträge finanzieren den Geschäftsbetrieb und stärken das Eigenkapital.

Vereinfacht:

  • Kapitalaufnahme über Anleihen
  • Investition in Kredite und Beteiligungen
  • Zinserträge und Beteiligungserträge
  • Aufbau von Eigenkapital und Risikopuffern

Vergleich mit einer aktienbasierten Rente

Für eine staatliche Aktienrente könnte ein ähnliches Prinzip gelten:

  • Der Staat nimmt langfristig Kapital am Kapitalmarkt auf.
  • Das Kapital wird nicht als Kredit vergeben, sondern weltweit in breit gestreute Aktien und andere Vermögenswerte investiert.
  • Die langfristigen Renditen fließen in den Kapitalstock.
  • Aus den Erträgen werden später Rentenzahlungen finanziert.
  • Genau dieses Grundprinzip verfolgen bereits mehrere Länder.

Beispiele

  • Norwegen: Der Government Pension Fund Global investiert Öl- und Gaseinnahmen weltweit in Aktien, Anleihen und Immobilien.
  • Schweden: Die staatlichen AP-Fonds verwalten Teile der Altersvorsorge mit einem langfristigen Kapitalmarktansatz.
  • Kanada: Der Canada Pension Plan Investment Board investiert weltweit und unabhängig von der Tagespolitik.

Warum wäre ein solches Modell möglicherweise einfacher?

Im Vergleich zur KfW müssten

  • keine Millionen einzelner Förderkredite geprüft werden,
  • keine Projektbewertungen durchgeführt werden,
  • keine Kreditrisiken einzelner Unternehmen überwacht werden,
  • keine Förderprogramme verwaltet werden.

Stattdessen könnte ein großer Teil des Vermögens passiv in breit gestreute Indexfonds investiert werden. Dadurch wären die Verwaltungskosten erheblich geringer.

Was könnte dagegen sprechen?

Hier liegen die wesentlichen Unterschiede:

  • Die KfW verfolgt einen Förderauftrag. Rendite ist nicht das alleinige Ziel.
  • Eine Aktienrente hätte den Zweck, langfristig möglichst hohe Kapitalerträge für die Altersvorsorge zu erzielen.
  • Eine staatliche Aktienrente müsste weitgehend unabhängig von politischen Eingriffen organisiert werden. Andernfalls könnten Regierungen versucht sein, Kapital für industrie- oder strukturpolitische Ziele einzusetzen.

Ein möglicher Mittelweg

Aus ökonomischer Sicht wäre ein Modell denkbar, bei dem

  • die KfW ihre heutige Förderfunktion behält,
  • daneben ein eigenständiger staatlicher Kapitalfonds entsteht,
  • dieser nach klaren gesetzlichen Regeln ausschließlich weltweit diversifiziert investiert,
  • die Anlageentscheidungen von einer unabhängigen Fachgesellschaft getroffen werden,
  • Politik und Ministerien keinen Einfluss auf einzelne Investitionen nehmen dürfen.

Ein solches Modell würde sich organisatorisch stärker an den schwedischen oder kanadischen Staatsfonds orientieren als an der heutigen KfW.

Fazit

Das Finanzierungsprinzip der KfW – günstige Refinanzierung, langfristige Kapitalbewirtschaftung und Aufbau von Eigenkapital – könnte teilweise als Vorbild dienen. Für eine aktienbasierte Rente wäre jedoch ein einfacheres und transparenteres Modell sinnvoll, das überwiegend auf breit gestreute Kapitalmarktanlagen statt auf Einzelkredite und Förderprojekte setzt. Die internationalen Erfahrungen, insbesondere aus Schweden, Norwegen und Kanada, sprechen dafür, dass ein solcher Ansatz mit einer unabhängigen Verwaltung praktikabler wäre als eine Ausweitung des KfW-Geschäftsmodells.

 

Quellen:
Gesetz über die Kreditanstalt für Wiederaufbau
KfW, Finanzbericht 2025
KfW, Geschäftsbericht 2025
Bundesministerium der Finanzen, Informationen zur KfW
Government Pension Fund Global (Norwegen), Jahresberichte
Sweden AP Funds, Jahresberichte
Canada Pension Plan Investment Board, Annual Report

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