Wenn Nahrung zum Boten wird: Neuer Signalweg verändert die Immunabwehr
August 4, 2026 8:16 pmLudwig-Maximilians-Universität München: Mausmodell – Signalweg identifiziert, über den die Ernährung die Entwicklung des Immunsystems beeinflusst
Die frühe Lebensphase gilt als besonders wichtig für die Entwicklung des Immunsystems. In dieser Zeit muss es lernen, harmlose Einflüsse wie Nahrungsmittel oder natürliche Mikroorganismen im Körper zu tolerieren und gleichzeitig Krankheitserreger wirksam zu erkennen und abzuwehren. Gelingt dieses Gleichgewicht nicht, kann das Risiko für Allergien und Autoimmunerkrankungen im späteren Leben steigen. Ein entscheidender Abschnitt ist dabei der Übergang von der Muttermilch zu fester Nahrung.
Eine zentrale Rolle spielen sogenannte dendritische Zellen. Diese Immunzellen nehmen Bestandteile aus ihrer Umgebung auf, darunter Bestandteile von Krankheitserregern, Nahrungsmitteln und anderen Umweltstoffen. Anschließend beeinflussen sie, wie andere Immunzellen, darunter T-Zellen, auf diese Stoffe reagieren.
Die Forschenden konnten zeigen, dass bei jungen Mäusen mit dem Beginn der festen, getreidehaltigen Nahrung verschiedene Lymphozyten verstärkt den Botenstoff Interferon-Gamma bilden. Dieser löst eine Signalkette aus, die eine bestimmte Gruppe dendritischer Zellen in der Milz, die sogenannten cDC1, aktiviert. Die aktivierten Zellen produzieren den Signalstoff CXCL9 und beeinflussen anschließend die Eigenschaften und Aktivität von CD8-T-Zellen, die auf Bestandteile der Nahrung reagieren. Auf diese Weise werden Signale aus der Ernährung an das Immunsystem weitergegeben und die Entwicklung der T-Zellen an die zunehmende Vielfalt von Nahrungsbestandteilen und Umwelteinflüssen angepasst.
Nach Angaben der Forschenden funktionierte dieser Regelmechanismus auch bei keimfrei aufgezogenen Mäusen. Die Veränderungen der Darmflora, die normalerweise mit dem Abstillen einhergehen, sind daher für diesen Signalweg nicht erforderlich. Welche Bestandteile der Nahrung die Immunreaktion auslösen, konnte bislang nicht bestimmt werden. Als mögliche Auslöser kommen bioaktive Stoffe aus herkömmlichem Getreidefutter infrage. Dazu zählen Bestandteile von Getreide wie Beta-Glucane sowie geringe Mengen mikrobieller Moleküle wie Lipopolysaccharide.
Darüber hinaus zeigte die Untersuchung, dass die cDC1-Zellen auch bei erwachsenen Mäusen auf Veränderungen der Ernährung reagieren. Dies deutet darauf hin, dass die Ernährung das Immunsystem nicht nur in der frühen Entwicklung, sondern auch im Erwachsenenalter beeinflussen kann. Die Ergebnisse legen außerdem nahe, dass Nahrung dem Immunsystem neben Nährstoffen auch Signale liefert, die Immunreaktionen steuern. Künftig soll untersucht werden, ob sich Immunreaktionen durch gezielte Veränderungen der Ernährung beeinflussen lassen.
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Stichwörter: Immunsystem, nachrichten